Der Glaube ist wichtig für die Gesundung, aber noch wichtiger für das ewige Leben

Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis

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Von Msgr. Dr. Peter v. Steinitz*

MÜNSTER, 29. Juni 2012 (ZENIT.org). - Im Evangelium des heutigen 13. Sonntags im Jahreskreis hören wir von zwei großen Heilungen, die der Herr vorgenommen hat: die Frau, die am Blutfluss litt und ihr ganzes Vermögen für Ärzte ausgegeben hatte, sowie die 12-jährige Tochter des Synagogenvorstehers Jairus, die er sogar vom Tode erweckte.

Alles spielt sich inmitten einer großen Menschenmenge ab, die sich um Jesus drängt. Was an der Haltung des Herrn auffällt – man kann es zwischen den Zeilen lesen –, ist seine Bereitschaft, den Menschen zur Verfügung zu stehen. Obwohl er ihnen unerhörte Wohltaten erweist, hat man den Eindruck, dass Jesus der demütige Diener aller dieser Menschen ist. Jairus bittet ihn, zu seiner sterbenden Tochter zu kommen, und der Evangelist vermerkt schlicht und einfach „Da ging Jesus mit ihm“ (Mk 5,26). In der Zwischenzeit sagt sich eine alte Frau, die seit Jahren am Blutfluss leidet, dass sie vielleicht geheilt wird, wenn sie heimlich den Saum seines Gewandes berührt. Tatsächlich wird sie geheilt, weil in diesem Augenblick der Leib Jesu heilende Liebe im Übermaß ausströmt. Der Herr bringt die Heilung der Frau zur Sprache – er will keine Heimlichkeiten – sagt ihr aber gleichzeitig, dass ihr Glaube ihr geholfen hat. Als er durch die hin und her wogende Menge schließlich beim Haus des Synagogenvorstehers ankommt, ist das Kind bereits gestorben. Die Menge, die ihn die ganze Zeit umringt, besteht, wie man jetzt sieht, keineswegs nur aus gutwilligen Gläubigen. Als er nämlich sagt: „Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur“, da lachen sie ihn aus – eine Unverschämtheit! Aber Jesus lässt das ruhig geschehen. Als er dann das Kind vom Todesschlaf erweckt, sind die Leute regelrecht schockiert.

Wir, die wir in einem geordneten Staatswesen leben, könnten in diesem Zusammenhang vielleicht auf die Idee kommen: Warum hat Jesus die Heilung der vielen Kranken nicht in eine überschaubare Ordnung gebracht? Vernünftig wie wir sind, könnten wir uns vorstellen, dass es großartig gewesen wäre, wenn Jesus die Heilung der Kranken systematisch und im großen Stil vollzogen hätte. Hunger und Krankheit, diese beiden großen Geißeln der Menschheit – warum hat der Herr das nicht ein für alle mal gelöst. Offensichtlich hätte er die Macht dazu gehabt. Nach der wunderbaren Brotvermehrung und im Zusammenhang mit der zunächst nur irdisch verstandenen eucharistischen Ankündigung, sagten die Leute: „Herr, gib uns immer dieses Brot!“ (Joh 6,34). Aber es war nicht seine Aufgabe, die Mängel dieser Welt, die ja auf die Erbsünde zurückgehen, schon jetzt zu beheben, das wird erst am Ende der Welt sein („ein neuer Himmel und eine neue Erde“, Off 21,1). Das Reich Gottes, das Jesus verkündet, ist im Innern der Menschen. Die Schöpfung dagegen „wartet noch auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes“ (vgl. Röm 8,22). Dann nämlich, wenn der letzte Mensch auf Erden das Ziel des ewigen Lebens erreicht hat, dann erst wird auch die nicht-menschliche Schöpfung von ihrer Unzulänglichkeit befreit sein.

Hunger und Krankheit zu überwinden, das ist nun unser Auftrag. Die Menschheit kann da, wenn sie will, wirklich Großes leisten.

Aber das Paradies auf Erden werden wir dennoch niemals hinkriegen. Denn auch wenn durch vernünftige Planung und Organisation der Hunger in der Welt besiegt würde, und wenn durch die Fortschritte in der Medizin die Krankheiten besiegt würden – die Menschen würden doch vergänglich sein und eines Tages wird jeder sterben. Spätestens hier sehen wir, dass wir in dieser Welt soweit wie möglich das Gute wirken müssen, um uns und den anderen die Last des Lebens zu erleichtern. Aber dass wir niemals alle unsere Anstrengungen auf das irdische Leben richten sollten, denn dann würden wir das Eigentlich verpassen.

Wenn Jesus sagt: „Dein Glaube hat dir geholfen“, dann sollten wir daran denken: die Gesundheit ist gut, aber das ewige Leben ist besser. Und gerade dazu brauchen wir den Glauben. Maria, Mutter der Glaubenden möge uns das deutlich machen.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“. Im katholischen Fernsehsender EWTN ist er montags um 17.30 Uhr mit der wöchentlichen Sendereihe „Schöpfung und Erlösung”, die beiden großen Werke Gottes und die Mitwirkung des Menschen, zu sehen.