Der Kinofilm „Der goldene Kompass“ erzählt vom Kampf gegen finstere Mächte

Von José García

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WÜRZBURG, 18. Dezember 2007 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Der technische Fortschritt in der computer-erstellten Animation ermöglichte die filmische Umsetzung der bis dahin als „unverfilmbar“ geltenden Literaturgattung „Fantasy“, die von mit allerlei „fantastischen“ Kreaturen bevölkerten Parallelwelten handelt. Als Standard für die Leinwand-Adaption eines solchen „Fantasy“-Epos gilt Peter Jacksons filmische Version von Tolkiens „Der Herr der Ringe“-Trilogie. So nahm sich etwa die Inszenierung von C. S. Lewis „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ die Verfilmung des Tolkien-Epos allzu offensichtlich zum Vorbild.



Nun legt die Filmproduktionsfirma „New Line Cinema“, die „Der Herr der Ringe“-Trilogie ins Kino gebracht hatte, einen Film vor, dessen Buchvorlage als Gegenentwurf sowohl zu Tolkiens „Der Herr der Ringe“ als auch zu C. S. Lewis „Die Chroniken von Narnia“ angesehen wird.

Der 1946 geborene britische Schriftsteller Philip Pullman veröffentlichte ab 1995 eine Trilogie mit dem Titel „His Dark Materials“, die laut David Kleingers im „Spiegel Online“ vom 5. Dezember „gemeinhin als latent humanistischer Gegenentwurf zu C. S. Lewis christlich geprägter Erlösungs- und Erweckungsmission im Lande Narnia“ gilt. „Der goldene Kompass“ („The Golden Compass“) heißt das erste Buch der Trilogie, das nun von Chris Weitz für die große Leinwand adaptiert wurde.

„Der goldene Kompass“ ist in einer der unseren ähnlichen, aber doch von ihr grundverschiedenen Parallelwelt angesiedelt. Die 12-jährige Lyra Belacqua (Dakota Blue Richards) wächst als vermeintliches Waisenkind in einem Oxforder College auf. In Lyras Parallelwelt werden die Menschen von einem „Dæmon“ begleitet, der ihre Seele in Tiergestalt darstellt. Während der Dæmon im Kindes- und Heranwachsendenalter noch eine wandelbare Gestalt annimmt, ist diese bei den Erwachsenen auf eine bestimmte Form festgelegt.

Lyras Onkel Lord Asriel (Daniel Craig) hat Beweise gefunden, dass es zu dieser Welt noch weitere Parallelwelten geben muss. Für die Verbindung zwischen ihnen macht er ein rätselhaftes, „Staub“ genanntes kosmisches Phänomen verantwortlich, dessen Ursprung Lord Asriel in den Sphären des Nordlichts vermutet. Damit zieht er allerdings den Groll der Behörde namens „Magisterium“ auf sich, die in Lyras Welt die Menschen immer mehr kontrollieren will. Zur gleichen Zeit verschwinden immer mehr Kinder. Gerüchte sagen, die „Gobbler“ würden sie in den hohen Norden verschleppen, um mit ihnen schreckliche Experimente durchzuführen. Nachdem Lord Asriel zur Expedition aufgebrochen ist, taucht die seltsame Mrs. Coulter (Nicole Kidman) auf, und nimmt Lyra zu sich. Hinter ihrer freundlichen Fassade verbirgt sich allerdings eine knallharte Geschäftsfrau, die nur hinter dem „Alethiometer“, einem goldenen Kompass, her ist. Lyra hatte dieses Alethiometer vom College-Rektor erhalten, der dem Mädchen erklärte, das magische Gerät zeige beim rechten Gebrauch immer die Wahrheit an.

Epische Geschichte vom Kampf zwischen Gut und Böse

Der antikirchliche Unterton manifestiert sich am deutlichsten in dem der Inquisition nachempfundenen „Magisterium“, dessen autoritäre, unsympathische Mitglieder sich gegen wissenschaftlichen Fortschritt stemmen und bei jeder Gelegenheit das Wort „Häresie“ im Munde führen. Schon die Wortwahl „Magisterium“ („Lehramt“) lässt die Assoziation aufkommen, Lord Asriel sei eine Art Galileo Galilei, der sich gegen die alten Männer der um ihre Macht besorgten Institution behaupten muss.

Deshalb hat etwa die „Katholische Liga“ in den Vereinigten Staaten zum Boykott gegen den Film aufgerufen. Die Leinwandadaption von Pullmans Geschichte hat allerdings ihren antichristlichen Unterton weitgehend eingebüßt. Auf dem Weg zur Filmversion hat die Buchvorlage darüber hinaus ihre Originalität verloren. Diese beschränkt sich weitgehend auf die bereits angesprochenen „Dæmons“ in Tiergestalt sowie auf die „retro-futuristische“ Zeichnung einiger Fortbewegungsmittel.

Darüber hinaus lehnt sich Regisseur Chris Weitz hauptsächlich an die „Star Wars“-Filme an: Ob es sich um das Produktionsdesign des Hafens im Hohen Norden, wo Lyra den texanischen Luftschiffer Lee Scoresby (Sam Elliott) und den Panzerbären Iorek Byrnison kennenlernt, oder die Szene im „Magisterium“, wo Fra Pavel (Simon McBurney) vor dem Magisterial Emmisary (Derek Jacobi) kniet, beides gemahnt sehr stark an die entsprechenden Stellen in der „Krieg der Sterne“-Saga.

Philip Pullman wirft Tolkien Trivialität vor: „Da gibt es nur die Guten und die Bösen. Die einen wollen die Welt retten, die anderen die Herrschaft übernehmen“ (Spiegel-Interview vom 26. November). Die Verfilmung von „Der goldene Kompass“ ist indes genau dies geworden: eine ganz traditionelle epische Geschichte vom Kampf zwischen Gut und Böse.

[© Die Tagespost vom 15. Dezember 2007]