Der Klimawandel ruft nach einem bescheidenen Lebensstil

COMECE-Expertenbericht in Brüssel vorgestellt

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BRÜSSEL, 30. Oktober 2008 (ZENIT.org).- In dem gestern in Brüssel vorgestellten Bericht „Eine christliche Sicht des Klimawandels“ (englische Fassung), der von der COMECE in Auftrag gegeben wurde und der bald auch auf Deutsch erhältlich sein soll, wird die enorme Herausforderung betont, die der Klimawandel für die Menschheit darstellt.



Die europäischen Entscheidungsträger werden in dem Dokument dazu aufgefordert, die Klimaschutzpolitik in ethischen Überlegungen zu verankern, die auf intergenerationeller Gerechtigkeit und auf Solidarität mit den Ländern des Südens gründen. Kirche und Christen werden ermutigt, mit gutem Beispiel voranzugehen, indem sie einen von der Tugend des Maßhaltens geprägten Lebensstil annehmen.

Der neue Bericht über den Klimawandel wurde von einer Expertengruppe verfasst. Die Arbeiten, die im Januar aufgenommen worden waren, koordinierte der frühere EU-Kommissar Franz Fischler.

„Es ist hoch an der Zeit anzuerkennen, dass der Kampf gegen den Klimawandel vor allem ein ethisches Problem ist. Dieses wird kaum zu lösen sein, sofern wir nicht bestimmte Aspekte unserer Gesellschaft und unseres Zusammenlebens sowie unser Wertesystem ethisch hinterfragen“, heißt es in einer gestern veröffentlichen Presseerklärung der COMECE.

„Um die Bürger von der Notwendigkeit zu überzeugen, ihre Denkweisen und Gewohnheiten tiefgreifend zu ändern, sollten die politischen Entscheidungsträger sich auf eine grundlegende ethische Reflexion und Debatte einlassen. Dem Expertenbericht zufolge könnte sich diese Reflexion auf die christliche Theologie stützen, die zu diesem Thema interessante Ideen entwickelt hat. Vor allem die Werte und Prinzipien der katholischen Soziallehre – globale Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Subsidiarität, Solidarität, Verantwortlichkeit für das Gemeinwohl – sollten zur Evaluierung klimaschutzpolitischer Maßnahmen mit heran gezogen werden.“

Die Autoren des Berichts unterstrichen die Tatsache, dass der Klimawandel vor allem eine Frage der intra-generationellen und inter-generationellen Gerechtigkeit sei. Sie appellierten an die Europäische Union, Leadership zu beweisen und ihre Stimme für die Entwicklungsländer und für zukünftige Generationen zu erheben, die die höchsten Lasten des Klimawandels tragen müssten beziehungsweise noch tragen würden. Des Weiteren betonten die Autoren, dass die EU im Hinblick auf ihre technischen und finanziellen Möglichkeiten sowie angesichts ihrer Erfahrung mit kooperativem Handeln eine besondere Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen könne. Die EU sollte mit gutem Beispiel vorangehen und alle betroffenen Akteure von der Notwendigkeit des Klimaschutzes überzeugen.

Der Expertenbericht ruft in Erinnerung, dass der Klimawandel nur ein Symptom eines verantwortungslosen Lebens-, Produktions- und Konsumstils ist, der sich in den industrialisierten Ländern entwickelt hat. Er will die Bürger dazu veranlassen, ihren Lebensstil zu hinterfragen, der zu sehr von materiellen Gütern abhängig ist, und ihn mehr als bisher auf kulturelle Güter und zwischenmenschliche Beziehungen zu gründen. Im Zentrum dieses Lebensstils sollte die Tugend des freiwilligen „Maßhaltens“ stehen, die nicht als Einschränkung verstanden werden sollte, sondern als ein Mittel, die Lebensqualität zu steigern und als ein Grund zur Freude. Die katholische Kirche und die Christen verfügten über das geeignete Instrumentarium, um mit konkreten Vorschlägen eine Änderung der Lebensweise herbei zu führen.

Die offizielle Übergabe des Berichts zum Thema EU-Klimaschutzpolitik und christlicher Lebensstil  an die Bischöfe der COMECE wird während ihrer Vollversammlung (12.-14. November) stattfinden.