Der deutsche Trappist, der die Juden im Kloster Tre Fontane rettete

Ein Stückchen europäische Geschichte

Rom, (ZENIT.org) Antonio Gaspari | 1067 klicks

Nur wenige in Rom kennen die Gedenktafel, mit der die jüdischen Familien Sonnino und Di Porto den Trappisten für ihre Hilfe gegen die Nazis danken. Am 8. Oktober 2002 verlieh die israelische Botschaft dem inzwischen verstorbenen Abt Leo Ehrhard, geboren 1866 in Türkheim (Diözese Straßburg) im Elsass, eine Ehrenmedallie.

Ehrhard hatte seinen Militärdienst im deutschen Heer geleistet, da das Elsass damals zum deutschen Kaiserreich gehörte. Am 7. Mai 1891 trat er ins Noviziat der Trappisten ein. Im Februar 1893 wurde er ins Kloster „Tre Fontane“ nach Rom geschickt, wo er 1894 seine Priesterweihe empfing. Sechs Jahre später wurde er zum Prior der Abtei gewählt. In den schrecklichen Jahren des Zweiten Weltkriegs und besonders während der Nazi-Besetzung der Stadt Rom, wurde die Abtei „Tre Fontane“ zu einem Zufluchtsort für Juden, Oppositionelle und zahlreiche andere Menschen, die die Ankunft der Alliierten erwarteten.

Nach der brutalen Razzia im römischen Judenghetto am 16. Oktober 1943 fassten der Prior und seine Mitbrüder den mutigen Entschluss, Menschen, die Gefahr liefen, von den nazifaschistischen Truppen gefangen und getötet zu werden, in ihrem Kloster zu verbergen. Nach Kriegsende schenkten die Juden, die dank des Einsatzes der Klosterbrüder die Verfolgung überlebt hatten, der Abtei eine Reliefplatte mit einer Darstellung der Jungfrau Maria mit dem Kind und der Aufschrift „Emanuel“. Die Platte hängt heute noch an einem der Eingänge der Abtei.

Unweit von der Reliefplatte ließen die Mönche eine Gedenktafel anbringen, die ihnen von den jüdischen Familien Sonnino und Di Porto geschenkt worden war. Der Text lautet: „J. Sonnino e A.S.A. Di Porto persecutionem nazistam in iudeos dire saevientem fugientes hic deipara favente sospites beneficii memores posuere A.D. MXMXLVI“ (übersetzt: „J. Sonnino und A., S. und A. Di Porto, auf der Flucht vor der Judenverfolgung durch die Nazis, wurden durch die Hilfe der Muttergottes an diesem Ort gerettet. Dankbar für diese Gnade setzten sie diese Tafel im Jahr 1946“).

Nachforschungen zur Geschichte der Abtei „Tre Fontane“ haben ergeben, dass „nach den ersten systematischen Festnahmen von Juden in Rom einige Entkommene sich unter die Arbeiter mischten, die täglich ins Kloster kamen“ (Pater Alfonso Barbiero).

Einige Namen dieser jüdischen Flüchtlinge sind bekannt: Giuseppe Sonnino, Alberto und Fortunata Spizzichino, Angelo, Settimio und Alberto Di Porto, sowie einige Mitglieder der Familie Benigno. Pater Alfonso Barbiero berichtet, die Idee, sich im Kloster zu verstecken, sei Giuseppe Sonnino gekommen, der schon vor dem Krieg Handelsbeziehungen zu den Trappisten von Tre Fontane hatte: Er verkaufte dem Kloster die Säcke zur Lagerung von landwirtschaftlichen Produkten, die auf den Markt sollten.

Die Flüchtlinge klopften etwa zehn Tage nach der Razzia vom 16. Oktober 1943 an die Klostertür. Die Trappisten nahmen sie auf und behaupteten vor den Besatzern, es handle sich um Flüchtlinge aus Neapel, die vor den von Süden heranrückenden Amerikanern nach Rom geflohen seien. Diese Lüge war nötig, denn im Kloster waren deutsche Soldaten untergebracht, die die Aufgabe hatten, das Anwesen der Abtei zu beschützen und zu überwachen. Giuseppe Sonnino sowie Angelo und Alberto Di Porto wurden in den Gärten der Abtei als Bauern eingesetzt.

Bis zur Befreiung Roms durch die Alliierten nahmen noch verschiedene andere Personen in der Abtei Zuflucht, manche nur für wenige Tage. Sie alle wurden von den Trappisten und von ihrem Prior aufgenommen und verpflegt, ohne dass die Mönche irgendeine Gegenleistung erwartet hätten. Ein schönes Beispiel christlicher Nächstenliebe, die auch Gefahren nicht scheut, um den Notleidenden zu helfen.