Der Erzbischof von Canterbury besucht Rom und den Vatikan

Schwierige Zeiten für die Anglikanische Gemeinschaft

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ROM, 6. Mai 2008 (ZENIT.org).- Gegenwärtig mache die Anglikanische Gemeinschaft eine sehr schwierige Zeit durch, erklärte der Erzbischof von Canterbury im Vorfeld seiner gestrigen Privataudienz bei Papst Benedikt XVI. im Vatikan.



Das Oberhaupt der Kirche von England nimmt in Rom am siebten „Building Bridges Seminar“ in Rom teil, bei dem sich christliche und muslimische Würdenträger von heute an bis Donnerstag austauschen werden.

Das Treffen mit dem Papst bezeichnete Erzbischof Rowan Williams gegenüber „Radio Vatikan“ als ein „recht informelles Treffen“. Und er fügte hinzu: „Ich hoffe, ihn über unsere Pläne bezüglich der Lambeth-Konferenz auf dem Laufenden zu halten, vielleicht ein wenig das zu besprechen, was beim [christlich-muslimischen] Kongress in dieser Woche in Palazzola geschehen wird, und mich mit ihm über China zu verständigen, also über die Initiativen, die wir im Hinblick auf die Kirchen in China derzeit angehen.“

Konkret habe man versucht, Kontakte mit Religionswissenschaftlern in China aufzubauen. „Wir haben vor einiger Zeit eine Gruppe hergebracht, um einige britische Theologen zu treffen, und das war sehr konstruktiv. So ist es wirklich eine Frage, die Tür offen zu halten, damit mehr geschehen kann als ein höflicher Austausch, nämlich ein echter theologischer Dialog.“

Nicht die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der anglikanischen Gemeinschaft erlebten derzeit ihre schwierigste Zeit seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Vielmehr seien es die Spannungen innerhalb der Anglikanischen Gemeinschaft, die diese zu zerreißen drohten, erläuterte der Erzbischof von Canterbury mit Blick auf die Problematik der Weihe von homosexuell orientierten Bischöfen in einer ihrer Schwesterkirchen.

Durch die Arbeit des 1966 gegründeten anglikanischen Zentrums in Rom seien für die anglikanisch-katholischen Beziehungen „enorm tiefe Fundamente“ gelegt worden, fügte er hinzu. Das ergebe ein ganz anderes Bild des kirchlichen Miteinanders, als die Querelen rund um die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe dies ahnen ließen.

Papst Paul VI. und Erzbischof Ramsey hätten sich damals vorgenommen, einen Dialog aufzunehmen, in dem alle Angelegenheiten, die in vergangenen Tagen zur Trennung beigetragen hatten, von einer frischen Perspektive aus in Wahrheit und Liebe angesprochen werden konnten. Dies fortgeführt zu haben, sei insbesondere das Verdienst von Bischof John Flack, der als Leiter des anglikanischen Zentrums durch ehrliche Verständigung eine Vertrauensbasis geschaffen habe.

Nun bemüht sich vor allem die „internationale anglikanisch/ römisch-katholische Kommission für Einheit und Sendung“ („International Anglican - Roman Catholic Commission for Unity and Mission“, IARCCUM) um die Erforschung geeigneter Wege, auf denen der gemeinsame Auftrag der Christen, der Welt das neue Leben in Christus zu verkünden, beschleunigt und genährt werden kann.

Während seines Rom-Aufenthalts wird das Oberhaupt der Kirche von England auch den neuen Leiter des anglikanischen Zentrums, Reverend David Richardson, in sein Amt einführen.