Der Engel von Auschwitz

Schwester Angela Autsch (1900-1944)

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 420 klicks

Maria Cäcilia (Angela) Autsch wurde am 26. März 1900 in Röllecken in Nordrhein-Westfalen geboren. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Mit 15 Jahren erlernte sie in Finnentrop den Beruf der Verkäuferin. Nachdem sich ihr Verlobter 1930 das Leben genommen hatte, musste die junge Frau den Ort verlassen und zog nach Heinsberg, wo sie mit dem ursprünglich spanischen Trinitarier-Orden in Berührung kam. 1933 trat sie dem Orden in Mötz in Tirol bei. Ab 1934 trug sie den Namen Angela. 1938 legte sie die Profess ab. Im Orden war sie als Erzieherin und Erntehelferin tätig.

Als am 12. März 1938 Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen wurde, äußerte sich Schwester Angela kritisch. Ihre Aussage, „Hitler ist eine Geißel für ganz Europa“, war der Grund für ihre Verhaftung am 12. August 1940. 

Doch schon vorher war sie der Gestapo unangenehm aufgefallen. Die Nationalsozialisten hatten versucht, das Kloster Mötz zu beschlagnahmen, was Schwester Angela aber vereiteln konnte. Sie hatte nachgewiesen, das Kloster sei spanisches Eigentum, und den spanischen Konsul in Wien in die Angelegenheit miteinbezogen. Die Nationalsozialisten mussten schließlich von ihrem Vorhaben absehen.

Schwester Angela wurde am 2.August 1940 in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. In der Haft wurde sie zunächst zu körperlicher Schwerstarbeit eingeteilt, dann kümmerte sie sich aufopferungsvoll auf der Krankenstation um ihre Mitgefangenen. Am 26. März 1942, ihrem Geburtstag, wurde sie in das Konzentrationslager Auschwitz verlegt. Am 16. August 1942 gelangte sie nach Auschwitz-Birkenau, wo sie, wie zuvor in Ravensbrück, in der Krankenabteilung arbeitete. Ihre Mitgefangenen nannten sie den „Engel von Auschwitz“. Einige Monate später, am 15. Mai 1941, wurde sie dem SS-Lazarett zugeteilt.

Schwester Angela starb am 23. Dezember 1944. Ihr Seligsprechungsverfahren wurde am 8. März 1990 vom Bistum Wien durch Hans Hermann Kardinal Groer eingeleitet.

Von Schwester Angela sind rund 100 Briefe und zahlreiche Zeugnisse ihrer Mitgefangenen erhalten. Maria Rosenberger, eine Mitgefangene, schilderte: „Einige der Aufseherinnen haben Angela auch bewusst schikaniert, weil sie eine Nonne war. Aber das hat ihr nichts ausgemacht. Sie hatte ein besonderes Lächeln, und wie gern hat sie mit uns gelacht. Wenn sie mir morgens heimlich zuwinkte — sie stand im Nachbarblock — freute ich mich den ganzen Tag. Maria war wie ein Sonnenstrahl in der finsteren Hölle. Ich fragte sie manchmal: Wovon lebst du denn, wenn du dein Brot immer weggibst? Sie antwortete: Wenn ich Hunger habe, bete ich. Dann vergesse ich. Dabei sah sie mit ihren Bäckchen aus wie das blühende Leben, auch wenn sie hungerte… .“ Maria Rosenberger war schwanger, als sie in das Lager kam: „Dass ich überlebt habe, verdanke ich Angela Autsch. Sie hat mir immer wieder Mut gemacht und besonders im Anfang, als das Kind unterwegs war. Wenn sie in der Nähe war, fühlte man sich wie neugeboren. Angela war eine Heilige in der Hölle des KZ. Zuerst arbeitete Angela wie wir draußen. Nach einigen Wochen kam sie in die Krankenstube. Sie war dabei, als ich mein Kind bekam. Als ich wieder zu mir kam, teilte sie mir auf einem Zettel mit — sie durfte nicht mit mir sprechen —, dass mein neugeborenes Kind in den Gasofen geworfen worden war. Dafür sorgte der SS-Arzt. Über dem Lager lag dieser süßliche Geruch von verbrannten Menschen. Kinder liefen zwischen uns herum. Von Zeit zu Zeit wurden sie einfach in den Ofen geworfen.“

Mit der slowakischen Ärztin Margita Schwalbová, die ebenfalls in Auschwitz inhaftiert war, verband Schwester Angela eine tiefe Freundschaft. 1947 berichtete diese über den Einsatz von Schwester Angela: „ ...Was sie im Konzentrationslager Auschwitz für ihre Mithäftlinge tat, tat sie mit großer Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit, nur aus einem großen menschlichen Gefühl, leidenden Menschen helfen zu müssen. Tausendmal brachte sie sich selber in Gefahr, unzählige Male gefährdete sie dadurch ihr eigenes Leben, aber sie zögerte nie, keinen Augenblick. Sie ging ihren geraden leuchtenden Weg…“