Der heilige Valentin und die Liebe

Römisches zum Valentinstag

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ROM, 14. Februar 2009 (ZENIT.org).- Die Kirche „Santa Maria in Cosmedin" ist bei Touristen ein Renner - befindet sich doch in der Vorhalle der Kirche der berühmte „Mund der Wahrheit", ein mannshohes, kreisrundes Relief in Form eines Gesichtes. Wer seine Hand in dessen großen, geöffneten Mund steckt und die Unwahrheit sagt, dem wird nach der Legende die Hand abgebissen.

„Vorsicht, er schnappt zu!" Kommentare, Witze und Gelächter sind in der Warteschlange von allen Seiten und in allen Sprachen zu hören. Der Andrang ist groß, jeder möchte sich mit der Hand im gefürchteten Mund auf einem Foto verewigt sehen. Dafür nimmt man lange Wartezeiten in Kauf. An manchen Tagen reicht die Schlange bis weit auf die Straße. Kaum einer der Touristen setzt jedoch einen Fuß in die Kirche selbst. Das Highlight ist laut Reiseführer das Relief im Eingangsbereich. Wozu dann noch Zeit verlieren und einen Blick in die Kirche werfen?

So entgeht den Touristen das eigentliche Highlight: eine wunderschöne mittelalterliche Kirche, in der zudem Reliquien des heiligen Valentin aufbewahrt werden. Normalerweise fristen die Gebeine des Heiligen ein recht geruhsames Dasein im Inneren der Kirche. Allerdings nicht am 14. Februar!

„Diesen Samstag werden haufenweise Leute kommen. Zum Valentinstag herrscht hier immer Hochbetrieb!", plaudert der freundliche Mitarbeiter am Souvenirstand aus dem Nähkästchen. Er verweist auf die Reliquien in einer Seitenkapelle der Kirche. Hinweisschilder in verschiedenen Sprachen und zahlreiche brennende Kerzchen weisen den Weg. Der mit Plastikblumen geschmückte Schädel des Heiligen zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Quer über der Stirn klebt ein Schriftband mit dem Namen Valentins.

Der heilige Valentin, Bischof von Terni und Märtyrer im 3. Jahrhundert, soll trotz kaiserlichen Verbots heimlich Paare getraut haben und wurde so zum Patron der Liebenden.

Während sich die skeptische deutsche Seele fragt, ob dies tatsächlich die Gebeine des Heiligen Valentin sind, ob die Geschichten über ihn wahr sind, ob es ihn überhaupt jemals gegeben hat bzw. welcher von mehreren heiligen Valentins denn tatsächlich der Patron der Liebenden ist, zündet das italienische Pärchen eine Kerze an und betet ein Vaterunser.

Der Valentinstag gilt als Tag der Liebe. Er darf uns Anlass sein, nicht nur an die obligatorischen Blumen zu denken, sondern auch einmal über das Wesen der Liebe nachzusinnen.

Einige Anregungen dazu gibt uns Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika Deus caritas est. Er schreibt von der Liebe als Weg aus dem Ich, zur Hingabe, ja zur Findung Gottes. Davon, dass Liebe durch Liebe wächst und niemals „fertig" ist, sondern sich wandelt und reift. Vom Einander-ähnlich-Werden im Wollen und Denken. Vom Schenken und vom Beschenktwerden. Von der Art, wie Gott liebt, als Maßstab menschlicher Liebe. Davon, dass die Liebe göttlich ist, weil sie von Gott kommt und uns mit Gott eint.

Das haben der heilige Valentin und Papst Benedikt gemeinsam: Sie erinnern uns daran, welch geheimnisvolles Geschenk Gottes die Liebe ist. In diesem Sinne, einen gesegneten Valentinstag!

Von Veronika Baur