Der heilige Stephanus

Diakon und Erzmärtyrer

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 1159 klicks

Nach dem Angelus begrüßte Papst Benedikt XVI. die auf dem Petersplatz versammelten deutschsprachigen Pilger und Besucher mit den folgenden Worten: „Am heutigen Stephanustag heiße ich ganz herzlich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher hier auf dem Petersplatz willkommen. Der heilige Stephanus sieht den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen, so erzählt uns die Apostelgeschichte. Mit seinem Zeugnis und seinem Martyrium bestätigt er die Botschaft von der Menschwerdung Gottes. Er bezeugt, dass der Mensch, der sich Christus, dem göttlichen Wort, zuwendet, Gott selbst begegnet und durch die Kraft der Liebe verwandelt wird in Gottes neue Schöpfung hinein. Der Herr schenke euch und euren Familien in dieser Weihnachtszeit seinen Frieden und seine Freude.“

Die Ansprache Papst Benedikts XVI. vor dem heutigen Angelus befasste sich mit dem heutigen Tagesheiligen, dem heiligen Stephanus, Diakon und Erzmäryter. Stephanus lebte in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus. Er war der erste von sieben Diakonen in der frühchristlichen Gemeinde Jerusalems. In der Apostelgeschichte wird der Heilige als Mann voll Gnade und Kraft und voll des Heiligen Geistes beschrieben, der große Wunder in seinem Volk vollbrachte (Apg. 6,8).

Doch schon bald geriet Stephanus wegen seiner Predigten in Konflikt mit dem hellenistischen Judentum. Die Situation eskalierte, und der Heilige wurde unter falschen Anschuldigungen vor den Hohen Rat geführt. In seiner flammenden Verteidigungsrede bekannte er sich zum christlichen Glauben. Als er am Ende seiner Rede von seiner Vision berichtete, dass Jesus zur Rechten Gottes stehe, brachte er die Menge gegen sich auf, wurde vor die Stadttore gebracht und gesteinigt. Stephanus' Martyrium leitete einen Wendepunkt ein, es war der Auftakt zu umfangreichen Christenverfolgungen.

Gemäß der Überlieferung wurde Stephanus von Nikodemus und Gamaliel begraben. Die Legende besagt weiter, dass der Priester Lucianus dem greisen Gamaliel erschienen sei und ihn aufgefordert habe, die sterblichen Überreste in die Zionskirche nach Jerusalem zu überführen, wo sie tatsächlich ruhten. Von dort wurden sie im Jahr 439 in die Stephanuskirche, die am Ort seines Martyriums errichtet wurde, überführt. Die Kirche wurde unter Kaiserin Eudokia zu einer Basilika erweitert und 484 geweiht, aber im Jahr 614 von den Persern zerstört.

In Rom wurde in der Mitte des 5. Jahrhunderts die erste Stephanus-Kirche, Santo Stefano in Rotondo, errichtet. Die Gebeine des Heiligen ruhen in der Krypta von San Lorenzo fuori le Mura. Papst Pelagius II. hatte sie 585 aus Konstantinopel nach Rom überführen und neben dem heiligen Laurentius bestatten lassen. Stephanus und Laurentius sind die Stadtpatrone Roms und werden in bildlichen Darstellungen häufig zusammen abgebildet.

Am Abschluß seiner Ansprache betonte Papst Benedikt XVI. den Beispielcharakter des heiligen Stephanus für unsere heutige Zeit: „Schließlich ist der heilige Stephanus ein Beispiel für alle, die sich in den Dienst der Neuevangelisierung stellen möchten“. Weniger bedeutend sei die Anwendung besonderer Methoden oder ausgefeilter Technik, die sicher sehr nützlich seien, entscheidender sei es, erfüllt zu sein vom Heiligen Geist und sich von ihm führen zu lassen. Die das Evangelium verkündende Person werde fähig, Christus wirkungsvoll zu den anderen Menschen zu bringen, wenn sie von Christus durchdrungen lebe, und wenn die Botschaft des Evangeliums an ihrem eigenen Leben sichtbar werde. Papst Benedikt XVI. schloß mit den Worten: „Bitten wir die Jungfrau Maria, dass die Kirche im Jahr des Glaubens zunehmend Männer und Frauen sieht, die, wie der heilige Stephanus, überzeugt und mutig Zeugnis von Jesus ablegen.“