Der heilige Johannes Eudes und die Bedeutung der Priesterausbildung

„Jeder Priester muss Zeuge und Apostel dieser Liebe des Herzens Christi und Mariens sein“

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ROM, 19. August 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. heute, Mittwoch, während der Generalaudienz in Castel Gandolfo gehalten hat. Der Heilige Vater widmete seine Katechese dem heiligen Johannes Eudes, dessen Gedenktag die Kirche heute begeht und der sich im 17. Jahrhundert vor allem für die gute Ausbildung der Priesteramtskandidaten gekümmert hatte.

Auch heute sehe man, so Papst Benedikt XVI., „wie wichtig es ist, dass die Priester die unendliche Barmherzigkeit Gottes mit einem gänzlich von Christus 'eroberten' Leben bezeugen und dies von den Jahren ihrer Vorbereitung in den Seminaren an lernen“.

Der Heilige sei davon überzeugt gewesen, dass der Weg der Heiligung in der vorbehaltlosen Antwort und Hingabe an die Liebe bestehe, die Gott der Menschheit im priesterlichen Herzen Jesu und im mütterlichen Herzen Marias offenbare. „In diesem Sinn wollen wir alle Priester und uns selber dieser Herzensliebe unseres Herrn und seiner Mutter anvertrauen, damit auch durch uns Gottes Erbarmen in dieser Welt sichtbar wird.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute begehen wir den liturgischen Gedenktag des heiligen Johannes Eudes, eines unermüdlichen Apostels der Verehrung der heiligen Herzen Jesu und Mariens, der im 17. Jahrhundert in Frankreich gelebt hat, einem Jahrhundert, das von gegensätzlichen religiösen Phänomenen und schweren politischen Problemen gekennzeichnet war: Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, der nicht nur weite Teile Mitteleuropas, sondern auch die Seelen verheert hat. Und während sich die Verachtung des christlichen Glaubens seitens einiger damals vorherrschender Denkströmungen breit machte, erweckte der Heilige Geist eine von Eifer erfüllte geistliche Erneuerung mit herausragenden Persönlichkeiten wie Pierre de Bérulle, dem heiligen Vinzenz von Paul, dem heiligen Louis-Marie Grignion de Montfort und eben dem heiligen Johannes Eudes. Diese große „Französische Schule“ der Heiligkeit brachte als eine ihrer Früchte auch den heiligen Johannes Maria Vianney hervor. Durch den geheimnisvollen Plan der Vorsehung hat mein verehrter Vorgänger Pius XI. Johannes Eudes und den Pfarrer von Ars am 31. Mai 1925 gemeinsam heilig gesprochen und so der Kirche und der ganzen Welt zwei außerordentliche Beispiele an priesterlicher Heiligkeit geschenkt.

Im Zusammenhang mit dem Priesterjahres ist es mir ein Anliegen, die Betonung auf den apostolischen Eifer des heiligen Johannes Eudes zu legen, der sich besonders auf die Ausbildung des Diözesanklerus bezog. Die Heiligen sind die wahre Auslegung der Heiligen Schrift. Die Heiligen haben in der Erfahrung des Lebens die Wahrheit des Evangeliums überprüft; so führen sie uns in die Kenntnis und das Verständnis des Evangeliums ein. 1563 hatte das Konzil von Trient Normen für die Errichtung von Diözesanseminare und die Ausbildung der Priester erlassen, da sich das Konzil wohl bewusst war, dass die gesamte Krise der Reformation auch durch eine unzureichende Ausbildung der Priester bedingt worden war, die intellektuell und geistlich, im Herzen und in der Seele nicht richtig auf das Priestertum vorbereitet worden waren. Dies geschah im Jahr 1563. Da sich aber die Einführung und die Umsetzung der Normen sowohl in Deutschland als auch in Frankreich hinauszögerten, erkannte der heilige Johannes Eudes die Folgen dieses Mangels. Getrieben vom klaren Bewusstsein des großen Bedürfnisses an geistlicher Hilfe, in dem sich die Seelen gerade auch aufgrund der Unangemessenheit eines Großteils des Klerus befanden, errichtete der Heilige, der ein Pfarrer war, eine Kongregation, die sich spezifisch der Ausbildung der Priester widmete. In der Universitätsstadt Caen gründete er sein erstes Seminar – eine Erfahrung, der große Wertschätzung zuteil wurde und die sich bald auf andere Diözesen ausweitete. Der von ihm unternommene und seinen Schüler vorgeschlagene Weg der Heiligkeit gründete in einem festen Vertrauen auf die Liebe, die Gott der Menschheit im priesterlichen Herzen Jesu und im mütterlichen Herzen Mariens offenbart hat. Zu jener Zeit der Grausamkeiten und des Verlustes der Innerlichkeit wandte er sich an das Herz, um dem Herzen ein vom heiligen Augustinus sehr treffend interpretiertes Wort aus den Psalmen zuzusprechen. Er wollte die Aufmerksamkeit der Personen, der Menschen und vor allem der zukünftigen Priester auf das Herz lenken, indem er auf das priesterliche Herz Christi und das mütterliche Herz Mariens verwies. Jeder Priester muss Zeuge und Apostel dieser Liebe des Herzens Christi und Mariens sein. Und damit kommen wir zu unserer heutigen Zeit.

Auch heute lässt sich erkennen, wie wichtig es ist, dass die Priester die unendliche Barmherzigkeit Gottes mit einem gänzlich von Christus „eroberten“ Leben bezeugen und dies von den Jahren ihrer Vorbereitung in den Seminaren an lernen. Papst Johannes Paul II. veröffentlichte nach der Synode 1990 das Apostolische Schreiben Pastores dabo vobis, in dem er die Normen des Konzils von Trient aufnimmt und auf den laufenden Stand bringt und vor allem die notwendige Kontinuität zwischen dem anfänglichen und dem kontinuierlichen Aspekt der Ausbildung hervorhebt. Dies ist für ihn wie für uns der wahre Ausgangspunkt für eine echte Reform des Lebens und des Apostolats der Priester, und es ist auch ein zentraler Punkt, damit die „Neuevangelisierung“ nicht einfach nur ein attraktiver Slogan ist, sondern Wirklichkeit wird. Die Grundlagen, die während der Ausbildung in den Seminaren gelegt werden, bilden jenen unersetzlichen „geistlichen Humus“, in dem „Christus zu lernen ist“, indem man sich fortschreitend ihm gleich gestalten lässt, dem einzigen Hohenpriester und Guten Hirten. Die Seminarzeit ist daher als eine Aktualisierung jenes Zeitpunkts zu sehen, in dem Jesus, der Herr, die Apostel nach deren Berufung und vor ihrer Aussendung zur Verkündigung aufforderte, bei ihm zu bleiben (vgl. Mk 3,14). Als uns der heilige Markus die Berufung der zwölf Apostel berichtet, sagt er uns, dass Jesus ein zweifaches Ziel verfolgte: Das erste bestand darin, dass sie mit ihm bleiben sollten, und das zweite darin, dass sie ausgesandt werden sollten, um zu predigen. Indem sie jedoch immer mit ihm gehen, verkünden sie wirklich Christus und bringen der Welt die Wirklichkeit des Evangeliums.

Während dieses Priesterjahres lade ich euch ein, liebe Brüder und Schwestern, für die Priester und all jene zu beten, die sich darauf vorbereiten, das außerordentliche Geschenkt des Amtpriestertums zu empfangen. An alle richte ich – und damit komme ich zum Ende – die Ermahnung des heiligen Johannes Eudes, der den Priestern folgendes sagte: „Schenkt euch Jesus, um in die unendliche Weite seines großen Herzens einzugehen, das das Herz seiner Heiligen Mutter und aller Heiligen einschließt, und um euch in diesem Abgrund der Liebe, der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit, der Demut, der Reinheit, der Geduld, der Unterwerfung und der Heiligkeit zu verlieren“ (Coeur admirable, III, 2).

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte Benedikt XVI. mit den folgenden Worten:]

Von Herzen heiße ich die Pilger und Besucher deutscher Sprache willkommen. Heute feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Johannes Eudes, einer großen Priestergestalt wie der Pfarrer von Ars, mit dem er zusammen im Jahre 1925 heilig gesprochen wurde. Johannes Eudes im 17. Jh. hatte erkannt, dass die geistliche Not der Menschen seiner Zeit zu einem guten Teil auf Unzulänglichkeiten in der Ausbildung und dann im Dienst der Priester zurückzuführen war. Sein ganzes Bemühen ging dahin, die geistliche Lebensführung der Priester zu verbessern, sie zu wahrhaft geistlichen Menschen zu machen.

Der Weg der Heiligung – davon war er überzeugt – besteht in der vorbehaltlosen Antwort und Hingabe an die Liebe, die Gott der Menschheit im priesterlichen Herzen Jesu und im mütterlichen Herzen Marias offenbart. In diesem Sinn wollen wir alle Priester und uns selber dieser Herzensliebe unseres Herrn und seiner Mutter anvertrauen, damit auch durch uns Gottes Erbarmen in dieser Welt sichtbar wird. Der Heilige Geist stärke euch und begleite euch auf allen euren Wegen.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2009 – Libreria Editrice Vaticana]