Der Heilige Stuhl verteidigt Recht auf Religionswechsel

Religion steht „im Dienst des Friedens, der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit“

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WARSCHAU, 19. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Ein international ratifiziertes Recht auf Religionsfreiheit schließt nach Worten von P. Anthony Frontiero, Mitglied des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, das Recht auf Religionswechsel und den Empfang beziehungsweise Unterricht katechetischer Unterweisung mit ein.



Der Vatikan geht mit dieser Forderung auf die immer häufigere Verfolgung und Bestrafung von Personen ein, die sich einer neuen Religion zugewandt haben: Glaubensvertreter, aber auch einfach Menschen aus dem Umfeld von Konvertiten rufen zu deren Ächtung und Isolierung auf. Für die Betroffenen geht es deshalb häufig nicht mehr nur um das soziale oder wirtschaftliche, sondern mitunter auch um das „nackte“ Überleben.

In seiner Ansprache während der diesjährigen Vollversammlung der 56 Mitgliedsstaaten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die vom 24. September bis zum 5. Oktober in Warschau (Polen) über Wege zu mehr Humanität nachdachten, unterstrich P. Frontiero als offizieller Vertreter des Heiligen Stuhls, dass echte Religionsfreiheit Teil der verbriefen Bürgerrechte jeder staatlichen Gesetzgebung sein sollte. Für den Heiligen Stuhl bedeutet dies, „dass es die Würde der menschlichen Person und das Wesen ihrer Sehnsucht nach Gott danach verlangen, dass alle Menschen im Bereich der Religion frei von jeglicher Beschränkung sein müssen“.

Der Vertreter des Vatikans verwies auf die andauernde Abfolge von Intoleranz und Diskriminierung gegenüber Christen und beklagte, dass in einigen Nationen sogar Religionsunterricht beziehungsweise die Teilnahme daran unter Strafe gestellt wird. Msgr. Frontiero verwies in diesem Zusammenhang auf Papst Benedikt XVI., der immer wieder bekräftige, dass das Recht auf Religionsfreiheit fundamental, ununterdrückbar, unantastbar und unverletzlich sei.

Der Angehörige des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden forderte die OSZE-Mitgliedsstaaten dazu auf, das Potential von Religion im Dienst am Frieden, an der Bewahrung der Menschenreche und sozialer Gerechtigkeit im Hinblick auf die Zukunft der Staatengemeinschaft entsprechend zu würdigen. Dazu gehörte auch das verbriefte Recht auf Religionswechsel in der alltäglichen Praxis, betonte der Vertreter des Vatikans.

Sowohl in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aus dem Jahre 1948 als auch im Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR) aus dem Jahre 1966 wird diesem Thema eine exponierte Rolle zugedacht. In Artikel 18 des IPBPR über Religionsfreiheit wird ausdrücklich die Freiheit bekräftigt, „eine Religion eigener Wahl zu haben oder anzunehmen“.

Der IPBPR – von nahezu der gesamten Staatengemeinschaft ratifiziert – wurde als völkerrechtlicher Vertrag zur universellen Freiheitscharta und ist damit im Bereich der bürgerlichen und politischen Rechte das „Grundgesetz“ der Vertragsstaatengemeinschaft geworden. Der Pakt enthält neben einzelnen Bestimmungen, die die Freiheitsrechte ausformulieren und definieren, auch Vorschriften zu Überwachungsmechanismen der Einhaltung.

„Da wir Zeugen der vielfältigen religiösen Reaktionen auf die sozialen Probleme unserer Zeit sind, bekommen wir deutliche Hinweise darauf, dass die Weltreligionen, einschließlich des Christentums, den Friedens und die Gerechtigkeit als wesentliche Aspekte ihrer religiösen Verpflichtung fördern“, hob Msgr. Frontiero hervor. Religiös engagierte Männer und Frauen würden „einen inneren Zusammenhang zwischen dem religiösen Glauben und der aktiven Sorge um das Wohlergehen der Gesellschaft“ ausmachen.

„Religion wird weiterhin eine sinnvolle, wesentliche und positive Rolle bei der Suche nach einer solchen neuen Zukunft spielen, und dies vor allem, wenn sich die Religionen von ihren möglichen Fehlern und Schwächen trennen… „Religion im Dienst des Friedens, der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit wird in dem Maß wirksam sein können, wie sie die Eingebungen des Heiligen Geistes, ihren tiefsten Werten treu zu bleiben, tatsächlich annimmt.“