Der Heilige Stuhl nimmt zu den Anschuldigungen gegen den Gründer der Legionäre Christi Stellung

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ROM, 19. Mai 2006 (ZENIT.org).- Das Pressebüro des Heiligen Stuhls veröffentlichte heute, Freitag, eine Erklärung, aus der hervorgeht, dass kein kanonischer Prozess gegen Pater Marcial Maciel, dem Gründer der Legionäre Christi, eröffnet wird und dass er dazu eingeladen worden ist, von der öffentlichen Ausübung seines Priesteramtes abzusehen.



Nach dem Pressekommuniqué erhielt die Kongregation für die Glaubenslehre seit dem Jahr 1998 "teilweise öffentlich verbreitete Anklagen" gegen den heute 86-jährigen P. Marcial Maciel, "die sich auf Vergehen bezogen, die in der ausschließlichen Kompetenz des Dikasteriums liegen. Im Jahr 2002 veröffentlichte P. Maciel eine Erklärung, um die Anklagen zurückzuweisen und sein Missfallen gegenüber jenen Angriffen zum Ausdruck zu bringen, die er durch einige ehemalige Legionäre Christi erfahren hatte", heißt es weiter. Im Jahr 2005 habe sich P. Maciel schließlich "aufgrund seines fortgeschrittenen Alters" vom Amt des Generaloberen der Kongregation der Legionäre Christi zurückgezogen.

"All diese Elemente waren Gegenstand einer gründlichen Untersuchung seitens der Kongregation für die Glaubenslehre", die der jetzige Papst Benedikt XVI. noch als Joseph Kardinal Ratzinger und Präfekt der genannten Kongregation autorisiert hatte.

"Nachdem die Ergebnisse der Untersuchung einem aufmerksamen Studium unterzogen worden waren, hat die Kongregation für die Glaubenslehre unter der Leitung des neuen Präfekten, Seiner Eminenz William Kardinal Levada, beschlossen, angesichts sowohl des fortgeschrittenen Alters von P. Maciel als auch seines angeschlagenen Gesundheitszustandes auf einen kanonischen Prozess zu verzichten und den Pater dazu einzuladen, ein zurückgezogenes Leben des Gebets und der Buße zu führen unter Verzicht auf jeglichen öffentlichen pastoralen Dienst. Der Heilige Vater hat diese Entscheidungen approbiert."

Abschließend heißt es: "Unabhängig von der Person des Gründers wird mit Dankbarkeit das verdienstvolle Apostolat der Legionäre Christi und der Vereinigung Regnum Christi anerkannt."

Nach der Veröffentlichung dieser Erklärung bekräftigte die Kongregation der Legionäre Christi ihre Bereitschaft, der Kirche in Treue zu dienen und erklärte, dass sich Pater Maciel im Lauf seines Lebens mit "unzähligen Anklagen" konfrontiert gesehen habe (vgl. Erklärung).

"Angesichts der gegen ihn vorgebrachten Anklagen hat P. Maciel seine Unschuld bekräftigt und sich in Nachahmung des Beispiels Jesu Christi immer dafür entschieden, sich in keiner anderen Weise zu verteidigen."

In einer für ihn stets charakteristischen Haltung der Treue zur Kirche habe er die Erklärung des Heiligen Stuhls "im Glauben angenommen, mit völliger Gleichmut und einem ruhigen Gewissen, wohl wissend, dass es sich um ein neues Kreuz handelt, das Gott, der barmherzige Vater, zugelassen hat und aus dem viele Gnaden für die Kongregation der Legionäre Christi und für die Bewegung Regnum Christi hervorgehen werden".

Abschließend wird betont: "Die Legionäre Christi und die Mitglieder der Bewegung Regnum Christi folgen dem Beispiel P. Maciels, und vereint mit ihm nehmen wir jetzt und immer die Entscheidungen des Heiligen Stuhls mit tiefem Glauben und Gehorsam an und bekräftigen, uns mit aller Kraft für die Verwirklichung unserer Charismas einzusetzen und im Dienst der Kirche das Reich Christi aufzubauen."

Pater Marcial Maciel wurde 1920 in Cotija de la Paz (Bundesstaat Michoacán, Mexiko) geboren. 1941 gründete er die Legionäre Christi, eine Kongregation päpstlichen Rechts, der nach aktuellen Angaben mehr als 650 Priester und rund 2.500 Seminaristen in 18 Ländern angehören.

Die ebenfalls von P. Maciel gegründete Bewegung Regnum Christi besteht aus rund 65.000 Laien (Männern und Frauen), Diakonen und Priestern in der ganzen Welt.