„Der Gewalt ein Ende setzen! Frieden schaffen!"

Erklärung des neuntes internationalen Bischofstreffens zum Nahost-Konflikt

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BONN, 15. Januar 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die gemeinsame Botschaft, die die Mitglieder des neunten internationalen Bischofstreffens zur Unterstützung der Kirche im Heiligen Land, heute, Donnerstag, veröffentlicht haben.

Zum Abschluss ihrer Begegnung in Jerusalem riefen die neun Bischöfe, unter ihnen auch der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, zur Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzung im Gazastreifen auf. An die Gläubigen richteten sie die inständige Bitte, noch intensiver als bisher um den Frieden zu beten, und an die politischen Verantwortungsträger die Aufforderung, sich mit allen Kräften für einen dauerhaften und gerechten Frieden einzusetzen.

„Den Christen der Mutterkirche im Heiligen Land sagen wir: Wir sehen in Euch das leidvolle Antlitz Christi, der alles für uns verloren hat. Ihr seid nicht allein. Wir sind eine Familie, eine weltweite Gemeinschaft in Christus. Wir hören Eure Rufe als Leidende an der Seite Eurer Glaubensbrüder und -schwestern. Seid versichert, dass wir im Gebet mit Euch verbunden sind. Unsere Solidarität ist ungebrochen."

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15. Januar 2009
Bethlehem – Jerusalem Schluss mit der Gewalt! Schluss mit dem Töten! Frieden schaffen!

Wieder und wieder haben wir diese flehenden Rufe während des neunten Treffens der Koordinationsgruppe katholischer Bischofskonferenzen (1) mit der Mutterkirche von Jerusalem in diesem geteilten, leidgeprüften Land gehört. Alle Gedanken und Gespräche kreisten um die in Gaza herrschende Gewalt. Father Manawel Musallam, ein Gemeindepriester aus Gaza, hat uns persönlich von der menschlichen Tragödie berichtet.

Es kann keinen Frieden geben, wenn niemand an ihn glaubt. Es kann keine Sicherheit geben, wenn sie nicht für alle gleichermaßen gewährleistet ist. Es kann keine Gerechtigkeit geben, wenn sie nicht für alle gleichermaßen in diesem Land gilt. Aus unserem Glauben schöpfen wir die Hoffnung, dass Gerechtigkeit, Frieden und Vergebung möglich sind. Wir teilen diese Überzeugung mit unseren Gastgebern, Seiner Seligkeit Fouad Twal und der Versammlung der katholischen Ordinarien im Heiligen Land.

Wir sind Hirten, keine Politiker, doch ist die Stimme der Religion von entscheidender Bedeutung für die Suche nach Frieden. Denn jedem Menschen ist die gleiche Menschenwürde verliehen, weil jeder Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Die Botschaft des Friedensfürsten, der in diesem Land geboren wurde, erinnert uns daran, dass Frieden möglich ist. „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht.“ (Jesaja 9,1) Das Dunkel dieser Zeit wird dem Licht weichen.

Den Verantwortungsträgern der internationalen Gemeinschaft sagen wir: Erarbeiten Sie gemeinsam mit Israelis und Palästinensern Lösungen, um der Gewalt in Gaza ein Ende zu setzen, und leisten Sie die dringend benötigte humanitäre Hilfe. Aber lassen Sie es nicht dabei bewenden. Sprechen Sie mit einer Stimme und drängen Sie bei Israelis und Palästinensern auf einen gerechten Frieden, der den Israelis Sicherheit und den Palästinensern einen lebensfähigen Staat gewährleistet.

Den Gläubigen in unseren Heimatländern sagen wir: Betet noch inständiger für das Wohl der Mutterkirche und den Frieden Jerusalems! Habt keine Angst! Kommt als Pilger ins Heilige Land und besucht hier die lebendigen christlichen Gemeinden! Helft uns, unsere Regierungen dazu zu bewegen, den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu einem vorrangigen Thema zu machen! Unterstützt konkrete Projekte und Partnerschaften mit den christlichen Gemeinden vor Ort, die um ihr Überleben kämpfen!

Den Christen der Mutterkirche im Heiligen Land sagen wir: Wir sehen in Euch das leidvolle Antlitz Christi, der alles für uns verloren hat. Ihr seid nicht allein. Wir sind eine Familie, eine weltweite Gemeinschaft in Christus. Wir hören Eure Rufe als Leidende an der Seite Eurer Glaubensbrüder und -schwestern. Seid versichert, dass wir im Gebet mit Euch verbunden sind. Unsere Solidarität ist ungebrochen. So bitten wir Euch, auch uns in Euer Gebet einzuschließen.


Bischöfliche Teilnehmer:

Bischof Pierre Bürcher
Bischof von Reykjavik, Skandinavische Bischofskonferenz

Bischof Michel Dubost
Bischof von Evry, Französische Bischofskonferenz

Bischof Raymond Field
Weihbischof in Dublin, Kommission für Gerechtigkeit und Soziales der Irischen Bischofskonferenz

Erzbischof Patrick Kelly
Erzbischof von Liverpool, stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz von England und Wales

Bischof William Kenney CP
Weihbischof in Birmingham, Bischofskonferenz von England und Wales
Vertreter der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (ComECE)

Bischof Gerald F. Kicanas
Bischof von Tucson, stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten

Erzbischof Reinhard Marx
Erzbischof von München und Freising, stellvertretender Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz

Bischof Joan Enric Vives i Sicilia
Bischof von Urgell und Co-Fürst von Andorra, Spanische Bischofskonferenz

Erzbischof V. James Weisgerber
Erzbischof von Winnipeg, Vorsitzender der Kanadischen Bischofskonferenz


(1) Der Koordinierungsgruppe zur Unterstützung der Kirche im Heiligen Land gehören katholische Bischofskonferenzen aus Europa und Nordamerika an. Sie wurde auf Wunsch des Heiligen Stuhls 1998 in Jerusalem gegründet.

[Übersetzung des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz]