Der Herr ist gerne unter den Menschen

Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis - Fronleichnamsonntag

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 337 klicks

Das Fronleichnamsfest ist in der katholischen Kirche eines der traditionsreichsten Feste des Kirchenjahres, ist aber gleichzeitig erheblich neuer als die anderen großen Feste. Erst im 13. Jahrhundert wurde es eingeführt. Die Vorgeschichte ist ausgesprochen rührend.

Eine Ordensfrau, Juliana von Lüttich, hatte im Jahre 1208 eine Vision, in der ihr ein Kranz von Sternen oder, in anderer Lesart, eine unvollständige Mondscheibe gezeigt wurde. Ein Bild für die Feste des Kirchenjahres. Sie sah, dass in diesem Kranz ein Stern bzw. ein Stück des Mondes fehlte, und es wurde ihr bedeutet, dass der Herr ein eigenes Fest zu Ehren der Hl. Eucharistie wünsche. Sie teilte ihr Erlebnis ihrem Beichtvater mit. Dieser wurde später Bischof, dann Kardinal, und bestieg als Urban IV. den päpstlichen Thron. Im Jahre 1264 fügte er dieses Fest in den Kalender der Kirche ein.

Abgesehen davon, dass dieses Geschehen wieder einmal den engen Zusammenhang zwischen Himmel und Kirche zeigt, ist der zugrunde liegende Gedankengang außerordentlich einleuchtend. Der Tag der Einsetzung des Allerheiligsten Altarssakraments, der Gründonnerstag, ist kein Tag festlicher Freude. Wenn wir in den Abendstunden dieses Tages uns daran erinnern, dass Jesus bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal die Eucharistie gefeiert hat mit dem Wunsch “Tut dies zu meinem Gedächtnis!”, dann ist diese Feier bereits ganz geprägt von dem bevorstehenden Leiden, das ja wenige Stunden nach dem Letzten Abendmahl beginnt.

Gott möchte aber – und ich denke, das kommt dem menschlichen Bedürfnis sehr entgegen – dass wir dieses Sakrament, das größte der sieben Sakramente, in festlicher Freude feiern. Wir freuen uns ja darüber, dass Gott mitten unter den Menschen ist, dass er durch Straßen und Felder “wandert” und alle und alles segnet. Jeder, der bei einer Fronleichnamsprozession mitgeht, nimmt diese Freude wahr. Einige hat sie sogar zum katholischen Glauben geführt.

Gleichzeitig sollten wir aber auch bedenken – und das gilt für alle sakramentalen Feiern – die Begegnung Gottes mit den Menschen hat nicht nur den menschlichen Aspekt. Dieser ist es, den wir fast ausschließlich im Auge haben. Selten bedenken wir, was das Ganze nicht nur für uns, sondern für den Herrn bedeutet. Uns dienen die Sakramente zum Heil, sie sind angewandte Erlösung. Aber Christus ist nicht nur der erhabene Gott, der über allem thront. Er hat, seitdem er Mensch geworden ist, ein menschliches, ein empfindsames Herz. Es ist ihm daher gar nicht gleichgültig, wie wir Menschen uns ihm gegenüber verhalten. Es ist ihm nicht egal, ob wir gut oder schlecht vorbereitet zur Kommunion gehen. Den reuigen Sünder nimmt er liebevoll an, aber was soll er von dem halten, der nur zur Kommunion geht, weil die Leute ihn sehen, oder weil alle gehen. Mehr noch als die Sünde macht es dem Herrn zu schaffen, wenn er keine Liebe erfährt. Wie viele Christen gehen gedankenlos zum Tisch des Herrn. Dabei ist die Kommunion doch eine Begegnung. Christus schenkt jedem einzelnen seine Liebe. Wir wissen doch alle, wie einem zumute ist, wenn man zu jemandem liebevoll ist, und der Betreffende behandelt einen ganz gleichgültig.

Ähnliches gilt von unzähligen Kirchen, wo der Herr im Tabernakel den ganzen Tag allein ist.

Das Eucharistie-Fest Fronleichnam feiert diese zwei Aspekte, die Hl. Messe mit der Hl. Kommunion, aber auch die Anbetung des Allerheiligsten außerhalb der Messe. Immer wieder stellen gläubige Menschen fest, dass es sich vor dem ausgesetzten Allerheiligsten besonders gut beten lässt.

Aber auch hier können wir uns fragen: was bedeutet das für den Herrn? Trifft es auch in unserer Pfarrkirche zu, was das Weisheitsbuch des Alten Testaments sagt: “Meine Wonne ist es unter den Menschenkindern zu sein” (Sprüche 8,31)?

Vielleicht wäre das in diesen Festtagen ein guter Vorsatz: dazu beitragen, dass der Herr sich unter uns wohl fühlt.

Dazu kann uns die Jungfrau Maria wertvolle Ratschläge geben.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).