Der Glaube kann Grenzen überbrücken

Nach Ende des Bürgerkriegs wichtige Rolle der Kirche im Heilungsprozess

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Von John Newton

ROM, Dienstag, 14. Juni 2011 (ZENIT.org). - Das katholische Kirchenoberhaupt von Sri Lanka, Kardinal Malcolm Ranjith von Colombo, hat betont,  dass die Kirche im Heilungsprozess des Landes nach dem blutigen Bürgerkrieg eine entscheidende Rolle spiele.

In einem Interview mit Kirche in Not betonte Kardinal Malcolm Ranjith, dass die Katholiken, die auf der Insel nur eine Minderheit darstellten, in einer einzigartigen Lage seien, die Versöhnung zwischen den beiden ethnischen Gruppen Sri Lankas zu fördern.

Kardinal Ranjith wies darauf hin, dass die Kirche etwas mehr als zwei Jahre nach Kriegsende dazu beitragen könne, das Vertrauen zwischen Tamilen und Singhalesen wiederherzustellen, da es in beiden Gruppierungen eine bedeutende Anzahl von Katholiken gebe.

„Wir dürfen nie sagen, dass wir zuerst Singhalesen und dann Christen sind, sondern wir müssen zuerst sagen, dass wir Christen und danach erst Singhalesen sind“, so der Kardinal.

„Das gleiche gilt auch für die Tamilen. Sie müssen zuerst ihr Christsein bekennen, weil wir als Christen bestimmte Prinzipien haben, denen wir folgen müssen.“  

„Wenn wir das in einer aufrichtigen Weise tun, ohne in unserem Sprachgebrauch eine Art parteiische Haltung zu wählen, dann können wir die Grenzen überbrücken.“

Bis zu dem Zeitpunkt im Mai 2009, als die in Colombo ansässige Regierung endlich den Sieg über die Truppen der „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ (Tamilischen Tiger) sichern konnte, starben bis zu 100.000 Menschen in dem 25-jährigen Bürgerkrieg.

Mit dem Beispiel der singhalesischen und tamilischen Pilger im Heiligtum Unserer Lieben Frau von Madhu  erklärte der Kardinal, wie inmitten der anhaltenden Spannungen zwischen den beiden ethnischen Gruppen  religiöse Initiativen helfen könnten, eine Einheit unter den Sri Lankern herzustellen.

Nach Ansicht des Prälaten könnten solche Aktivitäten „als Katalysatoren dienen, als Beispiel dafür, dass Menschen unseres Glaubens zusammenleben können“.

„Wir müssen Zeugen sein, nicht so sehr durch Worte, sondern durch unsere Taten – durch die Art, wie wir miteinander leben“, so der Kardinal.

„Weil wir Christen sind, obgleich wir von unserer Herkunft Singhalesen oder Tamilen sind, ist es wichtig, dass ... wir so gut wie möglich versuchen und verstehen, Brüderlichkeit aufzubauen; dann wird dies unsere Art sein, anderen zu erzählen, dass Rasse und Sprache für uns Christen kein Problem darstellen.“

„Wenn wir uns einigen können, dann könnt auch ihr untereinander Einheit stiften.“

Bei einer Gesamtbevölkerung von 20 Millionen Menschen machen Christen in Sri Lanka acht Prozent aus und verteilen sich sowohl auf die tamilisch als auch auf die singhalesisch dominierten Regionen des Landes.

Kardinal Ranjith zeigte auf, wie vor dem Krieg die Studien im Priesterseminar dazu beigetragen hätten, die Kluft abzubauen, da Studenten aus beiden ethnischen Gruppen gemeinsam studiert hätten.

„Wir schlossen ausgezeichnete Freundschaften über die Grenze hinweg. Einige von uns, die zusammen studiert hatten, kennen sich immer noch, und für uns gibt es kein Problem, weil unser Glaube uns eint", erklärte der Kardinal.

Er bedauere jedoch, dass tamilische und singhalesische Seminaristen nicht mehr so viel zusammen Zug führen wie früher.

„Leider war der nördliche Teil des Bistums aufgrund des Krieges gezwungen, ein neues Seminar für die Seminaristen errichten, was wir sehr bedauerten, denn es wäre wichtig gewesen, untereinander Einigkeit zu stiften“, fügte er hinzu.

Der Kardinal erklärte, dass er jedoch mit Bischof Thomas Savundaranayagam von der Diözese Jafna, dem Sitz des nördlichen Seminars, zusammengearbeitet und Seminaristen aus der Erzdiözese Colombo zum Philosophiestudium hinüber gesandt habe.

Kardinal Ranjith: „Diese Studenten sind Singhalesen, (aber) im Norden lernen sie Tamilisch. Ich möchte, dass sie beide Sprachen lernen und damit beide Sprachen fließend sprechen können“.

„Wenn sie dann nach Colombo zurückkommen, können sie Akteure der Versöhnung und des Friedens unter unseren Leuten sein“.

Der Kardinal dankte Kirche in Not für die Hilfeleistung, die die Kirche während und nach dem Bürgerkrieg erhalten habe.

Damit hätten sie die Seminaristen, die Katechese und andere Materialien für die christliche Erziehung, Mess-Stipendien und die Renovierungsarbeiten der im Krieg beschädigten religiösen Gebäude unterstützten können.

Kirche in Not habe Soforthilfe auch für Sri Lanker vorgesehen, die im Konflikt vertrieben worden seien. Laut Kardinal Ranjith belaufe sich die Zahl der weiterhin in Flüchtlingslagern Lebenden auf 25.000.

Abschließend dankte er mit den Worten: „Ich möchte mich bei Kirche in Not herzlich bedanken - wir schätzen Ihre Arbeit sehr“.

 [Übersetzung aus dem Englischen von Susanne Czupy]