Der erste Dienst des Christen ist die Verkündigung: Ansprache Benedikts XVI. an die Teilnehmer des Kongresses zum 40. Jahrestag des Konzilsdekrets "Ad gentes"

"Die Verkündigung und die Bezeugung des Evangeliums sind der erste Dienst, den die Christen einer jeden Person und dem gesamten Menschengeschlecht erweisen können, da sie dazu berufen sind, allen die Liebe Gottes mitzuteilen"

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ROM, 14. März 2006 (Zenit.org).- Am Samstagvormittag empfing Papst Benedikt XVI. die Teilnehmer eines Kongresses, der anlässlich des vierzigsten Jahrestags des Konzilsdekrets "Ad gentes" über die Missionstätigkeit der Kirche im Vatikan stattgefunden hatte. Der Kongress war von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und der Päpstlichen Universität Urbaniana veranstaltet worden.



Bei der Eröffnung der Arbeiten am 9. März unterstrich der Präfekt der angeführten Kongregation, Kardinal Crescenzio Sepe, dass die Berufung zur Mission im Licht der "prophetischen Weisungen" des Konzilsdekrets alle Glieder der Kirche, Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien, betreffe. Alle Christen müssten sich, so der Kardinal, mit den neuen Herausforderungen der modernen Zeit – der Globalisierung, der Inkulturation und dem Dialog – auseinandersetzen.

In seiner Ansprache vor den Kongressteilnehmern erklärte Benedikt XVI., dass mit der Approbation des Dekrets am 7. Dezember 1965 der Mission der Kirche ein erneuter Impuls gegeben worden sei. "Die theologischen Grundlagen sind besser herausgearbeitet worden; ebenso ihr Wert und ihre Aktualität angesichts der Veränderungen in der Welt und der Herausforderungen, vor die die Modernität die Verkündigung des Evangeliums stellt." Die Kirche habe "ein noch klareres Bewusstsein der ihr innewohnenden missionarischen Berufung erlangt, indem sie in ihr ein konstitutives Element ihrer eigenen Natur erkannte." Die Verkündigung und die Bezeugung des Evangeliums "sind der erste Dienst, den die Christen einer jeden Person und dem gesamten Menschengeschlecht erweisen können", betonte der Heilige Vater. Die Christen seien dazu berufen, "allen die Liebe Gottes mitzuteilen, die sich in Fülle im einzigen Erlöser der Welt, Jesus Christus, gezeigt hat".

Dem folgend berief sich Benedikt XVI. auf die "ursprüngliche Wurzel der Mission der Kirche", das heißt auf das "trinitarische Leben Gottes, aus dem die Bewegung der Liebe entspringt, die sich aus den göttlichen Personen über die Menschheit ergießt". Die Aufgabe der Kirche ist es, bekräftigte der Papst, "unaufhörlich diese göttliche Liebe dank der Handlung des Leben spendenden Heiligen Geistes zu vermitteln".

Benedikt XVI zitierte seine Enzyklika "Deus caritas est" (19) und bekräftigte, es sei der Heilige Geist, der das Leben der Gläubigen verwandelt und sie von der Knechtschaft der Sünde und des Todes befreie. Die Menschen würden auf diese Weise "dazu befähigt, die barmherzige Liebe Gottes zu bezeugen, der aus der Menschheit in seinem Sohn eine einzige Familie machen will".

Benedikt XVI. erinnerte daran, "dass auch die christliche Gemeinschaft unserer Epoche im Gehorsam gegenüber dem Gebot Jesu, der seine Jünger aussandte, das Evangelium allen Völkern zu predigen, sich zu den Männern und Frauen des dritten Jahrtausends gesandt fühlt, um sie die Wahrheit der frohen Botschaft erkennen zu lassen und ihnen so den Weg des Heils zu eröffnen". Dies sei nicht etwas "Fakultatives", fügte er hinzu. "Es ist die eigentliche Berufung des Volkes Gottes; eine Pflicht, die ihm durch den Auftrag des Herrn Jesus Christus selbst zukommt."

Von Anfang an erscheine der Bereich der so genannten "misso ad gentes" auf bemerkenswerte Weise "erweitert und nicht nur auf der Grundlage geographischer oder juridischer Überlegungen bestimmbar. Die wahren Adressaten der missionarischen Tätigkeit des Volkes Gottes sind in der Tat nicht nur die nicht-christlichen Völker und die weit entfernten Länder, sondern auch die sozio-kulturellen Bereiche und vor allem die Herzen."

Die Verwirklichung des Missionsauftrags gebiete "Geduld und Weitblick, Mut und Demut, das Hören auf Gott und das wachsame Erkennen der Zeichen der Zeit", fuhr Benedikt XVI. fort., und sie erfordere es, "denselben Weg zu gehen, den Christus gegangen ist: den Weg der Armut, des Gehorsams, des Dienstes, des Opfers seiner selbst – bis hin zum Tod am Kreuz, das er besiegt hat".

In diesem Sinn rief der Papst aus: "Ja, die Kirche ist dazu berufen, der Menschheit unserer Zeit zu helfen, indem sie einzig Christus vertraut, sich von seinem Wort erleuchten lässt und ihn nachahmt, wenn sie sich großzügig den Brüdern schenkt." Die Kirche "ist das Instrument in seinen Händen. Deshalb tut sie, so viel sie kann, im Bewusstsein, dass es immer der Herr ist, der wirkt." Aus diesem Grund hätten die Missionare auch in der jüngsten Zeit ihr Leben für das Evangelium hingegeben. "Ihr Opfer möge zu einem neuen Frühling gereichen, der reich an apostolischen Früchten für die Evangelisierung ist."