Der heilige Josemaría Escrivá, Vorbild für das Jahr des Priesters

Predigt von Bischof Küng zum Gedenktag des Gründers des Opus Dei

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SANKT PÖLTEN, 26. Juni 2009 (ZENIT.org/DSP).- Der heilige Josemaria Escrivá, Gründer des Opus Dei, kann nach Worten des Sankt Pöltner Diözesanbischofs DDr. Klaus Küng „als Vorbild für das Jahr des Priesters gelten“. Dem am 9. Januar 1902 in Madrid geborenen Seelsorger, der am 26. Juni 1975 in Rom sterben sollte, sei die Heiligkeit der Priester ein großes Anliegen gewesen. „Je mehr er mit Priestern zu tun hatte - er hat unzählige Exerzitien für Priester und Ordensleute gehalten -, desto stärker empfand er die Dringlichkeit, insbesondere den Diözesanpriestern auf ihrem Weg beizustehen.“

Bischof Küng, der selbst dem Opus Dei angehört, wies während der Festmesse zum Gedenktag des 2002 heilig gesprochen Escrivá auf dessen zentrale Botschaft hin: Er habe den „Weg der Hingabe an Gott mitten in der Welt“ gelehrt und aufgezeigt, dass der jeweilige Beruf auch eine Berufung und die Familie ein „Weg der Heiligkeit“ seieb. Der Alltag könne in eine Begegnung mit Gott umgewandelt werden und sei eine Gelegenheit, den Menschen den Weg zum Glauben zu zeigen“.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Der hl. Josefmaria Escrivá, dessen Todestag wir morgen begehen, ist m.E. eine der faszinierendsten Priestergestalten des 20. Jhdts. Am 9. Jänner 1902 geboren hat er als blutjunger Priester mit 26 Jahren das Opus Dei gegründet. Er war damals ein mittelloser Priester, der seine Mutter und zwei Geschwister erhalten musste. Er wirkte in einer Diözese, die nicht seine eigene war, hatte daher auch keine Beziehungen, die ihm hätten weiterhelfen können. Wie er später manchmal sagte: Ich hatte keinerlei Mittel, nur 26 Jahre, die Gnade Gottes und gute Laune. Sonst nichts. Bei einem Einkehrtag wurde ihm eine Art Vision zuteil, in der er Menschen sah aus allen Völkern und Rassen, Angehörige aller möglichen Berufe aus allen sozialen Schichten, die mitten in der Welt lebend Christus nachfolgen und überall, in der ganzen Welt, als „Säleute des Friedens und der Freude" wirken sollten.

Seine Vision hat verbunden mit vielen Mühen und Widerwärtigkeiten unter schwierigsten Verhältnissen Gestalt angenommen. Das Wunder des Fischfangs hat er, so wie es im Evangelium beschrieben wird, erlebt. Das Opus Dei, das Anfang der 40er Jahre noch in einem Autobus Platz hatte, zählte bei seinem Tod etwa 60.000 Mitglieder, wirklich aus allen Kontinenten. Von mancher Seite wurde der hl. Josefmaria bekämpft: zunächst als ketzerisch, weil er behauptete, man könne sich heiligen; ohne sich von der Welt zurückzuziehen, wie es die Orden tun. Deswegen wurde er sogar bei der Glaubenskongregation angezeigt. Später betrachtete man ihn als reaktionär, weil er sich auch nach dem II. Vatikanischen Konzil bemühte, dem päpstlichen Lehramt in allem treu zu sein. Und das Opus Dei hat sich nach seinem Tod weiter verbreitet, auch in einer Zeit, in der viele Konvente geschlossen werden und überall über den Rückgang des Glaubens geklagt wird.

Welches sind die Grundideen, die der hl. Josefmaria verbreitet hat? Worin liegt die Kraft des Opus Dei, die es trotz aller Anfeindungen hat?

Der hl. Josefmaria sah eine große Aufgabe darin bewusst zu machen, dass die konsequente Nachfolge Christi nicht nur eine Angelegenheit von Priestern und Ordensleuten ist, die er sehr schätzte. Er sagte: man braucht nicht in ein Kloster zu gehen, um heilig zu werden. Jeder Getaufte und Gefirmte soll „Salz und Licht", soll Kirche sein, jemand, der aktiv an der Sendung der Kirche mitwirkt, und zwar an dem Platz, an den ihn die Vorsehung Gottes bzw. die eigene Entscheidung hingestellt hat. Josefmaria Escrivá lehrte einen Weg der Hingabe an Gott mitten in der Welt; er machte bewusst, dass der Beruf Bestandteil der Berufung sein kann, dass ein ganz Gott verschriebenes Leben im Sinne der Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen einfach unter den Menschen lebend möglich ist. Und dass ebenso Ehe und Familie ein Weg zur Heiligkeit sein kann.

Escrivá de Balaguer sammelte zunächst als junger Priester Studenten und Akademiker um sich, Personen, die geeignet schienen, die Botschaft weiterzutragen. Später wurden viele andere angesprochen: Arbeiter, Journalisten, Stewardessen, Künstler auch Politiker und Wirtschaftstreibende, Professoren ebenso wie Straßenkehrer. Er lehrte einen Weg, der hilft, den Alltag mit seinen Aufgaben und Pflichten in eine Begegnung mit Gott zu verwandeln und als Gelegenheit wahrzunehmen, den Menschen, mit denen man zu tun hat, ebenfalls den Weg zu zeigen, wenn sie dafür ansprechbar sind.

Der Weg, den er gelehrt hat, ist ein sehr positiver Weg, der froh macht und zur Erkenntnis der Gotteskindschaft führt; ein Weg, der dazu anleitet, im Vertrauen auf die Hilfe Gottes die verschiedenen Aufgaben herzhaft anzugehen und allen Situationen des Lebens mit Hoffnung im Herzen zu begegnen.

Der hl. Josefmaria hatte eine besondere Gabe, den Menschen einerseits weite Horizonte zu eröffnen, andererseits praktische und konkrete Schritte aufzuzeigen, die auch jemanden, der um die eigenen Schwächen weiß, den Mut geben, es zu versuchen. Er hatte eine Botschaft, die für unsere Zeit Balsam ist, weil sie nicht zu einem entnervenden Aktivismus anhält, sondern eine Balance als Ziel hat: nicht nur Arbeit, sondern auch Gebet und Erholung; nicht nur Widmung an die Anderen, sondern auch Bemühung um die eigene Bildung (bzw. Fortbildung). Seine Botschaft war zunächst für Männer und Frauen gedacht; bald erkannte er die Notwendigkeit, dass auch Priester dem Opus Dei angehören sollten.

Er kann durchaus als Vorbild für das Jahr des Priesters gelten. Ihm war die Heiligkeit der Priester ein großes Anliegen. Je mehr er mit Priestern zu tun hatte - er hat unzählige Exerzitien für Priester und Ordensleute gehalten - desto stärker empfand er die Dringlichkeit, insbesondere den Diözesanpriestern auf ihrem Weg beizustehen.

Vieles ist entstanden und entsteht weiter. Die Ausbreitung seiner Gedanken, die für nicht wenige Aspekte des II. Vatikanischen Konzils wegbereitend waren, schreitet fort. Er ist ein guter Fürsprecher für die Anliegen der Erneuerung der Kirche: er hat schon vor vielen Jahren deutlich gemacht: Laienapostolat ist - gerade in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft - von größter Bedeutung, zugleich ist die Aufgabe des Priesters unerlässlich für die Sendung der Kirche. Er hat auch immer mit Personen aller Art zusammengearbeitet: auch mit Nichtkatholiken und mit Nichtchristen wahre Ökumene gelebt und gelehrt schon viele Jahre vor dem II. Vatikanischen Konzil.

Möge der hl. Josefmaria uns Fürsprecher sein, dann finden wir die rechten Wege.