Der Libanon dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht (Teil 1)

P. Charbel Bteich über die Bedeutung des Weiheaktes des libanesischen Patriarchen

Rom, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 412 klicks

Am vergangenen Sonntag, dem 16. Juni 2013, weihte der Maronitische Patriarch von Antiochien und des ganzen Orients, Béchara Pierre Kardinal Raï, den Libanon und den gesamten Orient dem Unbefleckten Herzen Mariens. Der Akt vollzog sich durch das Verlesen einer Bittschrift am Rande einer eucharistischen Liturgie im nationalen Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Libanon in Harissa. Eine Vielzahl von Gläubigen versammelte sich rund um die Basilika und betete dafür, dass der Weiheakt den Libanon vor der „Ansteckung“ von den sich in Syrien ausbreitenden Konflikten bewahre. Im Gespräch mit ZENIT berichtete P. Charbel Bteich vom Maroniten-Orden der seligen Jungfrau Maria über dieses bedeutende Ereignis für das Land der Zedern.

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Patriarch Rai hat am Sonntag den Libanon und den gesamten Mittleren Osten dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht und ein Gebet für die Befreiung aller Völker der Region „von den Sünden, die zu Spaltungen, Aggressionen und Gewalt“ führen, gesprochen. Wie hat der Mariamitische Maroniten-Orden diese Botschaft aufgenommen?

P. Bteich: Ebenso wie die gesamte Kirche hat der Mariamitische Maroniten-Orden diese Gelegenheit zur Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens mit großer Freude aufgenommen. Der Libanon ist die Heimat Mariens schlechthin. Man denke nur beispielsweise an die Tatsache, dass alle Patriarchen den Namen der Jungfrau Maria tragen. Es besteht stets ein großes Vertrauen der Mutter Gottes gegenüber, und alle Menschen setzen starke Hoffnung in sie und hegen eine große Begeisterung und Frömmigkeit ihr gegenüber. Darin offenbart sich der in der Schule Mariens an unserem Zufluchtsort gelebten Glaubens. Die so verstandene Weihe ist eine Krönung des von dieser intensiven marianischen Geistlichkeit geformten Glaubens der Christen des Libanon und des Mittleren Ostens.

Erläutern Sie bitte die Bedeutung dieses Aktes. Worin besteht diese Weihe vor allem? In Anbetracht der „Fälle“ der Vergangenheit – allen voran die Weihe des seligen Johannes Paul II. im Jahre 1984 – erscheint sie gleichsam als „Austreibung“ der Sünden und des Bösen der Welt …

P. Bteich: Das Ziel ist die Heiligung des Volkes und der Erde – nicht nur des Libanon, sondern des gesamten Mittleren Ostens – und die Verwirklichung des Friedens in den Herzen, in den Familien und zwischen den Völkern trotz der anhaltenden und schweren Konflikte in Syrien und in der gesamten Region … Dennoch ist die Weihe kein automatischer „magischer“ Akt. Es handelt sich zwar um eine Bitte um Hilfe, die nur von Gott kommen kann, doch zugleich ist sie ein das Leben der Christen berührender persönlicher Einsatz. So fanden vor dem Vollzug der Weihe durch Johannes Paul II. am 25. März 1984 in Gemeinschaft mit allen Bischöfen der Welt zahlreiche weitere Weiheakte statt; beispielsweise jener von Papst Pius XII. im Jahre 1942, als er die Welt dem Unbefleckten Herzen der Jungfrau weihte, und dann im Juli 1952 mit der Weihe Russlands durch das apostolische Schreiben „Sacro Vergente Anno“. Damit möchte ich sagen, dass die Weihe gerade deshalb wiederholbar ist, weil sie mit dem Einsatz im Leben in Verbindung steht und den Höhepunkt ihrer Reife erreicht, wenn sie mit den Erwartungen der Jungfrau selbst im Einklang steht. In diesem Sinne betete der selige Wojtyla mit folgenden Worten zu Maria: „Erleuchte besonders jene Völker, von denen du selbst unsere Weihe und unser Anvertrauen erwartest“.

Beschreiben Sie die derzeitige Lage im Mittleren Osten, die den Patriarchen zu diesem Schritt bewogen hat.

P. Bteich: Die Schwierigkeiten können in drei Punkten zusammengefasst werden: der Krieg in Syrien, die Sicherheitsprobleme im Libanon (der in jeder Hinsicht in den Krieg hineingezogen wird) sowie die sehr komplexe politische Lage. Hinzu gesellt sich noch die äußerst kritische wirtschaftliche Situation. Patriarch Rai hat diesen Schritt getan, damit im Libanon Tod und Verzweiflung nicht das letzte Wort haben! Trotz des Ernstes der Lage überlebt das Land, und die Menschen des Mittleren Ostens überwinden die Schwierigkeiten. Sie leben und hoffen weiter. Wir sind daher dazu aufgefordert, uns daran zu erinnern, dass der Mensch ein Geschenk Gottes ist, Achtung verdient und das Recht besitzt, in Freiheit zu leben. Gerade weil er ein Geschenk Gottes ist, wendet Gott sich niemals von ihm ab. Daher ist die Geste der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens unsererseits eine Verfestigung dieser Verbindung zu Gott, indem wir nur in ihm unser Heil erkennen.

(Der zweite Teil folgt Dienstag, 25. Juni)