Der Heilige Stuhl unterstreicht Erziehungsauftrag der Caritas

19. Generalversammlung von Caritas Internationalis

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ROM, Dienstag, 24. Mai 2011 (ZENIT.org). – Der Kardinalstaatssekretär des Vatikans, Tarcisio Kardinal Bertone, betonte seinen Wunsch, dass der bedeutendste und eigentlichste Auftrag der Caritas sich im Erziehungsauftrag ausdrücken solle, in einer Sensibilität,  in  der alle Menschen  in den  Armen ihre eigenen Brüder erkennen.

Dies äußerte er  am Sonntagnachmittag vor 300 Delegierten  im Rahmen einer hl. Messe in „Domus Mariae“ in Rom, wo vom 22. - 27. Mai die 19. Generalversammlung der Caritas Internationalis stattfindet, die ebenso ihren 60. Gründungstag feiert.

Der Kardinal  erklärte in seiner Predigt: „Das Geheimnis im Antlitz des anderen entdecken, den Christen und allen Menschen guten Willens helfen, für das, was sie bedürfen und brauchen,  für sie Sorge tragen und dies in der Haltung der Ehrfurcht vor ihrer Würde ist die grundlegendste Aufgabe der Caritas Internationalis. Ebenso ist eine erneuerte Beziehung zu den Organisationen des Heiligen Stuhls ein Ziel, das ich mir als Frucht dieser Versammlung wünsche und erhoffe.“

Der Kardinal erinnerte an das hohe Niveau des Dienstes, der darin bestehe „ den Geist und das Herz der Gläubigen und aller Menschen guten Willens zu erreichen,  überzeugend und mit Respekt, damit in den Armen ihre Brüder erkannt werden“.  Weiterhin zeigte er auf, dass  der Diener Gottes Papst  Paul VI. den erzieherischen Auftrag als wichtigste Aufgabe der Caritas hervorgehoben habe.

Die Caritas, fügte er hinzu, „gebe den Gläubigen eine besondere Gelegenheit, die Mission der Kirche zu teilen und Christus nahe zu sein.“

„Caritas Internationalis, die nationale und die örtliche Caritas bewirken unglaublich viel Gutes, wenn sie den Menschen  und den Gemeinschaften helfen, den Bruder in Not in Liebe zu erkennen, in dem Christus selbst gegenwärtig ist; wenn es ihnen gelingt, die Gewissen wachzurütteln, damit sie erspüren, wie anspruchsvolles Teilen im Sinne des Evangeliums sowohl durch freie Initiativen, als auch in der Zusammenarbeit mit der organisierten Caritas gelingen kann“, führte  Kardinal Bertone aus. 

Darauf zeigte er, wie dieser Erziehungsauftrag ausgeübt werden kann, indem  „in den Christen und den Menschen guten Willens das Bewusstsein für den Geist  tätiger Brüderlichkeit besonders gegenüber den wirklich Bedürftigen gestärkt wird, in dem Bemühen um ein Leben in Christus, der „der Weg, die Wahrheit und das Leben ist“ und beseelt zu sein von seinem Heiligen Geist.“

„Christus finden wir im Wort und im Brot des Lebens, im persönlichen Gebet und in den Sakramenten, aber wir finden Ihn auch und geben Sein Leben an die anderen weiter, wenn wir caritativ tätig sind“, führte der Kardinal aus.

Eine menschliche Familie

Für Kardinal Bertone ist die Generalversammlung, die am Sonntag in Rom begonnen hat, „ nicht nur eine Gelegenheit zu einer  brüderlichen Begegnung  und die Erfüllung einer institutionellen Pflicht, sondern vor allem „die Gelegenheit, um Christus intensiver zu begegnen.

Die Jahresfeier ist auch eine Gelegenheit, um den Herrn zu danken für die organisierte Caritas der Kirche.

Im Namen des Papstes dankte er allen Repräsentanten der Caritas „ für die Förderung und die Verwirklichung der christlichen Caritas“, vor allem für ihre Aktivitäten nach den jüngsten Naturkatastrophen auf Haiti und in Japan, sowie für ihre  Anstrengungen und Bemühungen  in Konflikten, wie in Costa d`Avoro, und in anderen Kriegssituationen und bei  großer Armut.

„In dieser ganzen schmerzhaften Realität ist diese verdienstvolle kirchliche Institution aufgerufen,  auf praktische und wirksame Weise zu zeigen, dass die Welt eine einzige Familie ist, die Familie der Kinder Gottes“, sagte er bezugnehmend auf das Thema der Versammlung. „Eine menschliche Familie,  keine Armut“.

Manifestation der Kirche

Sich an die Delegierten der verschiedenen caritativen Organisationen wendend, betonte der Kardinal, dass ihre Aktivität eine „öffentliche  Manifestation der Kirche als Leib Christi und als Volk Gottes“ sei.

„Auch wenn die Nächstenliebe in der Liebe Gottes ihre Wurzel hat und zunächst eine Aufgabe jedes einzelnen Gläubigen ist, ist sie es auch für die ganze kirchliche Gemeinschaft“, zeigte er auf und fügte hinzu,  dass die Caritas verstanden werden müsse  als ein Instrument des Evangeliums für die caritative Pastoral.

Der Kardinal erinnerte auch daran, dass Caritas Internationalis 2004 die Anerkennung als Körperschaft öffentlichen Rechts erhalten hat, „die den Organismus einer qualifizierten Gemeinschaft mit der Hierarchie der Kirche begründet und ihr eine charakteristische Teilhabe an ihrer Mission versichert hat. Caritas Internationalis ist immer aufgerufen,  mehr zu erkennen, zu vertiefen, anzunehmen und zu aktualisieren.“

Wie alle  Aktivitäten der Caritas und generell die der ganzen Kirche „wie jene von Christus sind, dürfen sie sich  nie allein auf die materielle Unterstützung der Menschen begrenzen, auch wenn sie oftmals dringend notwendig ist.“

Er wies darauf hin, dass „ eine humanitäre Hilfe, die  von einer christlichen Identität absehen und einen Stil annehmen würde, der als 'neutral' bezeichnet werden könnte, eine Art des Handelns , die allen gefallen möchte, riskieren würde, auch wenn ihr  Ziel sofort  erreicht worden wäre, dass dem Menschen kein guter Dienst erwiesen worden wäre,  weil er  ihn  nicht in seiner ganzen Würde gesehen hat.“

„Auf diese Weise, ohne es zu wollen, könnte in den Personen, denen geholfen worden ist,  eine materialistische Mentalität wachsen, die sich auswirken würde auf ihre sozialen Beziehungen und  bei der Bewältigung der sozialen Probleme.“

„Das Paradies wird  in dieser geschichtlichen Zeit in dieser Welt nie erreicht, aber in jedem Augenblick müssen wir uns verantwortlich in den Dienst an den Brüdern stellen“, schloss der Kardinal.  „ Die Ursache für alle Miseren sind der Egoismus und die Gleichgültigkeit.“

[Übersetzung aus dem Italienischen von Maria Raphaela Hölscher]