Der Herr wird wiederkommen, wie er jetzt aufgefahren ist

Impuls zum Fest Christi Himmelfahrt

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 16. Mai 2012 (ZENIT.org). - „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel?” sagen zwei Männer in weißen Gewändern zu den Aposteln, nachdem der Herr zum Himmel aufgefahren ist. Die Frage der Engel enthält einen Ansporn, fast eine Kritik. So als wollten sie sagen: Ihr sucht Christus, der diese Welt verlassen hat, aber ihr sollt ihn nicht oben in der Luft suchen. Er ist aus der sichtbaren Welt in die unsichtbare Welt hinüber gegangen.

In der Tat, immer wenn wir das Credo beten, sprechen wir von diesen beiden Welten. Was ist nun diese unsichtbare Welt? Gibt es so etwas wie ein Paralleluniversum?  Oder ist sie nur eine eingebildete Welt? Ein Wolkenkuckucksheim?

Das Fest Christi Himmelfahrt kann uns daran erinnern, dass wir uns als Christen immer wieder klarmachen müssen: diese sichtbare Welt, in der wir jetzt leben, ist nicht alles. Darin wissen wir uns auch mit vielen Nicht-Christen einig. Alle Religionen sprechen vom Jenseits. Aber erst durch Jesus Christus ist uns die jenseitige Welt als etwas absolut Erstrebenswertes erklärt worden. In der frommen Sprache des Glaubens: Christus hat uns den Himmel aufgeschlossen. Das Schicksal des Menschen nach dem Tod war bis zur Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn ein eher düsteres. Es gab die Unterwelt, den Hades. Die elysischen Gefilde waren den Göttern vorbehalten. Selbst die frommen Hebräer kannten im Prinzip nur den Scheol, die Unterwelt. Die Gerechten des Alten Bundes befanden sich in einer Art Wartestand. Das höchte der Gefühle war der „Schoß Abrahams”, in dem im Gleichnis Jesu vom reichen Prasser der arme Lazarus ausruht von seinem elenden irdischen Leben. Aber der Himmel, die selige Anschauung Gottes und damit das höchste denkbare Glück, war verschlossen.

Heute denken wir an den Tag, an dem Christus diesen so anderen Seinsbereich für den Menschen zugänglich gemacht hat. Wir sagen gerne leichtfertig: „der verstorbene Vater, die verstorbene Mutter sind inzwischen sicher schon im Himmel”, so als wäre das eine Selbstverständlichkeit. Oder noch leichtsinniger, besser gesagt alberner: „Wir kommen alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind”. So zu reden (oder zu singen) würde bedeuten, das Erlösungswerk Christi ins Lächerliche und Banale herabzuziehen. Es hat ihn nämlich unsagbar viel gekostet. Und wir sollten es nicht „einfach so” entgegen nehmen.

Die ernsten Worte der beiden Engel zu den Männern von Galiläa können auch wir uns zu Herzen nehmen. Nach wie vor ist der Himmel nicht „oben”, in der Stratosphäre oder im schwarzen Weltraum. Er ist um uns herum, aber nicht im üblichen Sinne lokalisierbar. Es ist ein anderer Seinsbereich. Das Tor zu dieser anderen Welt ist der Tod. Unsere fünf Sinne können uns über jene Welt nichts aussagen, sie beschränken sich auf die Erkenntnis der diesseitigen Welt. Wenn wir aber das Jenseits von hier aus gar nicht sehen können, wie können wir dann etwas darüber aussagen? Eben das ist der Punkt: Gott selber, der Schöpfer dieser und aller sonst noch denkbaren Welten, hat uns in seiner väterlichen Liebe mitgeteilt, wie es dort ist. Und wie man es erreicht, dort nicht in eine Düsternis, sondern in ein helles Licht zu gelangen. Wir nennen diese Selbstmitteilung Gottes die Offenbarung. Der Mensch konnte nicht von selbst darauf kommen. Wohl kann der Mensch mit seinen irdischen Möglichkeiten erkennen, dass es Gott gibt (die Schöpfung setzt einen Schöpfer voraus), aber er kann nicht wissen, „wie” Gott ist. Das wissen wir – und das ist genauso zuverlässig wie naturwissenschaftliche Erkenntnisse es in ihrem Bereich sind – von den Propheten des Alten Bundes, und dann besonders vom menschgewordenen Gottessohn selbst, Jesus Christus, der uns nicht nur mitteilt, wie „es dort oben” ist, sondern der uns durch seinen Tod, seine Auferstehung und Himmelfahrt eine Eintrittskarte zu diesen Herrlichkeiten schenkt.

Noch einmal: um diese jenseitige Welt wahrzunehmen, haben wir keine Sinne. Sie erschließt sich uns nur im Glauben. Aber der verleiht uns mehr Sicherheit als alle Sinneswahrnehmung.

Die Männer in den weißen Gewändern kündigen an: „Der Herr wird wiederkommen, wie er jetzt aufgefahren ist”.

Warten wir nicht bis dahin, halten wir es lieber wie die Freunde Jesu: Die Jünger gingen voll Freude und Optimismus an ihre Arbeit. Auf den Ikonen der Ostkirche werden sie dargestellt, wie sie sich aufmachen, den Missionsbefehl Christi in alle Welt zu tragen. In ihrer Mitte geht Maria.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“.