"Der Friede des Herrn sei allezeit mich euch"

Der Friede geht vom Herrn und seinem Altaropfer aus

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 410 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Frage: Bezieht sich die Rubrik „Der Diakon oder der Priester kann dazu auffordern, … die Bereitschaft zu Frieden und Versöhnung zu bekunden“ immer noch eher auf den Austausch des Friedensgrußes unter den Gläubigen, als auf dessen Austausch zwischen dem Priester und dem Volk? Ich habe mir sagen lassen, dass das Volk diesen Austausch nie weglassen dürfe, selbst wenn es dazu nicht aufgefordert würde. -- G.D., Thornley, England

P. Edward McNamara: Die Grundordnung des Römischen Messbuchs geht auf den Friedensritus an mehreren Stellen ein. Bei einer allgemeinen Beschreibung der Messriten heißt es unter Nr. 82:

„Es folgt der Friedensritus, in dem die Kirche Frieden und Einheit für sich selbst und die ganze Menschheitsfamilie erfleht und die Gläubigen einander die kirchliche Gemeinschaft und die gegenseitige Liebe bezeugen, ehe sie das Sakrament empfangen.

„Was das Friedenszeichen selbst betrifft, ist seine Form von den Bischofskonferenzen entsprechend der Eigenart und den Bräuchen der Völker zu bestimmen. Es ist aber angebracht, dass jeder nur mit den Nächststehenden auf schlichte Weise das Friedenszeichen austauscht.“

Später, an einer Stelle, an der verschiedene Formen von Riten beschrieben werden, findet man in der Grundordnung weitere Details. So heißt es unter Nr. 154 bei der Beschreibung einer Messfeier mit einem Priester:

„Dann spricht der Priester mit ausgebreiteten Händen laut das Gebet: ‚Herr Jesus Christus, du hast zu deinen Aposteln gesagt‘ (Domine Iesu Christe, qui dixisti). Ist es beendet, verkündet er, dem Volk zugewandt, den Frieden, indem er spricht: ‚Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch‘ (Pax Domini sit semper vobiscum). Dabei breitet er die Hände aus und faltet sie wieder. Das Volk antwortet: ‚Und mit deinem Geiste‘ (Et cum spiritu tuo). Danach fügt der Priester gegebenenfalls hinzu: ‚Gebt euch ein Zeichen des Friedens‘ (Offerte vobis pacem).“

„Der Priester kann den liturgischen Diensten den Friedensgruß geben, wobei er jedoch immer innerhalb des Altarraumes bleibt, damit die Feier nicht gestört wird. So hat er es auch zu halten, wenn er aus einem vernünftigen Grund einigen wenigen Gläubigen den Friedensgruß geben will. Alle aber bezeugen einander Frieden, Gemeinschaft und Liebe entsprechend den von der Bischofskonferenz festgelegten Regelungen. Wenn man den Friedensgruß gibt, kann man sagen: ‚Der Friede des Herrn sei immer mit dir‘ (Pax Domini sit semper tecum), worauf mit ‚Amen‘ geantwortet wird.“

Nr. 181 der Grundordnung behandelt den Fall, dass ein Diakon anwesend ist und Nr. 239 beschreibt Konzelebrationen:

„181. Nachdem der Priester das Friedensgebet gesprochen, ‚Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch‘ (Pax Domini sit semper vobiscum) gesagt hat und das Volk geantwortet hat: ‚Und mit deinem Geiste‘ (Et cum spiritu tuo), lädt der Diakon gegebenenfalls zum Friedensgruß ein, indem er mit gefalteten Händen und dem Volk zugewandt spricht: ‚Gebt euch ein Zeichen des Friedens‘ (Offerte vobis pacem). Er selbst empfängt vom Priester den Friedensgruß und kann ihn denen, die näher bei ihm stehen und einen liturgischen Dienst ausüben, geben.“

„239: Nach der Aufforderung des Diakons oder, wenn kein Diakon anwesend ist, nach der Aufforderung eines Konzelebranten: ‚Gebt euch ein Zeichen des Friedens‘ (Offerte vobis pacem) geben alle einander den Friedensgruß. Die dem Hauptzelebranten näher Stehenden erhalten den Friedensgruß von ihm vor dem Diakon.“

Schließlich fügt das Dokument „Redemptionis Sacramentum“ unter Nr. 71 ein weiteres Detail hinzu: „Der Brauch des römischen Ritus, sich kurz vor der heiligen Kommunion den Friedensgruß zu geben, soll bewahrt werden, wie er im Ordo der Messe festgesetzt ist. Gemäß der Tradition des römischen Ritus hat dieser Brauch nicht den Charakter der Versöhnung oder der Sündenvergebung, er ist vielmehr Ausdruck des Friedens, der Gemeinschaft und der Liebe vor dem Empfang der heiligsten Eucharistie. Dagegen hat der Bußakt, der am Beginn der Messe zu vollziehen ist, besonders in seiner ersten Form, den Charakter der brüderlichen Versöhnung.“

Diese Dokumente zeigen, dass sowohl die Einladung zum Friedensgruß als auch dessen tatsächlicher Austausch eine einzige Handlung darstellen und als solche ausgeführt werden, „wenn es angemessen ist“. Wenn der Zelebrant aus gutem Grund entscheidet, die Einladung zu unterlassen, brauchen die Gläubigen den Friedensgruß untereinander nicht auszutauschen.

Das Dokument „Redemptionis Sacramentum“ stellt einen weiteren Grund heraus. Der Friede, den man austauscht, ist der Friede des Herrn, der vom Altaropfer ausgeht. Ein Austausch des Friedensgrußes ohne die Einladung vom Altar her wandelt in gewisser Weise den symbolischen Wert des Ritus und könnte dazu führen, dass er lediglich menschliches Wohlwollen zum Ausdruck bringt.

Vom pastoralen Standpunkt aus betrachtet ist beim Gebrauch oder Weglassen der Einladung zum Friedensgruß in jedem Fall eine gewisse Stabilität erstrebenswert. Sollte ein Priester nur gelegentlich oder in unregelmäßiger Weise den Ritus weglassen, wird es wahrscheinlich passieren, dass die Gläubigen sich dennoch aus Gewohnheit die Hände reichen. Das könnte für Verwirrung sorgen.

Einige Priester lassen den Friedensgruß an Wochentagen weg, andere wiederum schließen ihn immer ein. Es gibt kein Kriterium, das für alle Fälle gilt.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel Sign of Peace