Der Heilige Stuhl fordert eine "humane Ökologie"

Ansprache von Erzbischof Migliore am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York

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NEW YORK, 16. Mai 2006 (ZENIT.org).- In seiner Ansprache vor den Mitgliedern des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen ("Economic and Social Council", ECOSOC) wies Erzbischof Celestino Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, am Donnerstag in New York darauf hin, dass eine gute Umweltpolitik immer auch der menschlichen Person zugute komme.



Der offizielle Repräsentant des Heiligen Stuhls, der für eine "humane Ökologie" eintrat, betonte, dass nur jene politischen Strategien "zu einer wesentlichen Verbesserung des Lebensstandards für alle Menschen führen und zugleich die Zukunft der Umwelt in unserer Welt sichern können", die auf die Bedürfnisse von Umwelt und Entwicklung Rücksicht nähmen und dann auch entschlossen umgesetzt würden. Auch wenn man sich in der Vergangenheit sehr wohl um die Erhaltung des natürlichen Lebensraumes gekümmert habe, sei dennoch zu wenig unternommen worden, um die "moralischen Voraussetzungen für eine echt humane Ökologie" zu bewahren, kritisierte der Erzbischof. Die menschliche Person müsse wieder in den Mittelpunkt der Sorge um die Umwelt gestellt werden; und zugleich sei es notwendig, das Bewusstsein um die Verantwortung des Menschen für die Erde auf allen Ebenen zu stärken.

Der Vertreter des Heiligen Vaters warnte anschließend vor der zunehmenden Wasserknappheit, die nach aktuellen Berichten gerade in den letzten Jahren immer bedrohlicher geworden sei. "Sogar heute sterben noch täglich 34.000 Menschen, weil nicht genug sauberes Wasser vorhanden ist. 1,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberen Wasser, und diese Zahl könnte bis zum Jahr 2025 auf 3 Milliarden steigen."

Das Problem der Wassermangels zeuge von einer humanen Katastrophe, es handle sich aber auch um "eine Frage der sozialen Gerechtigkeit", fuhr Erzbischof Migliore fort. Der gesunde Menschenverstand führe dazu, den Ausbau der Wasserversorgung voranzutreiben.

Der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls kam auch auf die Nahrungsmittelknappheit zu sprechen: "Von der Sub-Sahara Afrikas bis zur GUS [Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, Zusammenschluss der verschiedenen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, Anm. d. Übers.] hat es in den vergangenen drei Jahren immer mehr hungernde Menschen gegeben, obwohl weltweit betrachtet zahlenmäßig eine Verbesserung eingetreten ist." Für diese traurige Situation in den genannten Krisenregionen seien nicht zuletzt "die sich ändernden klimatischen Bedingungen" verantwortlich. "Wir können nicht mehr so tun als ob das menschliche Handeln keine oder nur eine geringe Auswirkung auf diese Probleme hat."

Zur Realisierung der heute nötigen Entwicklungshilfsprojekte komme der Energiegewinnung eine entscheidende Bedeutung zu, fuhr Erzbischof Migliore fort. Angesichts der Tatsache, dass weltweit mehr als 1,6 Milliarden Menschen über keine Elektrizität verfügen und 2,4 Milliarden nur traditionelle Biomasse verwenden, "ist die Verbesserung der Zugänge zu zuverlässigen, erschwinglichen und klimafreundlichen Energiedienstleistungen eine Hauptherausforderung zur Armutsbeseitigung und zum Erreichen der Millenniums-Ziele".

Auf globaler Ebene müsse danach getrachtet werden, die Energieversorgung so einzurichten, dass ein ernster Schaden für die menschliche Gesundheit, für das Klima und das Ökosystem" verhindert werde. Gemeinsam könnten die UN-Mitgliedsstaaten diese gewaltige Aufgabe bewältigen, betonte Erzbischof Migliore abschließend.