Der Josef-Pieper-Preis geht an den Philosophen Rémi Brague

Arbeitsstelle in Paderborn untersucht Denken von Pieper und Benedikt XVI.

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MÜNSTER, 20. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Der Josef-Pieper-Preis „für hervorragende philosophische Schriften über das europäisch-christliche Menschenbild“ wurde dem französische Philosoph Rémi Brague (61), Professor für arabische Philosophie an der Universität Sorbonne in Paris, verliehen. Dies wurde am vergangenen Freitag in Münster von der Josef-Pieper-Stiftung bekannt gegeben. Brague ist Inhaber des religionswissenschaftlichen Guardini-Lehrstuhls an der Universität München.

Der Preis wird alle fünf Jahre verliehen und ist mit 15.000 EURO dotiert. Erster Preisträger war 2004 der kanadische Philosoph Charles Taylor. Die Verleihung erfolgt im Rahmen eines Symposions, das unter dem Thema „Europa auf der Suche nach sich selbst“ vom 15. bis zum 17. Mai 2009 im Rathaus der Stadt Münster stattfinden wird.

Erst kürzlich wurde eine Josef Pieper Arbeitstelle an der Theologischen Fakuktät Paderborn eröffnet, erklärte Professor Berthold Wald,Mitglied des Beirats der Josef-Pieper-Stiftung, gegenüber ZENIT. „Sie ist gegründet worden, um Leben und Werk des katholischen Philosophen Josef Pieper (1904-1997), vor allem aber die Aktualität seines Denkens, bekannt zu machen.“

„Mancher wird vielleicht schon von Pieper gehört haben. Er beginnt 1934 zu schreiben, zunächst als ‚freier Schriftsteller’ und Leiter eines Katholischen Bildungswerks. Nach dem Krieg lehrt er bis zu seinem Tod als Professor an der Universität Münster und immer wieder auch Universitäten im Ausland, vor allem in Kanada und den USA“, so Wald, der den Lehrstuhl für Systematische Philosophie an der Theologischen Fakultät der Universität Paderborn innehat.

„Zu seinen ersten Schriften gehört ein damals kaum verstandener Artikel über die Missionssituation in Deutschland. Er machte sich schon früh keine Illusionen darüber, dass zwischen der Präsenz der christlichen Kirchen im öffentlichen Leben und der inneren Aneignung des Glaubens seit längerem eine wachsende Kluft besteht, die zum Ende der Volkskirche führen wird“, fuhr der Gelehrte fort.

„Diese Spannung hat vielfältige Gründe, die in Entwicklungen des neuzeitlichen Denkens angelegt sind. Eine in sich geschlossene Welt, die nur Gegenstand politischer Hoffnungen und Veränderungen sein kann, aber nicht mehr als Ort göttlicher Präsenz verstanden wird, fördert eine Denkweise im kirchlichem Leben, der das Geheimnis der sakramentalen Wirklichkeit der Kirche, allen voran der Eucharistie, zunehmend fremd geworden ist.

Die Gründe für die ‚Schwierigkeit, heute zu glauben’, so ein Buchtitel Piepers aus dem Jahr 1974, sieht Pieper nicht zuletzt in den ‚Verwüstungen der Theologie’, die wiederum in engem Zusammenhang mit dahinter stehenden philosophischen Positionen zu sehen sind.

Unter denen, die heute Klarheit, Konsequenz und Aktualität von Piepers Denken besonders schätzen, ist auch der gegenwärtige Papst“, bekräftigt Professor Berthold Wald. „Er hat offen bekannt, dass er Pieper für beide Themen seiner Enzykliken ‚sehr viel verdankt’. Aber schon in seinen frühen Schriften finden sich immer auch Hinweise auf Pieper.“

Die Arbeitsstelle an der Theologischen Fakultät Paderborn, einer kirchlichen Hochschule des Bistums Paderborn, ist nach Worten des Professors „sowohl dem Denken Benedikts wie dem Denken Piepers verpflichtet. Sie soll künftig auch die Möglichkeiten eröffnen, Theologie und Philosophie mit diesem besonderen Schwerpunkt zu studieren und mit einer Promotion abzuschließen.“