Der ehemalige Kammerdiener des Papstes vor Gericht

Beim Prozess wegen desDiebstahls der päpstlichen Dokumente versucht der Angeklagte, Paolo Gabriele, die Wogen zu glätten

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VATIKANSTADT, 2. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Beim Prozess gegen den ehemaligen Kammerdiener Benedikts XVI., Paolo Gabriele, gab es viele Halbwahrheiten und Versuche, die Wahrheit zu verschleiern.

Gabrieles Begründung, die Dokumente des Papstes fotokopiert zu haben, bestand darin, dass er Korruption im Vatikan aufdecken wollte.

Er gab an, in Gesprächen zu solchen Handlungen angestiftet worden zu sein; Gespräche beispielweise mit Kardinal Angelo Comastri, Msgr. Franscesco Cavina, Bischof von Capri und Kardinal Paolo Sardi, Patron des Souveränen Malteserordens, wie auch der Mitarbeiterin des Papstes, Ingrid Stampa.

Er verteidigte sich mit dem Argument, dass man zwischen den Taten und der Mitarbeit bei der Entwendung der Dokumente unterscheiden zu müssen.

Gabriele wiederholte, dass er Informationsaustausch und Kontakt mit Vincenzo Mauriello hatte, Helfer des Staatssekretariates, und Luca Catranca von der Bruderschaft Petrus und Paulus.

Paolo Gabriele zufolge war es Cartano, der den Text „Napoleon im Vatikan“ verbreitet hatte, das später auch zu einem Kapitel in seinem Buch wurde, in dem ebenfalls Fotokopien und Dokumente abgebildet waren, die dem Papst vorbehalten waren.

Gabriele gestand, allein und ohne Komplizen gearbeitet zu haben. Nach eigenen Angaben plädierte Gabriele „bezüglich des Diebstahls auf unschuldig“. „Ich fühle mich schuldig, das Vertrauen des Heiligen Vaters missbraucht zu haben, den ich liebe, wie ein Sohn seinen Vater.“ Er habe so sehr das Vertrauen seiner Mitarbeitet genossen, dass er die Fotokopien während der Arbeitszeit und mit dem Kopierer des Büros erstellen konnte.

Gabriele habe seit 2010, seit dem sogenannten „Fall Viganò“, begonnen, Dokumente zu kopieren. Msgr. Vignò (derzeitig Apostolischer Nuntius der USA) strebte im Jahre 2009 die Stelle des Gouverneurs des Vatikanstaates an. Er warf einigen Mitarbeitern im Vatikan vor, gegen ihn gearbeitet und ihm so die Position unmöglich gemacht zu haben. Die Veröffentlichung entsprechender vertraulicher Dokumente eröffneten den sogenannten „Vatileaks“-Skandal.

Die Kopien, die von Msgr. Gänswein, dem Privatsekretär des Papstes, gefunden wurden, reichen bis zum Jahre 2006 zurück. Damit hat Gabriele seit seiner Einstellung als Kammerdiener Dokumente kopiert.

Paolo Gabriele drohen bis zu vier Jahren Haft.

Der Prozess folgt den Rechtsnormen des Vatikanstaates, die sich von denen der katholischen Kirche unterscheiden. Die Geschworenen sind Laien und haben keine direkte Verbindung zur katholischen Kirche. Letztere hat ihre eigenen Richter, die nach dem Kirchenrecht urteilen. [jb]