Der Mensch hat Vorrang: Benedikt XVI. würdigt die historische Bedeutung der Ungarischen Revolution vor 50 Jahren

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ROM, 24. Oktober 2006 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat zum 50. Jahrestag des Aufstands der ungarischen Bevölkerung gegen das Sowjetregime den Vorrang des Menschen und seiner unveräußerlichen Würde unterstrichen.



In seiner Grußbotschaft an den ungarischen Staatspräsidenten Lásló Sólyom, die am Montag vom Heiligen Stuhl veröffentlicht wurde, ruft der Heilige Vater die aufrüttelnden Ereignisse in Erinnerung, die am 23. Oktober 1956 ihren Ausgang nahmen, und gedenkt der zahlreichen Opfer, die bis zur endgültigen Niederschlagung der Revolution am 4. November des genannten Jahres den Tod fanden.

Der Papst erinnert in seinem Schreiben daran, dass Papst Pius XII. während der Volkserhebung mehrfach an die internationale Gemeinschaft appelliert hatte, sich für die Selbstbestimmung der Ungarn einzusetzen.

Nachdem er den Wert dieses Aufstands für die Geschichte des ungarischen Volkes und für ganz Europa hervorgehoben hat, verweist Benedikt XVI. darauf, dass er bei den Jubiläums-Feierlichkeiten vom Dekan des Kardinalskollegiums, seinem früheren Staatssekretär Kardinal Angelo Sodano, vertreten werde.

Der Bischof von Rom hebt die 1000 Jahre alten guten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Ungarn hervor und bekräftigt, dass er sich sehr freue, denn „in Ungarn herrscht trotz Jahrhunderte langer Unterdrückung von außen – zuletzt durch die Sowjets – ein gerechtes Gleichgewicht zwischen Staat und Bürgertum“, das nicht ideologisch gefärbt sei.

Nach der christlichen Sicht, die verschiedenen Völker ursprünglich dazu veranlasst habe, sich zur einen ungarischen Nation zusammenzuschließen, „hat die menschliche Person mit ihren rechtmäßigen moralischen, ethischen und sozialen Aspirationen Vorrang vor dem Staat“, betont Benedikt XVI.

„Die rechtmäßige Struktur und die weltliche Natur des Staates sind im Naturecht immer mit Respekt bedacht worden“ und manifestierten sich in authentischen nationalen Werten“, fügte der Papst hinzu. Diese Werte würden für die Gläubigen durch die Offenbarung zusätzlich bereichert.

Der Heilige Vater beendet seine Botschaft mit dem „innigen Wunsch“, dass Ungarn eine Zukunft aufbauen möge, „die frei ist von allen Formen der Unterdrückung und ideologischer Fremdbestimmung“. Zudem hofft der Papst, dass das Gedenken an den Aufstand vor 50 Jahren Gelegenheit biete, „um zeitgemäße Reflexionen über die moralischen, ethischen und geistigen Ideale und Werte anzustellen, die Europa, von dem Ungarn ja ein Teil ist, geformt haben.

Benedikt XVI. ruft die Ungarn schließlich dazu auf, weiterhin „eine Zivilisation zu fördern, die auf dem Respekt für die menschliche Person und ihr erhabenes Ziel basiert“.