Der EU-Afrika-Gipfel und die Bedürfnisse Afrikas

Bischöflicher Appell zur Bekämpfung der mordernen Formen von Sklaverei

| 1354 klicks

LISSABON, 12. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Beim zweitägigen EU-Afrika-Gipfel wurde Ende letzter Woche in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon eine gemeinsame Strategie zur zukünftigen Zusammenarbeit beschlossen. Einige Beobachter jedoch haben die Begegnung, die offiziell als „historisches Ereignis“ gefeiert wurde, kritisch hinterfragt, wie die Nachrichtenagentur „Fides“ der Kongregation für die Evangelisierung der Völker berichtete.



Die Verhandlungen, so heißt es unter anderem, fanden nicht mit den Völkern Afrikas statt, „sondern mit den Vertretern von Regimes, die eher opportunistisch handeln und den größten Vorteil in möglichst geringer Zeit anstreben“, kommentierte Pater Gerardo Caglioni, der als Xaverianer Missionar seit zwölf Jahren in Sierra Leone wirkt.

Beim Lissabon-Gipfel vereinbarten die 27 EU-Mitgliedsstaaten und 53 afrikanische Länder eine „strategische Partnerschaft“ im Hinblick auf Wirtschaftsfragen und Belange der Entwicklung sowie zu Fragen der Sicherheit, der Migration, des Klimawandels und der Energieversorgung. Die Vereinbarungen sollen zur Schaffung „gleichberechtigter Beziehungen“ beitragen.

Im Vorfeld des Gipfeltreffens hatten europäische und afrikanische Bischöfe an die in Lissabon versammelten Staats- und Regierungschefs der beiden Kontinente appelliert, „die neuen Formen der Sklaverei unserer heutigen Zeit zu bekämpfen“.

Das gemeinsame Mahnschreiben der europäischen und afrikanischen Bischöfe entstand aus Anlass des 200. Jahrestages des Endes der Sklaverei in Westafrika.

Bei den Beratungen in Cape Coast (Ghana) zum Thema „Ich habe das Elend meines Volks gesehen (Ex 3,7) – Sklaverei und neue Formen der Sklaverei“ wurde die gemeinschaftliche Verantwortung für die Evangelisierung und den menschlichen Aufstieg der beiden Kontinente und der Welt als Ganzes zum Ziel der pastoralen Bemühungen erklärt.

„Die Sklaverei existiert auch heute noch, sie ist nur nicht immer offensichtlich. Man denke nur daran, wie Migranten und Zuwanderer behandelt werden oder Kinder und Frauen, die Opfer des Menschenhandels werden“, erklärten die Bischöfe Ende November.

Die umstrittenen Punkte sind für die afrikanischen Oberhirten die Bekämpfung des Menschenhandels und die Beendigung der Ausbeutung der materiellen und menschlichen Ressourcen in Afrika. Ein großes Problem, das damit zusammenhängt, ist die Abwanderung von Akademikern und Ärzten aus dem Kontinent (was als „brain drain“ bezeichnet wird).

Andere wesentliche Punkte – etwa das Engagement für die Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele (Beseitigung der Armut bis 2015); das Bemühen um Gemeinwohl; gute Regierungsführung, Bekämpfung der Korruption und die Würdigung des Beitrags der Migranten zur Entwicklung der Gastländer und ihre Überweisungen zum Unterhalt der Familien in den Heimatländern – sind auch im Lissabonner 8-Punkte-Programm enthalten, das die Politiker unterzeichnet haben. Trotz ihrer Kontroversen bezüglich Handel und Menschenrechte leiteten beide Seiten einen Neuanfang ihrer Beziehungen ein.

Der Vorsitzende der Europäischen Kommission, Manuel Barroso, stellte in diesem Sinne umfassende Verhandlungen hinsichtlich der Vereinbarungen über die Wirtschaftspartnerschaft (APE) in Aussicht, erinnerte jedoch daran, dass provisorische Vereinbarungen bis zum Jahresende unterzeichnet werden sollten, wenn negative Auswirkungen auf den Handel zwischen den beiden Kontinenten vermieden werden sollten.

Unterdessen lehnen die meisten afrikanischen Länder die Perspektive einer Freihandelszone zwischen den beiden Kontinenten bis 2025-2030 ab, da sie befürchten, dass dies den afrikanischen Volkswirtschaften schaden könnte, berichtete „Fides“.

„Der EU-Afrika-Gipfel in Lissabon stellte sich als Treffen gleichberechtigter Partner dar und wird dies offiziell und den Worten nach auch gewesen sein, doch die tatsächlichen Ergebnisse werden wir (kurz- und mittelfristig) anhand der tatsächlichen Auswirkungen auf das Leben der Menschen beurteilen können: Werden sich die Lebensbedingungen von Millionen von Afrikanern tatsächlich ändern, oder wird dies – wie bisher – nur ein leeres Versprechen bleiben?“, kommentierte Pater Gerardo Caglioni.

Von Angela Reddemann