Der heilige Josef: Ein großes Beispiel für die Fügsamkeit in Gottes Willen

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 383 klicks

Der Heilige Vater Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute, an diesem vierten Adventssonntag, berichtet das Evangelium uns von den Ereignissen, die der Geburt Jesu vorausgingen, und der Evangelist Matthäus erzählt sie uns aus der Sicht des heiligen Josef, der damals Marias Verlobter war.

Josef und Maria lebten in Nazareth, aber sie wohnten noch getrennt, denn noch waren sie nicht verheiratet. Inzwischen wurde Maria, wie der Engel es verkündet hatte, durch das Wirken des Heiligen Geistes schwanger. Als Josef ihre Schwangerschaft bemerkte, verunsicherte diese Tatsache ihn sehr. Das Evangelium erzählt uns nichts von seinen Gefühlen, doch sagt es uns das Wesentliche: Josef versucht, Gottes Willen zu erfüllen, und ist zum höchsten Verzicht bereit. Statt auf sein Recht zu schauen und sich zu verteidigen, entscheidet er sich für eine Lösung, die für ihn ein großes Opfer bedeutet. Matthäus schreibt: „Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen“ (Mt 1,19).

Hinter diesem kurzen Satz verbirgt sich ein echtes inneres Drama. Denken wir doch an die Liebe, die Josef für Maria empfand! Doch trotz seines Schmerzes will Josef Gottes Willen tun und beschließt, sich im Stillen von Maria zu trennen. Man muss über diese Worte meditieren, wenn man begreifen will, welche Prüfung Josef in den Tagen vor der Geburt Jesu ertragen musste. Eine Prüfung, die an das Opfer Abrahams erinnert, als Gott von ihm seinen Sohn Isaak verlangte (vgl. Gen 22): der Verzicht auf das Kostbarste, auf den Menschen, den man am meisten liebt.

Doch genau wie im Fall Abrahams greift der Herr auch diesmal ein: Er hat den Glauben angetroffen, den er suchte, und öffnet nun einen anderen Weg, einen Weg der Liebe und des Glücks: „Josef“, sagt er ihm, „fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist“ (Mt 1,20).

Diese Stelle des Evangeliums zeigt uns die ganze Seelengröße Josefs. Er hatte einen guten Plan für sein Leben, doch Gott hatte andere Pläne für ihn, hielt eine größere Mission für ihn bereit. Josef war ein Mann, der immer auf Gottes Stimme hörte, bereit, seinem geheimnisvollen Willen zu folgen, sehr empfänglich für die Botschaften, die ihn aus der Tiefe seines Herzens oder vom Himmel her erreichten. Er hielt nicht stur an seinem Lebensplan fest, ließ nicht zu, dass der Groll ihm die Seele vergiftete, sondern war bereit, sich der Neuigkeit zur Verfügung zu stellen, die auf so eigenartige Weise sein Leben verändern sollte. So ist es: Er war ein gerechter Mann. Er kannte keinen Hass und ließ es nicht zu, dass der Groll seine Seele vergiftete. Wie oft vergiften Hass, Widerwille und Groll unsere Seele! Und das schadet. Dies nie zulassen: dafür ist Josef ein Beispiel. Und so wurde Josef noch freier, noch größer. Indem er sich selbst so akzeptiert, wie Gott ihn gewollt hat, findet Josef sich selbst, jenseits seines eigenen Willens. Diese seine Freiheit, auf das zu verzichten, was ihm gehörte, auf die Verfügungsgewalt über sein eigenes Leben zu verzichten, und seine innere Empfänglichkeit für den göttlichen Willen sind für uns ein Vorbild und zeigen uns den rechten Weg.

Wir bereiten uns also auf die Feier des Weihnachtsfests vor, indem wir Maria und Josef betrachten: Maria, die begnadete Frau, die den Mut hatte, sich ganz dem Wort Gottes anzuvertrauen, und Josef, der treue und gerechte Mann, der es vorzog, dem Herrn zu glauben, statt auf die Stimmen des Zweifels und des menschlichen Stolzes zu hören. Mit ihnen wollen wir nach Betlehem ziehen.

[Nach dem Angelus:]

Da unten lese ich, in großen Buchstaben: „Die Armen können nicht warten.“ Das ist schön! Es erinnert mich daran, dass Jesus in einem Stall zur Welt kam, nicht in einem Haus. Später musste er nach Ägypten fliehen, um sein Leben zu retten. Am Ende kehrte er heim, nach Nazareth. Und ich denke heute, auch während ich dieses Schriftband lese, an die vielen Familien, die kein Zuhause haben, weil sie eines hatten oder weil sie es aus irgendeinem Grund verloren haben. Familie und Zuhause gehen Hand in Hand. Es ist sehr schwer, eine Familie zu unterhalten, wenn man kein Zuhause hat. An diesen Weihnachtstagen lade ich alle – die Einzelnen, die Vereinigungen, die politischen Autoritäten – dazu ein, alles zu tun, was in ihrer Macht liegt, damit jede Familie ein Zuhause hat.

Herzlich grüße ich euch alle, liebe Pilger, die ihr aus den verschiedenen Ländern gekommen seid, um an diesem Gebetstreffen teilzunehmen. Meine Gedanken gehen an die Familien, die Pfarrgruppen, die Vereine und an alle einzelnen Gläubigen. Besonders grüße ich die Gemeinde des Päpstlichen Instituts für die Auswärtigen Missionen, die Musikkapelle aus San Giovanni Valdarno, die Jugendlichen der Pfarrei San Francesco Nuovo in Rieti und die Teilnehmer des Staffellaufs von Alexandria nach Rom, die für den Frieden in Somalia demonstrieren.

Denen, die aus Italien hier zusammengekommen sind, um ihre soziales Engagement zu zeigen, wünsche ich, dass sie einen konstruktiven Beitrag leisten und die Versuchungen von Konflikt und Gewalt ablehnen mögen; folgt immer dem Weg des Dialogs, wenn ihr eure Rechte verteidigt!

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag und ein an Hoffnung, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit reiches Weihnachtsfest. Gesegnete Mahlzeit und Auf Wiedersehen!