"Der Glaube ist ein Stück Heimat"

Christen am Persischen Golf

Luzern, (KiN Schweiz/Fürstentum Liechtenstein) | 221 klicks

Die katholische Kirche auf der Arabischen Halbinsel besteht aus Einwanderern, die vor allem aus Indien und von den Philippinen stammen. Die Pfarreien der Region sind daher ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen, Traditionen und Sprachen. 

Christen sind eine Minderheit in den vom Islam geprägten Gesellschaften, einheimische Christen gibt es fast gar nicht. Der hohe Ausländeranteil zeigt sich auch bei den Priestern, die meist aus Indien oder von den Philippinen kommen. Die Mehrheit der Gläubigen ist wegen der Arbeit in die arabischen Länder gezogen. Ein Grossteil lebt dort alleine; ihre Ehepartner und Familien wohnen weiterhin in ihren Heimatländern. Deswegen ist die Pfarrei, aber auch der christliche Glaube ein Stück Heimat für sie. 

Die Pfarreigrundstücke werden den Katholiken von den jeweiligen Herrschern des Landes zur Verfügung gestellt. Auf diesem Gelände können die Priester ihren liturgischen Dienst frei ausüben und die Gläubigen einen Gottesdienst besuchen. Ausserhalb ist das nicht immer möglich. Die Priester der Pfarrei in der bahrainischen Hauptstadt Manama können zum Beispiel die ausländischen Arbeiter, die häufig in eigenen Camps wohnen, besuchen und bei ihnen Gottesdienste feiern. In den Vereinigten Arabischen Emiraten geht das hingegen nicht. Mission unter Muslimen ist überall verboten. 

Lebendige Pfarreien 

Die Pfarreien in Kuwait, Bahrain und der Vereinigten Arabischen Emirate sind lebendig und vielfältig, die Gottesdienste sehr gut besucht. An einem normalen Werktag in Dubai etwa kommen rund 2000 Gläubige zusammen. Die Kirchen in den Golfstaaten sind meist grösser als hierzulande, um so viele Menschen fassen zu können. Aber manchmal reicht der Platz dennoch nicht aus, so dass die Gottesdienste auch nach draussen übertragen werden. Auf Leinwänden oder grossen Fernsehern kann man dann die Messen verfolgen. An einem Freitag – dem islamischen Feiertag, an dem die Kirche in diesen Ländern die Sonntagsliturgie feiert – gibt es rund 15 Gottesdienste am Tag in verschiedenen Sprachen und Riten. An einem Samstag und Sonntag sind es immerhin noch jeweils bis zu zehn Gottesdienste. 

Grösste Pfarrei der Welt 

In Dubai gibt es die wahrscheinlich grösste Pfarrei der Welt. Es gibt zwar keine offizielle Statistik, aber der Gemeindepfarrer geht von 300 000 bis 400 000 Katholiken aus. Auch in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, oder in Manama, der Hauptstadt Bahrains, gibt es jeweils rund 100 000 Katholiken.

Für die Priester ist das oft nicht einfach.Ein Priester hat am Wochenende natürlich mehrere Gottesdienste. Manche Pfarreien haben auch weit entfernte Aussenstationen. Die Arbeit der Priester ist vor allem geprägt durch den sakramentalen Dienst, neben Gottesdienstfeiern kommen Taufen, Eheschliessungen oder Beerdigungen hinzu. Ohne die Arbeit und das Engagement von zahlreichen Laien und Freiwilligen geht es nicht. Bischof Paul Hinder, der für die Länder Vereinigte Arabische Emirate, Jemen und Oman zuständig ist, sagte während eines Besuchs von Mitarbeitern bei KIRCHE IN NOT: „Es ist eine Kirche auf den Schultern der Laien.“ Ein Beispiel: In allen oben genannten Staaten liegt die Katechese in der Hand von Freiwilligen. Sie opfern ihren freien Tag, um Kindern und Jugendlichen den Glauben zu vermitteln. Auch hier ist die Zahl enorm: Etwa 8000 treffen sich jede Woche zur Katechese in der Pfarrei St. Mary´s in Dubai. In Abu Dhabi sind es 4000. Sie werden in unterschiedlichen Klassenstufen in mehreren Schichten nacheinander unterrichtet. 

Das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen ist vongegenseitigem Respekt geprägt. Natürlich wissen und merken Christen, dass sie in den muslimisch geprägten Ländern nicht zu Hause sind. Aber es gibt keine Christenverfolgung, wie man sie aus anderen arabischen Ländern kennt. Priester können auch im Alltag den Talar tragen, und viele Muslime besuchen kirchliche Schulen. 

Harter Alltag der Gastarbeiter 

Viele Gastarbeiter leben in den ärmeren Vorstädten. Dort teilen sich zum Beispiel neun Personen drei Zimmer, fünf von ihnen leben in einem fensterlosen Raum. Für diese drei Zimmer zahlen sie umgerechnet über CHF 625 Miete im Monat. Ein Arbeiter verdient durchschnittlich zwischen CHF 300 und 450 im Monat. Davon muss er unter anderem die Miete zahlen und manchmal auch die Verpflegung, je nachdem, bei welcher Firma er angestellt ist.

Mit einem Teil des Lohnes unterstützen viele Arbeiter ihre Familien, die sie im Heimatland zurücklassen mussten. Einmal im Jahr kann ein Arbeiter seine Familie für einen Monat besuchen, manchmal auch nur alle zwei Jahre. Der Kontakt wird über Internet oder Telefon aufrechterhalten.

Wie sich das Leben der Christen in der Golfregion entwickeln wird, ist schwer vorherzusagen. Zwei Faktoren sind wichtig: wirtschaftliches Wohlergehen und ein beständiger Frieden in diesen Ländern. Bisher können die Christen in den Golfstaaten ihren Glauben innerhalb der Pfarrei frei leben – mit Ausnahme von Saudi-Arabien, wo keinerlei öffentliches christliches Bekenntnis erlaubt ist. Aber auch dort gibt esüber 1,5 Millionen Katholiken. Falls die vom Erdölexport geprägte Wirtschaft einbrechen und kriegerische Auseinandersetzungen in anderen muslimisch geprägten Staaten, wie zum Beispiel Syrien oder Irak, auch die Golfstaaten erreichen sollte, wären die Migranten die Ersten, die das Land verlassen müssten. 

Das Christentum in der Region rund um den Persischen Golf wächst, denn immer mehr Arbeiter aus christlich geprägten Regionen kommen dorthin. Auf der Arabischen Halbinsel hat sich die Zahl der Katholiken in den vergangenen 30 Jahren mindestens verfünffacht und liegt heute bei 3,1 Millionen. Davon leben allein 800 000 Katholiken in den Vereinigten Arabischen Emiraten. 

Das Hilfswerk KIRCHE IN NOT unterstützt diverse Projekte auf der Arabischen Halbinsel. 

Spenden mit dem Vermerk «Arabische Halbinsel» können gerichtet werden an: 

KIRCHE IN NOT
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