Der Jordan als biblische Kreuzung

Ingenieur Rustom Mkhjian über die Erhaltung des heiligen Ortes im Vorfeld des Papstbesuches

Amman, (ZENIT.org) Junno De Jesús Arocho Esteves | 377 klicks

„Ahlan Wa Sahlan! Willkommen bei der tiefsten archäologischen Entdeckung der Erde - 385 m unter dem Meeresspiegel, aber nahe am Himmel“. Diesen Gedanken äußerte der Ingenieur Rustom Mkhjian, Leiter der jordanischen Kommission, die den Ort der Taufe Jesu beaufsichtigt.

Lokale Arbeiter sind emsig mit den letzten Vorbereitungen auf den Besuch von Papst Franziskus beschäftigt, dessen erste Etappe das Haschemitische Königreich Jordanien darstellen wird. Mkhjian, der seit dem Besuch von Johannes Paul II. am Fluss Jordan im Jahre 2000 bei jeder Papstvisite anwesend war, spricht mit großer Begeisterung von der Wichtigkeit der Erhaltung der Stätte als Wallfahrtsort für alle Menschen.

Von besonderer Bedeutung ist dieser Ort für alle drei monotheistischen Religionen. Es handelt sich nicht nur um den Ort, an dem Jesus Christus vom hl. Johannes, dem Täufer, die Taufe empfing, sondern er befindet sich auch in unmittelbarer Nähe zu jenem Ort, an dem der Prophet Elijah laut der Heiligen Schrift in den Himmel auffuhr. Das Gebiet ist umgeben von den Ruinen von fünf unterschiedlichen Kirchen, die zur Kennzeichnung der hl. Stätte übereinander gebaut wurden. Da das Gebiet im Laufe der Jahrhunderte von Erdbeben erschüttert wurde, sind lediglich die Rahmungen der ursprünglichen Basilika und mehrere Ausgrabungsorte erhalten, in denen Marmor und  Steine von den früher erbauten Kirchen freigelegt wurden.

„Das ist die große Frage! Warum wollten es die Christen mit den Kräften der Natur aufnehmen und ihre Kirchen ausgerechnet hier errichten? Hier nahm laut der Bibel, der uralten Tradition und der archäologischen Funde die Verbreitung des Christentums in alle Welt ihren Ausgang“.

Die Überreste der Stätte sind laut Mkhjian zwar zerbrechlich. Er hegt jedoch die Hoffnung, dass Christen am selben Ort wie Jesus getauft werden könnten, wenn Sicherheitsbedenken nicht mehr bestünden und die archäologischen Stätten nur noch geschützt und erhalten würden.

Bezüglich des Papstbesuchs am Samstag betonte Mkhjian, dass dieser ein besonderes Ereignis sei, Jordanier jedoch allen Besuchen von  Kirchenoberhäuptern große Bedeutung beimessen. „Seine Majestät [König Hussein] hinterließ diesbezüglich eine wichtige Botschaft: „Das Erbe gehört der Menschheit“. Diese Stätte gehört euch, jedem Menschen der Erde. Wir Jordanier müssen sie jedoch gut erhalten und hoffen, dass wir Brücken des Friedens und der Liebe für die Menschheit bauen können“.

Als Benedikt XVI. Jordanien im Jahre 2008 besuchte, hatte Mkhjian die Gelegenheit, den heute emeritierten Papst zu der heiligen Stätte zu chauffieren. Dabei habe er dem Heiligen Vater von der Verpflichtung erzählt, diese Stätte zu erhalten, „wie Jesus und Johannes sie erlebt haben“.

„Wir möchten, dass die Menschen dieses heilige Ereignis erfahren. Wir sprechen nicht über Tourismus!“, rief er aus. „Viele heilige Stätten haben ihre Bedeutung verloren. Wir möchten keinen Touristenort, sondern einen Wallfahrtsort. Seine Heiligkeit Papst Franziskus besucht diesen Ort, an dem Jesus getauft wurde und das Christentum begann, nun als Pilger“.

Der Heilige Vater wird nahe dem Jordan voraussichtlich auch mit einer Gruppe von Flüchtlingen zusammentreffen. Dies ist ein weiterer Aspekt, der die Menschlichkeit des Papstes gegenüber den Leidendsten zur Geltung bringt. Der von miteinander im Konflikt stehenden Gebieten wie Syrien und Palästina umgebene Jordan empfing Tausende von Flüchtlingen, die der Gewalt im eigenen Land zu entkommen suchten.

Mkhjian glaubt, dass der Besuch eine wichtige Botschaft zur Schaffung des Friedens im Mittleren Osten darstellen wird. Dazu bemerkte er: „Wir, Christen und Muslime, leben hier seit der Ankunft des Islams einträchtig zusammen“. Obwohl Muslime einen Anteil von 95% an der Bevölkerung stellen, leben Jordanier hier seit Jahrhunderten im Frieden mit Christen. Aus diesem Umstand soll Hoffnung auf eine friedliche Lösung der weltweiten Konflikte erwachsen.

„Der Zugang zu dieser Stätte wäre der Menschheit niemals geöffnet worden. Sie wäre als Militärgebiet abgesperrt geblieben, wenn wir den Friedensvertrag mit Israel nicht unterzeichnet hätten. Aufgrund dieses Friedensvertrags haben die Ausgrabungen und die Erhaltung der Stätte zu bahnbrechenden Entdeckungen unterirdischer Kirchen und Einsiedlerzellen rund um das Gebiet geführt. Ich halte das Gebiet vom Hügel des Elijah bis zu dem Ort, an dem Jesus getauft wurde, für das größte Freiluftkloster der Erde“, so Mkhjian lächelnd. Und er ergänzt: „Also Ahlan Wa Sahlan, ich heiße euch erneut hier willkommen“.