Der Hirte hat mehr ein Auge für das, was die Herde braucht, als für seine eigenen Bedürfnisse

Psalm 23 spricht vom tiefen Gottvertrauen

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VATIKANSTADT, 6. Oktober 2011 (ZENIT.org). – Psalm 23 als einem der „schönsten Gebete des Psalters“ widmete Papst Benedikt die Katechese während der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Dieser Psalm sei von tiefem Vertrauen in Gottes Güte, Barmherzigkeit und Liebe geprägt. Der Psalmist drücke seine Gewissheit aus, sich auf Gott verlassen zu können.

Die Bilder des Psalms seien aus der Erfahrungswelt des Hirten genommen, der seine Herde kennt, sich um sie kümmert, sie verteidigt und mehr ein Auge für das hat, was seine Herde braucht, als für seine eigenen Bedürfnisse. Seine Anwesenheit mache selbst in der Wüste leben in Fülle möglich. In Jesus Christus erhalte das Bild vom Guten Hirten dann seine volle Bedeutung; er sei der Hirte, der seine Leben für die Schafe hingibt.

[Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung:]

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Liebe Brüder und Schwestern!

Beten ist immer ein Akt des Vertrauens. Wir wissen, dass wir uns Gott anvertrauen dürfen, dass er gut, barmherzig, langmütig und reich an Liebe ist. Das wird besonders schön sichtbar am Psalm 23, eines der schönsten Gebete des Psalters, das von tiefem Vertrauen beseelt ist. »Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen« (V. 1): Mit diesen Worten bringt der Psalmist gleich am Beginn seine Gewissheit zum Ausdruck, dass er sich auf Gott verlassen kann, dass Gott ihn auch in schwierigen Situationen führt und schützt. Die Bilder des Psalms sind aus der Erfahrungswelt des Hirten genommen, der seine Schafe kennt und sich um sie kümmert. Sie sind ihm kostbar. Er ist bereit, sie zu verteidigen. Er garantiert ihnen Wohlergehen und Frieden. Der Hirt wandert mit der Herde und lebt mit ihr. Er hat ein Auge für das, was sie braucht, und weiß auch im wüsten Land Wasser und Gras zu finden, damit sie leben können, und ihnen Sicherheit zu gewähren, wo Gefahr ist. Er hat mehr ein Auge für das, was die Herde braucht, als für seine eigenen Bedürfnisse. Seine Anwesenheit macht selbst im wüstenähnlichen Gebiet Leben möglich, schenkt Fülle und Reichtum. Die Nähe Gottes verwandelt die Wirklichkeit, und das dunkle Tal verliert das Gefahrvolle. Die Worte: »Du bist bei mir« (V. 4) drücken dieses innige, unerschütterliche Vertrauen aus. In Jesus Christus erhält das Bild vom Hirten seine volle Bedeutung: Er ist der Gute Hirt, der das verlorene Schaf sucht. Er kennt seine Herde und gibt das Leben für sie hin. Er ist der Weg, der zum Leben führt, das Licht, das das dunkle Tal erleuchtet und alle menschlichen Ängste besiegt. Er bietet uns verlässliche Sicherheit und bereitet uns den Tisch seines Leibes und Blutes und das endgültige messianische Hochzeitsmahl im Himmel.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Ganz herzlich grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Gäste, besonders die Kirchenchöre aus dem Eichsfeld, die mich an den schönen Besuch bei der Muttergottes in Etzelsbach erinnern, sowie die jungen Freunde aus der Schweiz, die an der Informationswoche „meiner“ Schweizergarde teilnehmen. Willkommen! Liebe Brüder und Schwestern, der Psalm 23 lädt uns ein, unser Vertrauen auf Gott zu erneuern und uns ganz in seine Hände zu geben. Bitten wir ihn also mit Zuversicht, dass er uns nahe sei, dass er uns an lebendige Wasser führe und dass wir aus der Quelle trinken dürfen, die ewiges Leben schenkt. Jesus Christus, der Gute Hirt, segne und behüte euch alle.