Der Joseph-Ratzinger-Schülerkreis: P. Vincent Twomey SVD

„Joseph Ratzinger ist ein Dissident in der Kirche der Moderne“

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MÜNCHEN, 18. November 2008 (ZENIT.org).- „Ich bin ein kleiner exotischer Stein im bunten Mosaik des Joseph-Ratzinger-Schülerkreises“, erklärte der irische Steyler-Missionar Vincent Twomey letzte Woche in München.

P. Thomey SVD studierte von 1970 bis 1971 Katholische Theologie in Deutschland an der Universität Münster und von 1971-1979 in Regensburg. Seit 1971 gehört er zum Schülerkreis des damals an der Universität Regensburg lehrenden Professors Joseph Ratzinger, des heutigen Papst Benedikt XVI.

Dieser Schülerkreis ist jetzt mit ihrer Joseph-Ratzinger/Papst-Benedikt-XVI.-Stiftung an die Öffentlichkeit getreten. (Zenit berichtete). ZENIT wird seinen Lesern die Mitglieder dieses Kreises in einer eigenen Serie „Der Joseph-Ratzinger-Schülerkreis“ vorstellen.

Vincent Twomey gehört zu jenen, die bei dem in der Zwischenzeit zum Erzbischof von München-Freising ernannten Joseph Ratzinger noch im Jahr 1978 in Regensburg promovieren konnten.

Pater Vincent Twomey war ab 1979 selbst als Professor für Dogmatik am Regionalseminar in Bomana (Papua-Neuguinea) und ab 1981 als Professor für Dogmatik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St.Gabriel in Mödling bei Wien tätig.

Nach einem Semester als Gastprofessor an der Universität von Fribourg in der Schweiz übernahm er 1984 in seiner Heimat Irland einen Lehrauftrag als Moraltheologe in Maynooth, wo er auch heute noch lebt.

Wie sehr Twomey zum engsten Schülerkreis des heutigen Papstes zählt, zeigt die Tatsache, dass er einer von fünf Redakteuren war, die das 1997 im Herder-Verlag erschienene Buch des damaligen Kardinals Ratzinger "Vom Widerauffinden der Mitte" zusammenstellten und kommentierten. Pater Twomey schrieb hierin auch die Einführung zum Kapitel „Zur Theologie des Politischen“.

Bis zu seiner Emeritierung lehrte der Steyler Missionar Moraltheologie an der Päpstlichen Hochschule Saint Patrick´s College in Maynooth in seiner Heimat Irland.

Im Jahr 2006 veröffentlichte der Ratzinger-Schüler, der im Jahr 1979 in Regensburg promovierte, das Buch „Benedikt XVI. - Das Gewissen unserer Zeit“. Darin betont er, die Wahrheit sei „die wirkliche Leidenschaft in Ratzingers Leben". In einem Interview mit ZENIT unterstrich er: „Die herausragenden äußeren Charakteristika seiner Schriften sind Originalität, Klarheit und ein hervorragender Stil, der nicht leicht in einer Übersetzung wiedergegeben werden kann. Ratzinger ist mehr als ein Gelehrter von Weltrang und ein Akademiker: Er ist ein schöpferischer Geist. Er hat etwas von einem Midas in positivem Sinn: Was immer er anrührt, verwandelt er zu Gold, mit anderen Worten, welches Thema er auch immer behandelt - seien es die Dogmen der Kirche oder ein Mosaik in einem alten römischen Kirchenbau oder das Thema Bioethik - immer hat er etwas Neues und Packendes dazu zu sagen. Er schreibt dabei mit unglaublicher Klarheit“.

In dem Buch, das "meinem Doktorvater gewidmet" ist, gibt der Schüler auch Privates über seinen damaligen Professor preis: „Die gemeinsamen Mahlzeiten und das abendliche Beisammensein bei Wein und Bier waren von Humor geprägt. Man hätte sagen können: Ubi Ratzinger, ibi hilaritas [wo Ratzinger ist, da ist Frohsinn], und an Anekdoten herrschte kein Mangel."

Für Twomey ist sein ehemaliger Lehrer „ein aufregender Theologe, ein origineller Denker, der seiner Entdeckung noch harrt".

P. Twomey SVD sieht in der Frage nach dem Gewissen einen „Schlüsselbegriff zum Verständnis sowohl der Persönlichkeit als auch der Theologie" Joseph Ratzingers.

„Im Bereich der Moraltheologie hat er Großes geleistet, indem er ein Verständnis dessen, was Gewissen ausmacht, ausgearbeitet und vertieft hat, das in den letzten zwei Jahrhunderten in Vergessenheit geraten war“, so P. Twomey SVD über Papst Benedikt XVI. letzte Woche in München.

Für seinen Schüler ist die Tatsache bezeichnend, das Joseph Ratzinger im Jahr 1992 an der Französischen Akademie der Wissenschaften (Académie des Sciences Morales et Politiques) im Rang eines „Membre Associé Etranger“ installiert wurde. „Er nahm damals den vakant gewordenen Platz des russischen Dissidenten Andreji Sacharaov ein und wurde selber zu einem hervorragenden Dissidenten, der den Mut hat, die herrschende Meinung einer Kritik zu unterwerfen. Dabei würde er nie den Kern der Wahrheit darin leugnen“.

„Joseph Ratzinger suchte stets nach einem neuen Zugang zur Wahrheit und er trachtete danach, von der Wahrheit zu überzeugen“. Sein Lehrer könne kämpferisch, sogar polemisch werden, aber seine Geheimwaffe bleibe die Demut, so P. Twomey SVD, der sich jetzt um den internationalen Pressedienst der neuen Stiftung kümmert.

Nie habe sich Josef Ratzinger von Gruppen oder Parteien vereinnahmen lassen. „Der Parteimensch wird zum Notwendigkeitslügner“, das hatte Ratzinger nie nötig. Angespornt vom Gewissen, sei seine Rhetorik, inspiriert von den Strömungen der Zeit, zu einer neuen Synthese geworden. Diese sei aus der Befragung von Schrift und Tradition entstanden: „Deshalb ist seine Theologie so erfrischend originell“.