Der genaue Ablauf der Papstwahl

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ROM, 19. April 2005 (ZENIT.org).- Die Wahl des Nachfolgers von Papst Johannes Paul II. folgt ganz bestimmten Regeln: Nach einem Gebet zum Heiligen Geist erfolgt die Auslosung der Wahlhelfer, unmittelbar vor der Stimmabgabe legt jeder wahlberechtigte Kardinal einen Eid ab. Nach der Wahl erfolgt die Stimmauszählung öffentlich vor dem Kardinalskollegium. Erst nach der Verbrennung aller Stimmzettel und Aufzeichnungen können die Kardinäle den Wahlraum verlassen.



Vor jeder Abstimmung beten die Kardinäle des Konklaves insbesondere um den Heiligen Geist, damit er sie erleuchten möge. Sie sprechen das Vertrauen aus, dass Gottes Geist seine Kirche durch die Zeiten führt. Sie beten um Weisheit und Klugheit, damit sie erkennen, welcher Kandidat in dieser Zeit die Kirche nach Gottes Willen am besten zu leiten vermag.

Die Kardinäle führen sich das Pfingstereignis vor Augen, bei dem die Apostel in Einigkeit versammelt waren und dann in unterschiedlichsten Sprachen zu allen Menschen auf überzeugende Weise sprechen konnten. Sie beten um Offenheit für Gottes Willen, um Lauterkeit des Herzens und um all jene Tugenden, die dazu beitragen, dass ihre Entscheidung ganz von der Liebe zu Gott und vom Wohl der Menschen bestimmt sei. Schließlich beten sie darum, vor allem geschützt zu werden, was den Zielen der Kirche entgegensteht: Streit und Zerrissenheit, Ärgernisse, falsche Lehren, Verführungen aller Art.

Nach dem Gebet werden aus den Reihen der wahlberechtigten Kardinäle per Los drei Wahlhelfer, drei "Infirmarii" (Sie sammeln sie Stimmzettel der kranken Kardinäle ein) sowie drei Wahlprüfer ermittelt. Danach erhält jeder Kardinal wenigstens zwei oder drei Stimmzettel. Beschrieben werden sie erst, wenn auch der Sekretär des Kardinalskollegiums, der Päpstliche Zeremonienmeister und die Zeremoniare den Wahlort, die Sixtinische Kapelle, verlassen haben.

Jeder Wahlberechtigte bringt entsprechend der Rangordnung und mit für alle sichtbar erhobener Hand seinen ausgefüllten und zweimal gefalteten Stimmzettel zum Altar. Hier spricht er die Eidesformel: "Ich rufe Christus, der mein Richter sein wird, zum Zeugen an, dass ich den gewählt habe, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen gewählt werden sollte."

Anschließend legt er den gefalteten Stimmzettel auf einen Teller, mit dem der Zettel schließlich in die Wahlurne auf dem Altar gelangt. Nach einer Verneigung zum Altar hin kehrt er an seinen Platz zurück.

Nachdem alle Stimmen abgegeben worden sind, erfolgt die öffentliche Stimmauszählung vor dem Kardinalskollegium.

Bevor die Kardinäle die Sixtinische Kapelle nach einem Wahlgang verlassen können, werden die Stimmzettel wie auch alle Notizen verbrannt. Kommt schwarzer Rauch aus dem Schornstein über der Sixtina, so bedeutet das, der Wahlgang war erfolglos, weißer Rauch und das Läuten der Glocken vom Petersdom künden von der erfolgreichen Papstwahl. Der Camerlengo der Heiligen Römischen Kirche, Kardinal Eduardo Martinez Somalo, muss am Ende der Wahl einen Bericht über das Abstimmungsergebnis jedes einzelnen Wahlganges anfertigen. Dieser Bericht wird später dem neuen Papst übergeben und dann in einem versiegelten Umschlag im Archiv aufbewahrt. Den Umschlag darf niemand ohne ausdrückliche Erlaubnis des Nachfolgers Petri öffnen.

Weicht das Kardinalskollegium bei der Wahl von den in der 1996 veröffentlichten Apostolischen Konstitution "Universi Dominici Gregis" von Papst Johannes Paul II. festgelegten Regeln ab, ist die Wahl ungültig. Jede Form der Bestechung (Simonie) bei der Wahl wird mit Exkommunikation bestraft.

Des Weiteren ist es verboten, zu Lebzeiten des Papstes und ohne sich mit ihm zu beraten, über die Wahl eines Nachfolgers zu diskutieren, Wahlversprechen zu geben oder sich insgeheim abzusprechen. Auch die Einmischung oder Beeinflussung durch weltliche Autoritäten in die Papstwahl ist unter Androhung der Exkommunikation verboten.

Die wahlberechtigten Kardinäle dürfen keine Verhandlungen, Verträge, Versprechen oder sonstigen Verpflichtungen eingehen, die sie an eine bestimmte Wahl binden würden. Wer dies dennoch tut, dem droht ebenso die Exkommunikation. Bei der Wahl sollen sich die Kardinäle nicht von Sympathie oder Abneigung, von Begünstigungen oder persönlichen Beziehungen leiten und sich nicht durch die Einwirkung angesehener Persönlichkeiten, Druck ausübender Gruppen oder vom Einfluss der Medien bestimmen lassen.

Damit die Wahl des neuen Papstes kein von der Gesamtkirche isoliertes Geschehen ist, sind alle Gläubigen während der Sedisvakanz und besonders während der Wahl zum Gebet aufgefordert. Papst Johannes Paul II. hat in "Universi Dominici Gregis" eigens angeordnet, dass nach der Nachricht von der Vakanz des Apostolischen Stuhls auf der ganzen Welt gebetet werde, "damit er [Gottes Geist] die Wähler erleuchte und sie bei ihrer Aufgabe zu solcher Eintracht führe, dass es eine rasche, einmütige und segensreiche Wahl wird, wie sie das Heil der Seelen und das Wohl des gesamten Volkes Gottes erfordern" (84).