Der Franziskus-Effekt

Jeder zweite italienische Priester bestätigt, dass der neue Papst mehr Menschen in die Kirchen zieht

Rom, (ZENIT.org) | 246 klicks

Der „Franziskus-Effekt“, d.h. das Phänomen, wonach viele Gläubige infolge der Aufrufe des neuen Papstes, sich der göttlichen Barmherzigkeit anzuvertrauen, wieder in die Kirche gehen, ist immer noch in mehr als der Hälfte aller katholischen Gemeinden in Italien spürbar. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Soziologen Massimo Introvigne, die heute in Turin vorgelegt wurde. 

Introvigne hatte im vergangenen April als erster den „Franziskus-Effekt“ überprüft, als das Pontifikat von Jorge Mario Bergoglio gerade erst einen Monat alt war. Damals ergab eine Umfrage, dass 53 Prozent aller Priester und Ordensleute in Italien eine Zunahme der Kirchgänger in ihren Gemeinden beobachtet habe. Auch 41,8 Prozent aller befragten Laien sagten aus, dieses Phänomen beobachtet zu haben.

Die neue Umfrage, diesmal sechs Monate nach Amtsantritt des neuen Papstes, basiert auf einer größeren Anzahl von Befragten. Der „Franziskus-Effekt“ wird in dieser Studie von 50,8 Prozent aller Befragten wahrgenommen. Wie auch im April schon, ist der Prozentsatz unter Ordensleuten erheblich höher (79,37 Prozent), bleibt aber immer noch über der 50-Prozent-Marke, auch wenn Priester und Ordensleute in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Wie auch in der ersten Umfrage, spüren Laien das Phänomen weniger (44,8 Prozent). 

„Die Schwankungen innerhalb der drei Gruppen von Testpersonen sind statistisch normal“, erklärt Introvigne. „Die Tatsache, dass die Anzahl der Priester und Ordensleute, die den ‚Franziskus-Effekt‘ spüren, leicht gesunken und die Anzahl der Laien hingegen gestiegen ist, ist nicht von Bedeutung. Viel wichtiger ist die Feststellung, dass sechs Monate nach der ersten Umfrage und sieben Monate seit Beginn des Pontifikats der ‚Franziskus-Effekt‘ nicht erloschen ist, sondern sich im Gegenteil gefestigt hat. Wenn wir diese Daten in konkrete Zahlen umwandeln und auf ganz Italien hochrechnen wollten, kämen wir auf Hunderttausende von Menschen, die sich infolge der Aufforderung von Papst Franziskus wieder der Kirche genähert haben. Das ist ein massiver und sogar spektakulärer Effekt.“

„Selbstverständlich“, beendet Introvigne seine Analyse, „zeugt dieser Effekt nur von einer ersten Annäherung an die Kirche. Wie Papst Franziskus selbst am 14. Oktober 2013 in seiner Rede vor der Vollversammlung des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung sagte: Wenn die erste Verkündung greift, muss ein zweiter Schritt folgen, die Katechese. Diese jedoch wird nicht mehr von der Kommunikationsgabe des Papstes abhängen, sondern von den Gemeinden und Pfarreien. Priester, Ordensleute und Laienbewegungen müssen ihre Fähigkeit beweisen, die Pastoralstrategie des Papstes zu unterstützen.“