Der Kindermord in Bethlehem

Gedenktag am 28. Dezember Unschuldige Kinder

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 1023 klicks

„Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er ließ in Bethlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Ein Geschrei war in Rama zu hören, / lautes Weinen und Klagen: / Rahel weinte um ihre Kinder / und wollte sich nicht trösten lassen, / denn sie waren dahin (Mt 2,16-18).“

Die Altartafel „Der Kindermord in Bethlehem – Strage degli Innocenti“ von Guido Reni aus dem Jahr 1611 erzählt auf eindringliche Weise die grausame Tat. Ursprünglich befand sich das 268 x 170 cm große Gemälde in der Cappella Ghisilieri in San Domenico in Bologna; heute wird es in der Pinacoteca Nazionale di Bologna aufbewahrt.

Im Bildvordergrund sieht man eine junge Mutter, die zu Boden gesunken ist, den Blick gen Himmel richtet und vor dem Leichnam ihres toten Kindes betet. Sie ist dem Kampf, der sich um sie herum abspielt, entrückt. Die anderen Mütter versuchen noch mit aller Kraft, die beiden Soldaten abzuwehren, um das Leben ihrer Kinder zu schützen. Der Soldat links im Bild hat den Dolch bereits gezückt, die Klinge ragt bedrohlich über dem Kopf des Jungen, dessen Mutter den Soldaten mit aller ihr zur Verfügung stehenden Kraft zurückzustoßen versucht. Die Mutter rechts im Bild hat ihr Kind fest in ihr Tuch gewickelt und will diesen Moment nutzen, um dem Massaker zu entfliehen. Ihr Gesicht ist von Entsetzen und Angst gezeichnet, ihr Mund zum Schrei geöffnet, ihr Haar hat sich in der Bewegung gelöst. Hinter ihr erblickt man einen weiteren Soldaten, der seinen Dolch fest in der rechten Hand zum Stoß erhoben hat. Mit der Linken hingegen greift er einer entfliehenden Mutter mit einem Säugling im Arm in das wehende Haar. Sie schreit vor Schmerz auf. In der Geste des Soldaten werden dem Betrachter die unsägliche Gewalt und Grausamkeit der Tat und die Unbarmherzigkeit deutlich vor Augen geführt.

Oberhalb der Szene ist eine Gruppe Engel angeordnet, die Märtyrerpalmen in ihren Händen halten.

Die Verehrung der Kinder als Märtyrer findet Erwähnung bei Irenäus von Lyon oder auch Augustinus. Im Mittelalter bildete sich das Brauchtum von Mysterienspielen und Kinderfesten heraus. Trotz auf den Konzilen von Konstantinopel, Basel oder Trient ausgesprochener Verbote wurden die Festivitäten bis ins 18. Jahrhundert begangen. In unserer heutigen Gesellschaft wird am Gedenktag der „Unschuldigen Kinder“ auch dem Schutz des ungeborenen Lebens gedacht.