Der Europäische Gerichtshof gibt grünes Licht für genetisches Screening

Die italienische Regierung will Gerichtsverfahren fortsetzen

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ROM, 11. September 2012 (ZENIT.org). - Am 28. August 2012 öffnete ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte den Zugang zur genetischen Präimplantationsdiagnostik (PID).

Das Gerichtsurteil  bezog sich auf das italienische Staatsgesetz 40/2004 zur künstlichen Befruchtung. Im Fall von Rosetta Costa und Walter Pavan gegen den italienischen Staat wollte ein verheiratetes Ehepaar, beide Träger von Mukoviszidose, ihre Kinder im Embryostadium per Präimplantationsdiagnostik auf die genetische Krankheit hin untersuchen.

Das Paar hatte bereits ein an Mukoviszidose erkranktes Kind abgetrieben. Sie wandten sich an das Gericht mit dem Argument, dass das Verbot der genetischen Präimplantationsdiagnostik im derzeitigen italienischen Gesetz einen Eingriff in ihr Privat- und Familienleben darstelle.

Im 2004 erlassenen Staatsgesetz 40 war die PID, das Einfrieren von Embryonen und die Verwendung von Embryonen zu Forschungszwecken untersagt. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Jahr 2009 erlaubte die PID, aber für unfruchtbare Paare. Darunter fiel das Ehepaar Costa und Pavan nicht.

Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig und die italienische Regierung gab bekannt, zu einer Neuprüfung des Falles dessen Übermittlung an die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs zu beantragen.

In einem Interview mit ZENIT beschrieb der Präsident der italienischen Pro-Life Bewegung Carlo Casini das Urteil als „oberflächlich“. Er hoffe auf eine Abänderung im Berufungsverfahren.

Ferner betonte er, dass die Entscheidung Italien nicht zu einer Änderung des Gesetzes verpflichte und kein endgültiges Urteil sei. Casini zufolge habe die Große Kammer vergangenen November eine Entscheidung im Zusammenhang mit heterologer Befruchtung abgeändert.

Casini wies darauf hin, dass ein Fall erst nach Erschöpfung des Rechtsweges im Ursprungsland vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gebracht werden könne. Das Ehepaar Casini und Pavan habe diesen Prozess  jedoch nicht durchlaufen und sich direkt an den Europäischen Gerichtshof gewandt. Dies sei Grund genug, ihrem Gesuch nicht stattzugeben.

Eines der großen Probleme der PID sei Casini zufolge die Tatsache, dass neun bis zwölf gesunde Embryonen dazu notwendig seien. Aus diesem Grund müssen für die Geburt eines einzigen Embryonen viele andere lebensfähige Embryonen zerstört werden. Laut Casini komme es zu einem „programmierten Tod vieler Kinder, um ein gesundes zu bekommen.“

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]