Der "Heilige Longinus" von Giovanni Lorenzo Bernini

Sankt Peter und sein konvertierter Soldat

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 169 klicks

Betritt man den Petersdom und geht bis zum Baldachin Giovanni Lorenzo Berninis mit dem darunter liegenden Petrusgrab vor, ist man von vier riesigen Skulpturen umgeben, die sich in den Nischen der Vierungspfeiler befinden. Eine von ihnen ist die über vier Meter hohe Skulptur des „Heilige Longinus“ aus dem Jahr 1638, ebenfalls von Giovanni Lorenzo Bernini.

Der am 7. Dezember 1598 in Neapel geborene und am 28. November 1680 in Rom verstorbene Künstler kam 1606 mit seinem Vater Pietro Bernini (1562-1629) - bei dem er in Ausbildung war - nach Rom, um die Cappella Paolina für Paul V. zu bauen. Giovanni Lorenzo Bernini gilt als einer der bedeutendsten italienischen Bildhauer und Architekten des Barock. Der wichtigste Förderer des Künstlers war Urban VII., der den jungen Bernini mit dem Bau des Baldachins (dem Ziborium) über dem Petrusgrab im Petersdom betraute.

Bis die Skulptur ihren Platz in einer der Nischen fand, war es ein langer Weg. Bernini hatte gemeinsam mit anderen Künstlern 1620 den Auftrag erhalten, Modelle für die Skulpturen der Nischen anzufertigen, den heiligen Andreas, die heilige Helene, die heilige Veronika und den heiligen Longinus. Neben dem heiligen Longinus, dessen Auftrag er bekam, fertigte Bernini ebenfalls ein Modell für einen heiligen Andreas an. Die ersten Bozzetti - grobe Modelle aus Terrakotta - gehen auf das Jahr 1631 zurück, die immer wieder Änderungen erfuhren, nicht zuletzt bedingt durch Veränderungen am Baldachin. Es wird vermutet, dass Bernini und seine Assistenten mehrere unterschiedliche vorbereitende Entwürfe anfertigten, bis Bernini zu einem endgültigen Ergebnis kam. Der deutsche Künstler Joachim von Sandrart berichtet von einem Besuch im Atelier Berninis im Jahr 1635, er habe 22 kleine Modelle für den heiligen Longinus gezählt. Sobald man sich mit den Auftraggebern auf ein Modell geeinigt hatte, machte sich Bernini an die Arbeit an der Skulptur, für deren Fertigstellung er drei Jahre brauchte. 1638 stand die Skulptur an ihrem heutigen Platz. Bernini erhielt für diese Arbeit 3300 römische Scudi, die gleiche Summe, die auch die anderen Künstler für ihre Arbeit erhielten.

Die Ikonographie des heiligen Longinus geht auf die Figur des römischen Soldaten zurück, der Jesus während der Kreuzigung in die Seite sticht. Nachdem diesem bewusst wurde, dass es sich um den Sohn Gottes handelte, konvertierte er zum Christentum. Gian Lorenzo Bernini zeigt ihn im Moment der Gemeinschaft mit Gott, er öffnet weit die Arme, um das göttliche Licht – das durch die Fenster von Sankt Peter auf ihn fällt – zu empfangen. Seine Rüstung liegt hinter ihm als Zeichen der Aufgabe seines Berufes als römischer Soldat.