Der Krieg gegen Christen

Ein von den Zeitungen vernachlässigtes Thema

Sydney, (ZENIT.org) P. John Flynn LC | 447 klicks

In seinem jüngsten bei „Crown Publishing“ erschienenen Buch mit dem Titel „The Global War on Christians: Dispatches From the Front Lines of Anti-Christian Persecution“ (Der globale Krieg gegen Christen: Nachrichten von der Christenverfolgung an vorderster Front) bezeichnet der Vatikanexperte John Allen die Christenverfolgung als „das dramatischste Kapitel in der Religionsgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts.“ Allens Werk liefert eine umfassende Darstellung der verschiedenen Bedrohungen gegen Christen.

Dazu schreibt der Autor: „Christen sind heute zweifellos die weltweit am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft, und allzu oft leiden diese neuen Märtyrer im Stillen.“

Diese Stille beruhe laut Allen weitgehend auf der Tatsache, dass das Thema trotz der von den Christen offensichtlich erlittenen Vergehen eine unzureichende Berichterstattung erfährt.

Der Autor verweist auf Schätzungen des protestantischen Wissenschaftlers Todd Johnson, wonach im Zeitraum von 2000-2010 jährlich mindestens 100.000 Christen ermordet worden seien.

Allen unterscheidet zwischen den Problemen der im Westen lebenden Christen wie beispielsweise die Polemik über die Gesundheitsreform in den USA, und den weitaus blutigeren Verfolgungen in verschiedenen Ländern Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens.

Obwohl Christen in den westlichen Nationen nicht der Folter oder dem Tod zum Opfer fallen, sind sie dennoch erbitterter Feindseligkeit ausgesetzt.

Zuletzt beobachtete Vorfälle in Australien stellen die Christen entgegengebrachte Intoleranz beispielhaft dar.

Im australischen Bundesstaat Victoria ermittelt die bundesstaatliche Sanitätskommission gegen den Arzt Mark Hobart. Dieser hatte sich zur Überweisung eines indischen Ehepaars an einen anderen Arzt geweigert. Das Paar wollte ein gesundes Mädchen in der 19. Schwangerschaftswoche abtreiben, da es sich einen Jungen wünschte. (vgl. „Herald Sun“, 5. Oktober 2013).

Hobart, ein Katholik, war um die Durchführung der Abtreibung gebeten worden, hatte dies jedoch abgelehnt und auf die Bitte um Überweisung an einen anderen Arzt angegeben, keinen Mediziner zu kennen, der einen entsprechenden Eingriff vornehmen könne.

In einem in der „Herald Sun“ erschienen Artikel kommentierte Miranda Devine: „Die Ironie besteht darin, dass das Abtreibungsgesetz in Victoria, das weltweit zu den schärfsten zählt, von einem parteiübergreifenden feministischen Programm forciert wurde.“ Sie führte aus: „Dennoch wurde diese Gesetze zur Bestrafung eines Arztes verwendet, der sich gegen eine Abtreibung aufgrund des Geschlechtes des ungeborenen Kindes gewandt hatte; eine Praxis, infolge derer Mädchen in Indien und anderen patriarchalen Gesellschaften gleichsam zu einer bedrohten Art werden.“

Ferner wurde der „Marsch für das Leben“ in der australischen Hauptstadt Melbourne abgehalten. Aus der auf der Internetseite LifeNews.Com veröffentlichten Bildergalerie wird erkennbar, dass diese friedliche Veranstaltung gewaltsam angegriffen wurde.

Laut einem auf „9 News Website“ veröffentlichten Bericht vom 9. Oktober 2013 gab Bernie Finn, Parlamentsabgeordneter in Victoria, folgende Stellungnahme ab: „Zahlreiche Menschen wurden infolge der Geschehnisse des Vortages verletzt.“

Etwa 3000 Teilnehmer an dem „Marsch für das Leben“ baten um eine Abschaffung der Reform des Abtreibungsgesetzes von 2008, mit dem jeglicher Rechtsschutz für das ungeborene Leben beseitigt wurde.

Australien ist bei weitem nicht das einzige Land mit diesem Konflikt. In England verkauften Hazelmary und Peter Bull ihr Chymorvah Hotel in Cornwall.

Die Eheleute verloren ein gegen sie angestrengtes Verfahren aufgrund ihrer Weigerung einem gleichgeschlechtlichen Paar ein Zimmer zu vermieten (vgl. „Daily Mail, 19. September 2013)

Nach dem Verlust des Prozesses wurde das Ehepaar Bull zur Zielscheibe zahlreicher Angriffe, inklusive Vandalismus und Morddrohungen.

Im Einklang mit ihren christlichen Werten hatten die Hotelbesitzer seit ihrer Übernahme des Hotels im Jahre 1986 ausschließlich an verheiratete heterosexuelle Paare Zimmer vergeben.

Das Paar legte beim Obersten Gerichtshof Berufung gegen das zu ihren Lasten gefällte Urteil ein (vgl. „Telegraph“, 9. Oktober 2013).

In seinem Plädoyer vor den beiden Richtern argumentierte Aidan O’Neil, der Verteidiger des Paares, folgendermaßen: „Das Ehepaar ist nicht mit Rassisten oder Urhebern anderer Formen der Diskriminierung gleichzusetzen, denn ihre Entscheidung beruht auf einem ‚religiös motivierten Gewissensurteil‘.“

Themen in Zusammenhang mit gleichgeschlechtlicher Ehe führen auch in den Vereinigten Staaten zu Konflikten. Barronelle Stutzmann, Floristin in Richland, Washington, wurde zwei Mal angeklagt: von Staatsanwalt Bob Ferguson und von der amerikanischen Bürgerrechtsvereinigung (vgl. „Wall Street Journal“, 19. September 2013).

Die ihr angelastete Straftat war die Verweigerung des Verkaufs von Blumen an homosexuelle Paare. Priester und Angehörige des Klerus sind im Allgemeinen von derartigen rechtlichen Schritten ausgenommen, doch dieser Schutz erstreckt sich nicht auf Unternehmer.

Am vergangenen 10. Oktober publizierte die Zeitschrift „Crisis“ einen langen Artikel zum Thema der Christen, die Homosexualität aus Gewissensgründen nicht befürworten. Demnach zeigten sich die mit der gleichgeschlechtlichen Ehe verbundenen Schwierigkeiten beispielsweise bereits bei Hochzeitstorten, der Hochzeitsfeier oder Hochzeitsfotos.

Die christlichen Unternehmer berufen sich auf das Recht auf Religionsfreiheit, doch ihre Gesuche wurden von den Gerichten abgelehnt.

Offenbar gelten die Plädoyers für Toleranz und Respekt nur für eine der involvierten Konfliktparteien.