Der hl. Paulus wäre in Europa heute ein illegaler Einwanderer. Er würde nach Hause zurückgeschickt werden

Im Rahmen der nationalen Konferenz über die Migration Washingtons übt Kardinal Maradiaga scharfe Kritik an den Tragödien von Flüchtlingen, Vertriebenen und Opfern des Menschenhandels

Rom, (ZENIT.org) | 194 klicks

Die Weltkirche  widmet der Lage der Einwanderer große Aufmerksamkeit. Am vergangenen Montag begann in Washington eine von der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten (Uccbs) gemeinsam mit der lokalen Caritas und dem „Catholic Legal Immigration Network“ organisierte nationale Konferenz über die Formen der Migration.

Die Arbeiten der alle fünf Jahre stattfindenden Konferenz, die morgen zum Abschluss kommen wird, wurden mit einem Beitrag des Kardinals Oscar Rodriguez Maradiaga, dem Erzbischof von Tegucigalpa und Präsident der Caritas Internationalis, eröffnet. Darin bezeichnete er Migranten als eine Ressource für die menschliche Entwicklung.

Der Kardinal hob hervor, dass zwei Drittel der an dieser Weltmeisterschaft beteiligten Fußballspieler Immigranten seien und äußerte seine  „Bewunderung“ für den „Mut“ und die „Zielstrebigkeit“ zahlreicher Migranten, die Hunderttausende von Kilometern zurücklegten. Zugleich zeigte sich Maradiaga besorgt über die von ihnen auf der Flucht aus ihren Ländern erlebten traumatischen Erfahrungen. Dazu fand er die folgenden Worte: „Migranten fallen Missbrauch, Ausnutzung und Gewalt zum Opfer. Kinder gelangen in die Hände von Drogenhändlern, kriminellen Organisationen, dem Menschenhandel und korrupten Beamten.“

Maradiaga ergänzte: „Angesichts der Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf die Migrantenkrise frage ich mich, ob die Migranten oder deren Zielländer die Erschrockeneren sind. Angenommen, der hl. Paulus würde heute eine Einreise nach Europa versuchen, würde er in die Kategorie der illegalen Einwanderer fallen und nach Hause geschickt werden“.

Nach einer Danksagung an die internationalen und amerikanischen katholischen Agenturen für deren Leistungen richtete Erzbischof Tegucigalpa einen Appell an die Administration der Vereinigten Staaten mit der Bitte um Ratifizierung der Konvention für die Kinderrechte unter Hervorhebung der Wichtigkeit der Erziehung: „Die Gewährleistung der Rechte der Kinder von Migranten ist der letzte Schritt. Allerdings müssen wir uns auch für die Sicherstellung einer ganzheitlichen Entwicklung des Menschen bemühen, die aus Unterricht, Bildung und geistlichem Wachstum bestehen muss“.

Anschließend äußerte der Präsident der Caritas Internationalis den folgenden Gedanken: „Migration zählt zur Entwicklung des Menschen. Migranten bringen Kompetenzen und ihre Arbeitskraft mit. Sie sind eine Ressource.“ Dafür müssen sie valorisiert werden. Sie dürfen nicht als eine Ware eines Tauschgeschäfts mit den Opfern des Menschenhandels betrachtet werden, den Papst Franziskus mehrmals als ‚Verbrechen gegen die gesamte Menschheit‘ denunziert hat“.

Neben der Frage der Einwanderer erörterten die Teilnehmer an der nationalen Konferenz über Migration auch die Probleme in Zusammenhang mit der Lage der Flüchtlinge und vor allem der in den USA verhafteten unbegleiteten Minderjährigen aus Guatemala, El Salvador und Honduras, deren Zahl in den vergangenen acht Monaten 52.000 erreicht hat.