Der Heilige Stuhl hat einen neuen Staatssekretär

Pietro Parolin - Priester und Diplomat

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 488 klicks

Mit Wirkung vom 15. Oktober 2013 wird Erzbischof Pietro Parolin in der Nachfolge von Tarcisio Bertone das Amt des Staatssekretärs seiner Heiligkeit antreten. Der am vergangenen Freitag ernannte Parolin wurde am 17. Januar 1955 geboren und wuchs mit zwei Geschwistern als Kind eines Eisenwarenhändlers – er verlor seinen Vater im Alter von zehn Jahren und einer Grundschullehrerin in Schiavon (Provinz Vicenza) auf.

Parolins theologische Wurzeln liegen in Vicenza, wo er nach dem Abitur das Priesterseminar besuchte und Theologie und Philosophie studierte. Seinen Abschluss machte er an der Theologischen Fakultät von Norditalien in Mailand. 1979 wurde er zum Diakon geweiht, und am 27. April 1980 erhielt er in der Kathedrale von Vicenza die Priesterweihe. Nach seinem Studium von 1984 bis 1986 an der Päpstlichen Diplomatenakademie und seiner anschließenden Promotion in kanonischem Recht an der der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom trat der heute 58jährige am 1. Juli 1986 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein und wurde Mitarbeiter der Apostolischen Nuntiatur in Nigeria. Nachdem er 1988 von Johannes Paul II. den Ehrentitel des Monsignore (Kaplan seiner Heiligkeit) erhalten hatte, wechselte er von Nigeria an die Apostolische Delegation in Mexiko. Wenige Jahre später, 1992, wurde er Nuntiaturrat in der Sektion für die Beziehungen mit den Staaten des Vatikanischen Staatssekretariats. Hier war er insbesondere für die Länder Spanien, Andorra, Italien und San Marino zuständig. Zehn Jahre später, am 30. November 2002, wurde er zum Untersekretär der Sektion für die Beziehungen mit den Staaten berufen, als der er mehrfach die Delegation des Heiligen Stuhls anführte. Neben diplomatischen Verhandlungen mit der kommunistischen Regierung Vietnams war er auch für ebensolche zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl zuständig. Mit dem Beginn des Pontifikats von Benedikt XVI. nahm der Vatikan Gespräche mit China auf. In diesem Zusammenhang war Parolin an der Ausarbeitung des Briefes des Papstes an die katholischen Chinesen im Juni 2007 beteiligt, der als einer der wichtigsten Texte des Pontifikats gilt. Am 12.September 2009 erhielt Petro Parolin von Benedikt XVI. die Bischofsweihe im Petersdom, nachdem er am 17. August zum Titularerzbischof von Aquipendium und zum Apostolischen Nuntius in Venezuela ernannt worden war.

Pietro Parolin ist der bisher jüngste Inhaber des Amtes des Staatssekretärs am Heiligen Stuhl, der rechten Hand des Papstes. Haltung Beobachtet man das bisherige Wirken des Erzbischofs, so wird deutlich, dass er in der Tradition der großen, vatikanischen Diplomatie steht und Realismus, eine eingehende Analyse der Hintergründe und der anzugehenden Probleme mit zielorientierter Problemlösung verbindet. In Anbetracht der konfliktbeladenen Lage weltweit kann der Heilige Stuhl mit Parolin einen wichtigen Beitrag zur Verständigung leisten. Papst Franziskus hat mit der Wahl Pietro Parolins zum neuen Staatssekretär einen wichtigen Schritt auf dem Weg getan, die Kirche „aus sich selbst herauskommen zu lassen“, eines seiner wichtigsten Anliegen seit Beginn seines Pontifkats.