Der Malteserorden trauert um verstorbenen Großmeister Fra’ Andrew Bertie

Benedikt XVI. würdigt lebendiges Glaubenszeugnis

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ROM, 8. Februar 2008 (ZENIT.org).- Am Abend des 7. Februar ist der Großmeister des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens, Fra’ Andrew Willoughby Ninian Bertie, nach schwerer Krankheit in Rom gestorben.



Mit großer Trauer reagieren die Malteser weltweit auf den Tod des Prinzen, der den „Souveränen Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta“ – so der volle Namen des Ordens, der um 1099 aus einer Hospitalbruderschaft in Jerusalem hervorgegangen ist – seit April 1988 als 78. auf Lebenszeit gewählter Großmeister vorgestanden war. Kirchenrechtlich hat der Großmeister den protokollarischen Rang eines Kardinals, darf allerdings nicht am Konklave zu einer Papstwahl teilnehmen.

Der Großkomtur des ältesten Ritterordens der Kirche, Bailli Fra’ Giacomo della Torre del Tempio di Sanguinetto, wurde zum Ordensstatthalter ernannt; er wird nun den Orden bis zur Wahl des neuen Großmeisters leiten.

Papst Benedikt XVI. würdigt in einem heute veröffentlichten Kondolenztelegramm, das an alle Mitglieder des Malteser-Ritter-Ordens gerichtet ist, insbesondere den hochherzigen Einsatz des Verstorbenen „für die Bedürftigsten“,  seine tiefe Liebe zur Kirche und sein „leuchtendes Zeugnis für die Prinzipien des Evangeliums“.

„Der Malteser-Hilfsdienst in Deutschland verliert mit Fra’ Andrew jemanden, der uns Maltesern sehr verbunden war und unsere Professionalität hoch geschätzt hat. Das spirituelle Wachstum der Malteser weltweit war ihm ein Herzensanliegen“, erklärte Dr. Constantin von Brandenstein-Zeppelin, ehrenamtlicher Präsident des Malteser-Hilfsdienstes in Deutschland. „Der Großmeister war ein zutiefst geistlicher Mann und hat den Orden in seiner sehr zurückhaltenden und bescheidenen Art aus diesem geistlichen Fundament heraus sicher geführt und allen seinen Mitarbeitern einen klaren Rückhalt gegeben. In seine Regierungszeit fällt eine starke Erneuerung des Ordens, die ihren Höhepunkt 1997 mit der Verabschiedung einer neuen Ordensverfassung gefunden hat.“

In den fast 20 Jahren seiner Regentschaft hat der Orden eine bisher ungekannte Ausdehnung erfahren. Überall in der Welt sind neue Ordensassoziationen entstanden, die Zahl der diplomatischen Beziehungen hat sich mehr als verdoppelt und nicht zuletzt fällt in diese Zeit der Aufbau der Ordenswerke in den ehemals kommunistischen Ländern. Beim Besuch des Heiligen Vaters am zweiten Advent des vergangenen Jahres im römischen Malteser-Krankenhaus „hat dieses Wirken des Großmeisters eine klare Würdigung durch den Papst erfahren“, so Albrecht Freiherr von Boeselager, Großhospitalier und Mitglied der Ordensregierung sowie Kanzler der Deutschen Assoziation des Malterordens.

Fra’ Andrew hat in seiner Amtszeit die verschiedenen Werke des Malteserordens in Deutschland mehrfach besucht. So etwa bei seiner großen Deutschland-Visite vom 26. März bis 5. April 1992, als er unter anderem in den Malteser-Krankenhäusern in Flensburg und Räckelwitz, beim Malteser-Hilfsdienst in Köln und in der Malteser-Aussiedlerbetreuung in Dranse bei Wittstock war. In Bochum fuhr er mit im Mahlzeitendienst, in Berlin traf er den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Diese Treffen haben Tradition. So empfing Bundespräsident Johannes Rau Fra' Andrew in der Villa Hammerschmidt, seinem Bonner Amtssitz, als dieser im September 2003 zum 50-jährigen Bestehen des Malteser-Hilfsdienstes wiederum Deutschland besuchte. Auch die großen Rom-Wallfahrten der deutschen Malteser mit Behinderten konnten auf seine Unterstützung zählen.

Andrew Willoughby Ninian Bertie war der erste Brite an der Spitze in der 900jährigen Geschichte des Ordens. Aus der Familie der Grafen von Lindsey und Agingdon stammend, wurde er am 15. Mai 1929 geboren. Er war Schüler der Benediktiner am Ampleforth College in Yorkshire und hat am Christ Church College in Oxford in Geschichte der Neuzeit promoviert. Weitere Studien folgten am Institut für afrikanische und orientalische Studien an der Universität in London. Von 1948 bis 1950 leistete er seinen Militärdienst bei den Scots Guards, deren Offizier er 1949 wurde. Nach kurzer Tätigkeit als Wirtschaftsjournalist unterrichtete er 23 Jahre lang moderne Sprachen (vor allem Französisch und Spanisch) an der Worth School, dem Lyzeum der Benediktiner in Sussex. Er selbst sprach fließend fünf Sprachen. 1956 wurde er in den Malteserorden aufgenommen, legte in der Folge die ewigen Gelübde ab und wurde 1981 Professritter. Als Mitglied des Souveränen Rates war er seit 1981 in der Ordensregierung. Im April 1988 wurde er zum 78. Großmeister gewählt. Er war Hospitalier des Heiligtums von Lourdes.

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden steht in Kontinuität zu dem ursprünglich „Hospitalorden“ oder „Johanniterorden“ genannten Ritterorden. Völkerrechtlich wird der Orden als ein souveränes, nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt betrachtet (ein „Staat ohne Territorium“). Er unterhält mit rund 100 Staaten ordentliche diplomatische Beziehungen (darunter Österreich) sowie ständige Vertretungen in fünf weiteren Staaten (darunter Deutschland).

Der Sitz des Malteserordens in Rom (Liegenschaften in der Via dei Condotti 68, in der Nähe der Spanischen Treppe, und an der Piazza dei Cavalieri di Malta 4 auf dem Aventin) genießt den exterritorialen Status einer ausländischen Botschaft. Der Orden hat weltweit etwa 12.500 Mitglieder. Er weist eine eigene Währung mit Münzprägung und die Herausgabe von Briefmarken vor. Der Souveräne Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta genießt bei den Vereinten Nationen als „Entität“ (nicht als Staat) Beobachterstatus.

Der Malteserorden ist heute in über 90 Ländern der Welt mit eignen Hilfsorganisationen oder Tochterinstitutionen des Ordens karitativ tätig.