„Der Fluss der Tradition trägt in sich auch seine Quelle und strebt nach der Mündung“

50 Jahre Päpstliches Liturgisches Institut Sant‘ Anselmo: kein Gegensatz zwischen Tradition und Fortschritt in der Liturgie

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VATIKANSTADT, 7. Mai 2011 (ZENIT.org). – Tradition und Fortschritt in der Liturgie seien kein Gegensatz, sondern gehörten untrennbar zusammen und bedingten einander. Dies betonte Papst Benedikt XVI. beim Empfang der Teilnehmer einer Tagung zum 50-jährigen Bestehen des von Papst Johannes XXIII. gegründeten Päpstlichen Liturgischen Institutes Sant‘ Anselmo in Rom zum Thema „Das Päpstliche Liturgische Institut zwischen Gedächtnis und Prophetie“.

Die Tradition trage die Entwicklung in sich und die Weiterentwicklung basiere auf der „Quelle der Tradition“. Eine Trennung, ein Bruch, seien „ungeschickt“ und widersprächen den Anliegen der liturgischen Erneuerung.

Ziel der liturgischen Erneuerung sei einerseits gewesen, eine aktive Teilnahme der Gläubigen an der Feier der Liturgie zu fördern, andererseits die Kenntnis über das theologische Fundament zu vertiefen, um den Ritualismus zu vermeiden. Auch die Begünstigung von Subjektivismus und Protagonismus des Zelebranten müsse als Irrweg betrachtet werden.

Die Liturgie sei jedoch nicht ein Objekt, das es zu reformieren gelte, sondern ein Subjekt, das fähig sei, das christliche Leben mit Leben zu erfüllen:

„Leider wurde vielleicht die Liturgie – auch unter uns Hirten und Experten – als ein Objekt gesehen, das es zu reformieren gilt, und nicht als ein Subjekt, das fähig ist, das christliche Leben zu erneuern, da es ein sehr enges und organisches Band zwischen der Erneuerung der Liturgie und der Erneuerung des ganzen Lebens der Kirche gibt: Die Kirche schöpft aus der Liturgie des Kraft zum Leben“, so der Papst.

Die Liturgie sei der Höhepunkt, zu dem das Handeln der Kirche hinstrebe, gleichzeitig aber auch die Quelle, aus der ihre Tugend hervorgehe.

Das Institut habe in den letzten fünfzig Jahren seinen wichtigen Beitrag für die Rezeption des II. Vatikanischen Konzils geleistet und damit dem Gläubigen geholfen, die Liturgie als „Ausdruck der lebendigen Kirche zu leben“.

Die Liturgie der Kirche gehe über die konziliare Reform hinaus, betonte der Papst. Deren Ziel sei es nicht gewesen, die Riten und Texte zu ändern, als vielmehr die Mentalität zu erneuern und die lebendige Anwesenheit Christi, die Feier des Paschageheimnisses, wieder ins Zentrum zu rücken.

Sie sei die große Erzieherin zum Primat des Glaubens und der Gnade und sie lebe von dem Gleichgewicht zwischen gesunder Tradition und lebendigem Fortschritt. (jb)