Der Heilige Stuhl und Bosnien-Herzegowina ratifizieren Grundlagenvertrag

Präsident Željko Komšić zu Besuch im Vatikan

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ROM, 25. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Am heutigen Vormittag empfing Papst Benedikt XVI. den Präsidenten von Bosnien-Herzegowina, Željko Komšić. Ein Kommuniqué des Vatikanischen Presseamtes bezeichnete die Gespräche als herzlich.



Im Verlauf der Unterredung wurden Themen angesprochen, die mit der Inkraftsetzung des Grundlagenvertrages zwischen dem Heiligen Stuhl und Bosnien-Herzegowina in Verbindung stehen. Der Einsatz der Kirche im Erziehungswesen, ihr soziales und karitatives Engagement sowie die pastorale Sorge für die Katholiken wurden besonders angesprochen. Beide Seiten würdigten darüber hinaus den Beitrag der Katholiken zur Förderung des friedlichen Zusammenlebens unter den verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen im Land. Präsident Komšić lud den Heiligen Vater schließlich zu einem Besuch in Bosnien-Herzegowina ein.

Im Anschluss an die Begegnung mit Benedikt XVI. traf der Präsident mit Kardinal-Staatsekretär Tarcisio Bertone und Erzbischof Dominique Mamberti, Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten, zum, um zur Ratifizierung des Grundlagenvertrages zu schreiten, der am 19. April 2006 unterzeichnet worden war, und des Zusatzprotokolls vom 29. September 2006.

Der Grundlagenvertrag unterstreicht unter Wahrung der jeweiligen Unabhängigkeit und Autonomie von Staat und Kirche die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Durch den Vertrag wird der Rechtsstatus der katholischen Kirche in der Zivilgesellschaft festgeschrieben sowie „die Freiheit und Unabhängigkeit ihrer apostolischen Tätigkeiten“. Außerdem stellt das Dokument die Freiheit des religiösen Kultes sicher sowie das Engagement der Kirche in den Bereichen Kultur, Erziehung, Seelsorge, Caritas und Medien.

40 Prozent der 4,5 Millionen Einwohner von Bosnien-Herzegowina sind Muslime. Unter den Christen, die rund 50 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, bilden die orthodoxen Gläubigen (31 Prozent) vor den Katholiken (15 Prozent) die größte Gruppe.

Das Staatssekretariat gab heute bekannt, dass an der Zeremonie zur Ratifizierung des Vertrages seitens des Heiligen Stuhls unter anderen der Erzbischof von Sarajevo und Präsident der Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina, Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof Mamberti und Msgr. Pietro Parolin, Untersekretär für die Beziehungen mit den Staaten, teilgenommen haben. Bosnien-Herzegowina war unter anderen durch den Außenminister Sven Alkalaj und Miroslav Palameta, Botschafter dieses Landes beim Heiligen Stuhl, vertreten.

Kardinal Bertone wies darauf hin, dass mit der Ratifizierung die Bestimmungen des Grundlagenvertrags in Kraft treten, und würdigte das friedliche Miteinander der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Bosnien-Herzegowina, das Europa in dieser Hinsicht Vorbild und für alle eine Bereicherung sei.