Der Kongo steuert auf eine humanitäre Katastrophe zu

Caritas international will 90.000 Menschen in Goma und Butembo Hilfe zukommen lassen

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GOMA/ROM, 5. November 2008 (ZENIT.org).- In den Flüchtlingslagern in und um Goma sterben täglich mehr Menschen. Das berichtet der Caritas-Mitarbeiter Alexander Bühler aus der ostkongolesischen Provinzhauptstadt.

„Goma steuert ohne schnelle Hilfe von außen unausweichlich auf eine humanitäre Katastrophe zu. Um die entkräfteten Menschen versorgen zu können, müssen schnell Hilfsgüter in die Stadt und die umliegenden Lager. Und wir müssen schnell etwas gegen Krankheiten wie Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen und Meningitis unternehmen, die hier grassieren."

Allein in einem Lager in der Nähe von Kibati seien in den vergangenen drei Tagen 17 Menschen gestorben, hieß es in Meldungen, die Zenit vorliegen.

Erst letzte Woche hatte Caritas bestätigt, dass die rund 40 Mitarbeiter der Caritas Goma vorerst in der umkämpften Provinzhauptstadt der Region Nord-Kivu bleiben würden. Die Hilfe für die Flüchtlinge, die seit Dienstag letzter Woche aufgrund des Bürgerkrieges ausgesetzt werden musste, soll so bald wie möglich wieder aufgenommen werden.

Gegenwärtig sind die Flüchtlingscamps von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Aufgrund der anhaltenden Kämpfe ist es nicht möglich, zu den Vertriebenen vorzudringen, um Hilfsgüter wie Lebensmittel und Trinkwasser zu verteilen.

Caritas international befürchtet eine humanitäre Katastrophe, wenn nicht schnell Hilfe zu den ausgehungerten und erschöpften Menschen gebracht werden kann. Die Hilfsorganisation appelliert an die Konfliktparteien, schnell einen Zugang zu den Flüchtlingen zu ermöglichen und die im Januar unterzeichneten Friedensverträge einzuhalten.

Am 16. Oktober hatte die Bischofskonferenz des Landes (CENCO) in einer Botschaft mit dem Titel „Noch mehr unschuldiges Blutvergießen in der Demokratischen Republik Kongo“ („Encore le sang des innocents en RD Congo! Cf. Jr 19,4“) nachdrücklich „die unwürdige Art, den Krieg als Mittel zur Lösung von Problemen anzusehen“, verurteilt und den Einsatz von Gewalt zur „Erfüllung nicht bekannter Ambitionen“ eine Absage erteilt (vgl. Zenit vom 16. Oktober 2008).

Die Bischöfe bezogen sich in ihrem Dokument auf die die Bibelstelle Jeremia 19,4, wo es heißt: „Denn sie haben mich verlassen, mir diesen Ort entfremdet und an ihm anderen Göttern geopfert, die ihnen, ihren Vätern und den Königen von Juda früher unbekannt waren. Mit dem Blut Unschuldiger haben sie diesen Ort angefüllt.“

Nach Angaben der Caritas-Mitarbeiter in Goma ist die Stadt derzeit noch nicht von den Rebellen eingenommen worden. Die Einnahme der Stadt durch die Rebellen wäre nach Ansicht von Christoph Klitsch-Ott, Referatsleiter Afrika bei Caritas international, ein Desaster: „Das darf die Weltgemeinschaft nicht zulassen. Goma ist die Drehscheibe für den gesamten Handel in der Region. Für die UNO und die Hilfsorganisationen ist die Stadt der wichtigste Standort zur Organisation von Hilfe für die insgesamt bereits mehr als eine Million Flüchtlinge. Der Zivilbevölkerung drohten weitere Plünderungen und Vergewaltigungen."

Die Zustände in den Flüchtlingslagern sind verheerend. So müssen sich in einem umfunktionierten Waisenhaus in Goma 200 Menschen auf 40 Quadratmetern zusammenpferchen. Latrinen fließen über; unter den Flüchtlingen befinden sich viele Hochschwangere und Babies von wenigen Wochen.

„Täglich werden hier Kinder unter grauenhaften hygienischen Umständen zur Welt gebracht", berichtet Bühler. „Eine medizinische Versorgung gibt es für diese Menschen bislang nicht." Erschwerend komme die Regenzeit hinzu: „Es ist kalt, die Menschen sind durchnässt und frieren."

Caritas international ruft die deutsche Bevölkerung dringend zu Spenden für die Flüchtlinge im Kongo auf. Die Caritas Kongo will in Goma und Butembo das Überleben von 90.000 Menschen gewährleisten.

Spenden mit Stichwort Kongo unter: Caritas international, Freiburg, Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00, oder online unter www.caritas-international.de