Der heilige Rochus

Eine Darstellung des heiligen Rochus von Ludovico Carracci (1555-1619)

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ROM, 16. August 2012 (ZENIT.org). - Auch heute noch befindet sich die Darstellung des heiligen Rochus von Ludovico Carracci an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort, der Cappella Giudalotti in San Giacomo Maggiore in Bologna. 

Das in Öl auf Leinwand gemalte und 290 cm auf 170 cm große Gemälde wird bereits im Manuskript Cavazzonis aus dem Jahr 1603 erwähnt, was eine Datierung ante-quem erlaubt. Die Forschung datiert den „Heiligen Rochus“ teilweise auf das Jahr 1598-99, da Bartolomeo Dondini seit 1598 das Kapellenpatrozinium besaß und in diesem Zeitraum auch Ludovico Carracci den Auftrag zu der Altartafel erteilt haben könnte. Aus Archivquellen geht zudem hervor, daß Dondini bis 1602 umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen an der Kapelle vornehmen ließ. Letztliche Klarheit konnte auch die im Vorfeld der Carracci-Ausstellung 1956 durchgeführte Reinigung des Bildes bringen, bei der eine Künstlersignatur und eine Datierung zum Vorschein kamen. Ihre Echtheit wird von der Forschung teilweise angezweifelt.

Die Darstellung des „Heiligen Rochus“ ist ein schönes Beispiel für die Erzählfreude Ludovico Carraccis. Carracci, der von Prospero Fontana ausgebildet worden war, verstand es, den manieristischen Stil seines Lehrers mit naturalistischen Elementen zu verbinden und seinen Bildern eine besonders expressive und erzählerische Note zu verleihen. Wird er auch von Malvasia als das bedeutendste Mitglied der Carracci-Familie beschrieben, hat sich jedoch tatsächlich der in Rom tätige Annibale Carracci als der einflussreichste der drei Carracci erwiesen.

Vor einer sich in tiefe Weite öffnenden Landschaft ist der Heilige vorne rechts im Gehschritt dargestellt. Mit seiner linken Hand hat er seinen Gewandsaum so hochgeschlagen, dass der Oberschenkel komplett sichtbar wird und der Blick des Betrachters unweigerlich - durch die Lichtführung unterstützt - auf den massigen Oberschenkel fällt. Der Gestus des hochgezogenen Wandsaums ist typisch für Darstellungen des heiligen Rochus. Der ikonographischen Tradition entsprechend zeigt er dem Betrachter seine Pestbeule auf dem Oberschenkel.

Der Legende nach infizierte sich nämlich der Heilige auf dem Rückweg von seiner Pilgerreise nach Rom mit der Pest. Der aus Montpellier stammende Rochus hatte nach dem Tod seiner Eltern alle Güter an die Armen verschenkt. Anschließend machte er sich auf nach Rom. Als in Italien die Pest ausbrach, kehrte er nicht um, sondern pflegte unermüdlich die Kranken. Von der Pest gezeichnet, wollte sich niemand des Kranken annehmen, und so zog sich der heilige Rochus in eine Waldhütte zurück, um zu beten. Ein Engel erschien und pflegte ihn; eine Wasserquelle löschte seinen Durst, und ein Hund brachte ihm Brot.

Entsprechend der Legende stellt Carracci den Heiligen vor seiner Holzhütte in Begleitung des Engels mit dem Salbgefäß und des treuen Hundes dar. 

Der Besitzer des Hundes wurde schließlich auf den kranken Rochus aufmerksam und heilte ihn. Nach seiner Genesung kehrte Rochus nach Montpellier zurück, wo ihn aber wegen seiner Pestnarben niemand erkannte. Die letzten Jahre seines Lebens musste er im Kerker seiner Heimatstadt verbringen. Auch hier erschien ihm ein Engel. Kurz vor seinem Tode gab sich der heilige Rochus zu erkennen. Seine Mitbewohner erkannten ihn schließlich an dem roten Kreuz auf seiner Brust, ein Zeichen, das er schon als Kind trug. [bd]