„Der kleine König Macius“: Animationsfilm für Kinder mit pädagogisch wertvoller Botschaft

Von José García

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WÜRZBURG, 20. September 2007 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Der unter dem Pseudonym Janusz Korczak schreibende polnische Arzt Henryk Goldszmit (1878–1942) wurde vor allem als Pädagoge bekannt. Im Jahre 1911 übernahm er in seiner Geburtstadt Warschau die Leitung des nach seinen Plänen gebauten jüdischen Waisenhauses „Dom Sierot“ (Haus der Waisen). Nach der Errichtung des Warschauer Ghettos musste auch Korczak mit „seinen“ 200 Waisenkindern dorthin ziehen. Am 6. August 1942 wurde Janusz Korczak zusammen mit den Kindern nach Treblinka in den Tod geschickt. Eine filmische Hommage an den polnisch-jüdischen Kinderarzt drehte im Jahre 1990 unter dem Titel „Korczak“ der bekannte polnische Filmregisseur Andrzej Wajda.



Neben pädagogischen Schriften („Wie man ein Kind lieben soll“, „Das Recht des Kindes auf Achtung“) hinterließ Korczak, dem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seinen Friedenspreis im Jahre 1972 posthum verlieh, auch Kinderbücher. Unter diesen ragt „König Hänschen I.“ („Król Maciu Pierwszy“) heraus, das Elke Heidenreich eines der „schönsten Kinderbücher, die je geschrieben wurden“ nannte. Darin beschreibt Korczak, wie Kinder als Sachkenner in Angelegenheiten von Kindern ihre Welt ordnen und wie Erwachsene ihnen dabei helfen können.

Basierend auf Motiven des erstmals 1923 erschienenen Kinderbuches von Janusz Korczak entstand im Jahre 2002 eine Fernsehserie mit dem Titel „Macius“. Die Erstaustrahlung der 26 zehnminütigen Folgen fand am 18.11.2002 im Kinderkanal (KI.KA) statt. Sie werden derzeit im KI.KA, der ARD und in einigen dritten Programmen wiederholt.

Dasselbe Produktionsteam und dieselben Regisseure der Serie, Lutz Stützner und Sandor Jesse, zeichnen auch für die 83-minütige Kinoversion „Der kleine König Macius“ verantwortlich. Der Film ist nicht bloß eine auf Spielfilmlänge ausgedehnte Episode der Fernsehserie. Vielmehr besitzt er eine eigene Dramaturgie, wenn auch die Handlung einen zur Zielgruppe der eher kleineren Kinder passenden episodenhaften Charakter besitzt.

„Der kleine König Macius“ erzählt davon, wie der 8-Jährige nach dem Tod seines Vaters auf den Thron kommt. Ihm zur Seite steht sein kluger Lehrer Erasmus. Weil auch der böse, kriegslustige General, der die Macht an sich reißen will, von der Bedeutung des Erasmus für Macius weiß, lässt er ihn kurzerhand entführen. Als Macius die Verfolgung aufnimmt, lernt er die Kinder Felix, Anton und Hanna kennen, die ihm helfen, den geliebten Lehrer zu befreien. Nach seiner Krönung beschließt Macius die Einrichtung eines Kinderparlaments, damit die Kinder selbst entscheiden, was gut und was schlecht für sie ist. Mit dem General verbündet sich Prinz Hartmut aus Nachbarland, weil auch die Kinder in seinem Land plötzlich ein Kinderparlament haben wollen.

Weitere Episoden handeln von der Gründung eines Zoos, die vom Kinderparlament beschlossen wird, von der die Reise in die Wildnis, um die Tiere für den Zoo zu beschaffen, sowie vom Überfall der Piraten, die vom General auf Macius und seine Freunde angesetzt wurden. Im Laufe dieser verschiedenen Episoden lernt Macius, was es bedeutet, ein verantwortungsbewusster Mensch und ein guter König zu sein.

Der Dialog zwischen den Generationen stand im Mittelpunkt von Janusz Korczaks Kinderbuch „König Hänschen I.“ Das Recht des Kindes auf Achtung, auf freie Entfaltung und auch auf freie Meinungsäußerung findet seine filmische Entsprechung etwa in der Einrichtung des Kinderparlamentes. Dass dies jedoch nicht bedeutet, dass alles erlaubt sein soll, wird im Film „Der kleine König Macius“ kleinkindgerecht dadurch deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ohne die Lebenserfahrung der Erwachsenen das Land ins Chaos stürzt.

Obwohl die Animation mit 3-D-Elementen angereichert wurde, womit die Hintergründe tiefer gestaltet und größere Licht- und Schatten-Effekte sowie Spezialeffekte erzielt werden konnten, bleibt die Zeichnung kindgerecht: Der angenehm reduzierte Zeichenstil drückt sich in satten Farben und den gefälligen Bildern der Guten mit großem Kopf und kleinem Körper aus, während etwa der General oder auch Hartmut, Prinz von Nachbarland, ganz große Zähne aufweisen.

Die Filmmusik wurde ebenfalls neu komponiert, passt sich aber der kindgerechten Musik der Serie an.

[© Die Tagespost vom 20. September 2007]