Der Heilige Geist - der Unbekannte

Während der gestrigen hl. Messe im Gästehaus bezeichnete Papst Franziskus den Heiligen Geist als "aktiven Gott", der das "Gedächtnis" wachruft

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 647 klicks

Anlässlich des gestrigen Gedenktages der ersten Erscheinung der Jungfrau Maria in Fatima bestand im Rahmen der am 13. Mai 2013 von Papst Franziskus in Sanktae Marthae zelebrierten Messe die Erwartung an eine Predigt ganz im Zeichen Mariens. Stattdessen stellte der stets für Überraschungen sorgende Heilige Vater eine andere, von unseren Christen oft als fern empfundene Figur in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen: den Heiligen Geist.

„Der Heilige Geist ist immer ein wenig der Unbekannte unseres Glaubens“, so der Papst vor den Teilnehmern an der hl. Messe in der Kapelle, darunter Mitarbeiter der technischen, administrativen und allgemeinen Direktion von Radio Vatikan und des Päpstlichen Rates für die Migrantenseelsorge unter der Leitung des Präsidenten, Kardinal Antonio Maria Vegliò, des Sekretärs Msgr. Joseph Kalathiparambil und des Untersekretärs Pater Gabriele Bentoglio.

Zu dieser starken Aussage gelangte der Papst über eine Reise durch die Geschichte bis hin zu den ersten Christen, einer Gruppe von Jüngern aus Ephesus. Der Apostelgeschichte zufolge antworteten diese folgendermaßen auf die Predigt des hl. Paulus: „Wir haben nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt“. Diese ungewöhnliche und überraschende Aussage löste selbst im Apostel Paulus Verwunderung aus.

Laut dem Papst sei das mangelnde Bewusstsein der Christen von einst nicht nur ein Thema der Anfangszeit gewesen. Vielmehr wüssten auch gegenwärtig viele Christen nicht, wer der Heilige Christ sei und wie er sei. So höre man dem Heiligen Vater zufolge manchmal Folgendes: „Ich komme gut mit dem Vater und dem Sohn zurecht, denn ich bete das Vater Unser zum Vater, empfange die hl. Kommunion mit dem Sohn, doch mit dem Heiligen Geist kann nichts anfangen …“

In diesem Zusammenhang äußerte der Heilige Vater folgende Feststellung: „Der ‚arme‘ Heilige Geist kommt immer zum Schluss und findet keinen guten Platz in unserem Leben. Dennoch ist er nicht nur die Taube, die uns sieben Geschenke macht, sondern ein in uns wirkender Gott; ein Gott, der das Gedächtnis stiftet und wachruft. Jesus selbst sagte zu den Aposteln vor Pfingsten: der Geist, den Gott in meinem Namen aussendet wird euch an alles erinnern, was ich zu euch gesagt habe“.

Papst Franziskus zufolge erfülle der Heilige Geist auf diese Weise einen für das Leben des Christen grundlegenden Auftrag: die Bewahrung des Gedächtnisses. Er brachte diesen Gedanken folgendermaßen auf dem Punkt: „Ein Christ ohne Gedächtnis ist kein wahrer Christ, sondern ein Mann oder eine Frau, der oder die in der jeweiligen Konjunktur, im jeweiligen Augenblicks, gefangen ist“.

Ohne dieses von Gott geschenkte „Merkblatt“ sei ein Christ ohne Geschichte oder wisse nicht, wie er mit ihr umgehen soll. Der Geist hingegen lehre, wie das Gedächtnis der Geschichte, bzw. unseres Lebens, anzunehmen sei, da uns die Gnade der Begegnung mit Jesus zuteilwurde, das Gedächtnis aller Worte Jesu an uns.

Dem fügte der Heilige Vater hinzu: „Dieses Gedächtnis kommt vom Herzen. Es ist eine wahrhafte Gnade des Heiligen Geistes“. Dieses Gedächtnis erlaube uns eine Erinnerung an jeden Abschnitt unseres Lebens: die Momente der Freude, aber vor all auch jene des Leidens, der Versklavung und des Elends. Diese Momente sollen laut dem Papst nicht vergessen, sondern gut in unserem Gedächtnis bewahrt werden, denn dort habe Gott gewirkt und eine Gnade erwiesen, die das Leiden übersteigt: „Erinnere dich daran, von woher ich dich genommen habe: vom Ende der Herde. Du warst ganz hinten in der Herde“.

Daraus zog der Papst folgenden Schluss: „Das Gedächtnis tut uns gut. Vor allem, wenn sich ein wenig Eitelkeit bemerkbar macht und man sich für den Nobelpreisträger der Heiligkeit hält“. Ohne diese „große Gnade“ verfalle der Christ dem Götzendienst. Laut dem Papst befinde er sich in diesem Fall „vor einem Gott, der keinen Weg zurücklegt, der es nicht versteht, vorwärts zu gehen, während unser Gott uns begleitet, sich unter uns mischt und mit uns geht. Er rettet uns. Er schreibt mit uns Geschichte“.

Die abschließende Mahnung von Papst Franziskus besteht in einer lautstarken Bitte um das Geschenk des Heiligen Geistes, damit wir Menschen sind, die „die Gnaden ihres Lebens nicht vergessen, die die Vergebung der Sünden nicht vergessen, die nicht vergessen, dass sie Sklaven waren und vom Herrn gerettet wurden“.