„Der Heilige Vater hat es verstanden, unsere Verantwortung zu wecken“

Interview mit DDr. Klaus Küng, Bischof von Sankt Pölten

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SANKT PÖLTEN, 17. September 2007 (ZENIT.org).- Die dreitägige Pilgerreise von Papst Benedikt XVI. nach Mariazell und Österreich hat nach Worten des Sankt Pöltner Diözesanbischofs DDr. Klaus Küng viele Gläubige dazu ermutigt, „als Christen aufzuwachen“ und sich – trotz aller eigenen Schwächen – mit neuem Schwung um ein Leben aus dem Glauben zu bemühen.



Der österreichische Familienbischof, der heute seinen 67. Geburtstag feiert, wies im Gespräch mit ZENIT auf die rednerische Stärke des Heiligen Vaters hin und bekräftigte, dass die Österreicher nun vor einer „großen Aufgabe“ stehen.

ZENIT: Der Papstbesuch ist vorbei, aber die Einladung Benedikts XVI., auf Christus zu schauen, bleibt bestehen, ja sie ist aktueller denn je. Wie leben wir aus der Freude des Papstbesuchs heraus, wie ziehen wir aus diesen Tagen Kraft für den Alltag?

Bischof Küng: Der Papstbesuch war ein starker Impuls für die Entwicklung, die bei nicht wenigen Gläubigen für die innere Entwicklung derzeit im Gang ist; der Impuls, als Christen aufzuwachen, auf Gott zu bauen und das Leben mit Bemühen um Konsequenz und Echtheit aus dem Glauben zu gestalten, trotz aller Schwachheit und Begrenztheit.

Christus, der Mensch gewordene Gott, steht uns bei. Der Heilige Vater wirkt froh und gelassen: Er lebt aus dem Glauben an Christus und ist ein Vorbild für uns alle.

ZENIT: Papst Benedikt hat die Gläubigen dazu ermutigt, Christus zu den Menschen zu tragen – wie Maria, die ihren ungeborenen Sohn zu Elisabeth getragen hat. Wie verliert man die Menschenscheu, die einen vielleicht in entscheidenden Momenten schweigen lässt? Und wie kann man verständlich machen, dass Opferbereitschaft und das Sich-Verlieren, von dem der Papst oft sprach, auch zur irdischer Freude wesentlich beiträgt?

Bischof Küng: Papst Benedikt spricht mit Ruhe und ohne jede Aggressivität, einfach und zugleich klar. Im Vordergrund seiner Ansprachen steht der Wunsch, den Menschen mit Liebe bei der Erkenntnis der Wahrheit zu helfen, die befreiend wirkt und froh macht.

Der Heilige Vater hat es verstanden, unsere Verantwortung zu wecken. Wir dürfen die Menschen in ihren Nöten nicht allein lassen. Ohne Gott kann man auf Dauer nicht froh sein. Wir haben eine große Aufgabe.

ZENIT: Was bedeutet dieser Papstbesuch Ihnen ganz persönlich? Welche Impulse haben Sie für Ihr Wirken als Diözesan- und Familienbischof empfangen?

Bischof Küng: Auch für mich war es eine Ermutigung: Der Heilige Vater versteht es, die Lebensfragen, die alle Menschen in sich tragen, so anzusprechen, dass sie davon berührt sind.

Gerade die Themen, die die Familie betreffen, bieten viele Ansatzpunkte, die zum Nachdenken führen und jene Sehnsucht wecken, die zu Christus führt, der uns am Besten und am Tiefsten zeigt, was Liebe bedeutet. Der Heilige Vater hat außerdem eine Diskussion über Lebensschutz ausgelöst, und es liegt nun an uns, diese Chance zu nützen.