Der Geist strahlte aus

99. Deutscher Katholikentag zu Ende gegangen

Regensburg, (ZENIT.org) Michaela Koller | 385 klicks

Bei einer ersten Bilanz vor Pressevertretern am Sonntag nannte Bischof Rudolf Voderholzer, gastgebender Bischof den 99. Deutschen Katholikentags in Regensburg gelöst und harmonisch.„Es war auch im Vergleich zu früheren Katholikentagen nicht so eine erbitterte kämpferische Stimmung, obwohl unterschiedliche Gruppierungen und Positionen da gewesen sind“. Auch strittige Themen seien bei diesem „Katholikentag des Dialogs“ angesprochen worden. Beachtenswert nannte Voderholzer mit Blick auf die Debatte mit Donum Vitae, dass ein bereits abgebrochener Dialog wieder aufgegriffen worden sei.

„Ich war dringend gebeten worden, dem Verein die Teilnahme zu ermöglichen.“ Daher habe er darauf Wert gelegt, die Fragen mit größter Kompetenz und Sachlichkeit zu diskutieren. „Die Bischöfe haben immer ausgesagt, dass die Art und Weise, mit dem sich Donum Vitae dem Ziel des Lebensschutzes nähert, nicht vereinbar mit dem klaren Auftrag, ein klares und eindeutiges Zeichen für das Leben zu geben“, erklärte der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs.

Trotz der trennenden Fragen erkennt Bischof Voderholzer eine hohe Übereinstimmung zwischen dem, was Donum Vitae mit seiner Arbeit anstrebt und den kirchlichen Beratungsstellen. „Wenden wir hier an, was auch das Prinzip der Ökumene ist: Das miteinader tun, was man tun kann.“ Beide hätten ein großes Interesse daran, die Realität gemäß der Gesetzeslage am Recht auf Leben zu messen. „Und warum nicht ein öffentliches Zeichen setzen für den Lebensschutz durch die gemeinsame Teilnahme am Marsch für das Leben?“, griff der Bischof den Vorschlag auf, der auf dem entsprochenen Podium aufkam.

Äußerst zufrieden zeigte sich Voderholzer auch mit dem großen spirituellen Angebot an Gebeten und Gottesdiensten. Die Priorin der Gemeinschaften von Jerusalem habe ihm gesagt, dass es der geistlichste Katholikentag war, den sie bislang erlebt hat. „Unser Dom war ganz dem Gebet gewidmet“, berichtete er lächelnd. „Ich habe mir wirklich gewünscht, dass der Katholikentag einen glühenden Kern hat geistliche Note, wovon dieser Geist ausstrahlt in die anderen Veranstaltungen hinein.“

In anderen Bereichen müssten Brücken eher renoviert als gebaut werden. Die völkerverbindende Brücke von Bayern nach Tschechien nannte Voderholzer absolut notwendig. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Ostblocks habe es im Zuge einer großen Euphorie viele private Initiativen gegeben, die eine Kette von kleinen Brücken zwischen den Völkern bildeten. „Manche Brrücke ist verfallen. Es war eine wichtige Initiative, das in Erinnerung zu rufen.“

Die Nachbarschaft zu Tschechien und Partnerschaft zum Bistum Pilsen spiegelte sich auf vielfältige Weise im Programm wider, zum Beispiel durch die grenzübergreifende Wallfahrt nach Neukirchen beim Heiligen Blut am Samstagvormittag zusammen mit Bischof František Radkovský aus dem Nachbarbistum Pilsen. „Es gibt da immer noch Mauerreste und Grenzanlagen in den Herzen der Menschen“, sagte er. Das sehe auch Bischof Radkovsky von Pilsen so. Voderholzer warnte in diesem Zusammenhang vor einem beziehungslosen Nebeneinander.

Der Katholikentag habe auch eine starke politische Note gehabt: „Die Katholiken sind nicht nur für die Sakristei da“, betonte der Bischof. Sie mischten sich ein und suchten Dialog mit der Politik. Deren höchste Vertreter besuchten das Katholikentreffen: Am Mittwoch eröffnete Bundespräsident Joachim Gauck die Tage in Regensburg, zusammen mit Alois Glück, Präsident des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken sowie Bischof Voderholzer. Am Freitag sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Regensburger Universität über die Zukunft Europas. „Die katholische Stimme wird gehört“, ist der Bischof überzeugt.

Katholische Kompetenz sei bei großen Themen gefragt, wie Globalisierug, Migration und Flüchtlingsbewegungen infolge von Kriegen. „Es ist doch höchst bemerkenswert, wie man hier auf höchster Ebene miteinander ringt und schaut, wie auch aus dem Glauben heraus sich Lösungswege auftun können“, sagte Voderholzer.

Im anschließenden Abschlussgottesdienst rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx in seiner Predigt zu einem einheitlichen Zeugnis der Christen auf: „Wenn wir uns streiten, können wir nicht überzeugend auftreten und Zeugnis für die Kirche geben. Christus ist es, der uns auf der pfingstlichen Brücke zur Gemeinschaft aller Christen führt.“ Kardinal Marx erinnerte an die Bitte um das Reich Gottes im „Vater unser“: „Hier geht es um das Reich Gottes und nicht unsere persönlichen Interessen.“ Die Eucharistie sei der Moment, in der Christus den Gläubigen die Tür zur unendlichen Liebe Gottes öffne.„Ich ermutige dazu, dass von Regensburg aus wir Christen uns gestärkt fühlen zu einem pfingstlichen Brückenbau“, sagte der Kardinal. Die pfingstliche Brücke mit Christus zu beschreiten, bedeute vor allem, nie den Blick auf die eigene Berufung zu verlieren: Eindringlich appellierte Kardinal Marx an die Gläubigen, beim Aufbau des Reiches Gottes nicht jene Menschen zu vergessen, die an den Rändern der Gesellschaft lebten und an die Papst Franziskus immer wieder erinnere: „Nie kann das Reich Gottes verkündet werden, wenn wir die Brücke nicht beschreiten zu den Armen, den Schwachen und Kranken, den Vergewaltigten und Ausgebeuteten. Es kann keine Verkündigung des Evangeliums geben, wenn wir diese Menschen nicht im Blick haben.