"Der Herr hat es vorgezogen sich in der Schwachheit eines Kindes zu offenbaren"

Weihnachtsbotschaft von Pater Pierbattista Pizzaballa OFM, Kustos des Heiligen Landes

Jerusalem, (ZENIT.org) | 540 klicks

Wir dokumentieren in einer freien Arbeitsübersetzung (1) die Weihnachtsbotschaft gegeben von Pater Pierbattista Pizzaballa OFM, Kustos des Heiligen Landes.

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Jerusalem, Heilige Weihnacht 2013

„Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ (Lk 2,7).

Das Jahr, das lange gedauert hat und nun zu seinem Ende kommt, hat ein Ansteigen von Gewalt erfahren. Wir haben gelitten für so viele unschuldige Kinder, die involviert sind, die Älteren, die Frauen, die Armen in vielen Ländern, viele christliche Brüder und Schwestern, Opfer von Diskriminierung, Verfolgung und Märtyrer im Nahen Osten und in verschiedenen Teilen in der Welt. Eine lange Zeit, in welcher unsere Hoffnung vom Gebet gestützt worden

ist und von der dringenden Anforderung, Hilfe zur Verfügung zu stellen. In der Tiefe unserer Herzen erkannten wir sehr stark die Notwendigkeit und den Auftrag. unsere Hoffnung auf den Himmel zu orientieren für Schutz gegen die gewaltigen Attacken, welche, wie es aussieht, als unnachgiebig erscheinen. Mit unserer Hand berührten wir die ewige Wahrheit von Weihnacht und das Wort, das das Evangelium offenbart. Lebenswege gehen nicht quer durch Gerichte von Regierungen und Mächten, sondern entlang eines verborgenen Pfades einer bescheidenen, sittsamen und nicht dominierenden Liebe.

Gott rettet uns nicht mit einer Geste von Gewalt, sondern mit einem demütigen Zeichen einer unendlichen Erreichbarkeit, einem unendlichen Vorhandensein, das allen Menschen angeboten ist. Wir benötigten die Erscheinung des Allmächtigen in Form eines Kindes denn „das Schwache in der Welt hat Gott erwählt“ (1Kor 1,27), da es heißt: „Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“ (2 Kor12,9).

Der Allmächtige konnte uns wahrlich nur auf diesem Weg bis hin zur tiefsten Wurzel erretten,  verborgen in unserem Herzensgrund. Er bietet seine unendliche Kraft auf, um uns zu retten. Und nur alleine mit einer Tugend oder Heilkraft von einem wohlwollenden Wunder wären wir zwar vom Übel befreit, jedoch unsere Herzen hätten sich nicht bekehrt. Obgleich wir schon immer davon Kenntnis haben, und es sind Belege und Bestätigungen vorhanden, dass die Autoritäten und die Regierung diese verhüllte Wahrheit anerkennen, gibt es Macht, das Böse zu tun und gibt es Macht, das Gute zu tun. Jedoch mit göttlicher Kraft und mit unseren Herzen werden wir immer an dieser göttlichen Kraft festhalten, in der Hoffnung, stets das Gute zu tun und das Böse zu meiden.

Der Herr hat uns vom Bösen befreit, nicht einfach nur aufgrund seiner unendlichen Kraft, sondern vielmehr aufgrund seiner Liebe, die sich unendlich für uns vollkommen hingibt und in der er sich uns ausgeliefert hat in aller Ergebenheit und Schwäche. Deshalb sind wir wahrlich geheilt, da wir seine Liebe erfahren haben und wir erkennen können, dass diese Liebe wahr ist und tief in uns verwurzelt ist und lebt und göttliche Kraft hat, uns zu retten. Diese

Liebe kann auch uns von uns selbst (unserem Egoismus) retten und von unserer Begierde Macht auszuüben und von unserem Irrtum Vertrauen in menschliche Macht zu setzen, und von der Illusion Leben könne von Gewalt kontrolliert werden.

Das ist die wahre Erlösung, dass wir dieser ultimativen, letztgültigen höchsten Liebe um ihrer selbst Willen glauben. Zu glauben, dass nichts anderes die Herzen und nichts anderes die Welt ändern kann, als diese göttliche Liebe. Die Gewalt, von der wir umgeben sind, und die, wie es scheint, in diesen Tagen beinahe nur noch die einzige Sprache ist, wird hilflos im Anblick des Gesichtes der Liebe, die rettet.

Wir benötigten jemand, der vor uns steht und für uns einsteht, „denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.“ (1 Petr 2,21).

Diesen Weg heißt es entlang zu gehen, diesen lieblichen Pfad, um zu berichten, dass diese Straße die wahre Straße, der wahre Weg, ist. Diesem Weg sollen wir folgen bis zum Ende, wo es hinauf geht bis zum Kreuz, wo Liebe - Liebe, schwach und niedergeschlagen – sich selbst vollkommen hingibt, um Leben für die Ewigkeit neu zu schenken.

Sind wir auch aufgrund der Gewalt und der Streitmacht, die wir zur Zeit erfahren, sozial beraubt und niedergedrückt, so kann sie jedoch nicht das Leben, das in uns aufgrund dieser göttlichen Liebe geboren worden ist, wegnehmen. Denn dieses Leben in uns ist uns von Gottes Liebe für die Ewigkeit geschenkt worden. Das ist das Wesentliche, die Essenz des Christentums: Dieses Kind nimmt uns bei der Hand und führt uns diesen Weg, von ihm, dem Herrn, erwählt, wo nur diese Liebe, der wir unsere Herzen geweiht haben, existiert und durch welche wir wahrhaft Erlösung und unser Seelenheil finden können.

Wir wenden unsere Augen deshalb zur Grotte nach Bethlehem. Dort sehen wir, dass der Herr Jesus diesen Ort erwählt hat, um all das zu erhöhen, was fern ist von Streitmacht und Gewalt, und uns und allen Menschen zeigt, dass er, der Herr, es vorzog, sich in der Schwachheit eines Kindes zu offenbaren.

Gesegnete Weihnacht.

Fr. Pierbattista Pizzaballa OFM
Kustos des Heiligen Landes

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FUSSNOTE

1) Freie Arbeitsübersetzung von der englischen Version, link im Internet in der Homepage der Custodia Terrae Sanctae: http://www.custodia.org/default.asp?id=779&id_n=24061 in die deutsche Sprache verfasst von Gabriela Maria Mihlig osb obl.