Der neu gewählte Präsident von Paraguay bittet die Kirche um Vergebung

Fernando Lugo wird nicht exkommuniziert

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ASUNCIÓN/ROM, 23. April 2008 (ZENIT.org).- Fernando Armindo Lugo Méndez ist seit den Wahlen vom 20. April 2008 der designierte Staatspräsident von Paraguay. Von 1994 bis 2006 war Lugo Bischof von San Pedro, einer der ärmsten und konfliktreichsten Regionen Paraguays.



Lugo war in Encarnación, einer Grenzstadt zu Argentinien, in die Schule gegangen und arbeitete in jungen Jahren als Volksschullehrer. Nach dem Studium der Theologie an der Universidad Católica in Asunción wurde er 1977 zum Priester geweiht. Als Steyler-Missionar ging er Ende der siebziger Jahre nach Ecuador, wo er mit Leonidas Proaño zusammenarbeitete, der als „Bischof der Armen“ bekannt war. Nach Paraguay zurückgekehrt, verwies ihn 1983 die Stroessner-Diktatur des Landes, so dass er für vier Jahre im Exil in Rom leben musste, wo er Soziologie studierte. 1994 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von San Pedro ernannt.

Vor mittlerweile drei Jahren schloss sich Lugo der damals aufkommenden Protestbewegung gegen Präsident Nicanor Duarte Frutos an. Angesichts seiner politischen Ambitionen trat er noch im selben Jahr als Ordinarius der Diözese San Pedro zurück und suchte im Dezember 2006 beim Heiligen Stuhl um Laisierung an. Die Kongregation für die Bischöfe wies das Ansinnen mit dem Hinweis darauf zurück, dass das Bischofsamt ein aus freien Stücken angenommener Dienst sei, der ein Leben lang dauert, suspendierte Lugo jedoch „a divinis“, was bedeutet, dass er weiterhin Kleriker ist, das Hirtenamt aber nicht ausüben darf. Lugo konnte dadurch für das Präsidentenamt kandidieren, da es nach Artikel 235 der Verfassung Paraguays kirchlichen Amtsträgern untersagt ist, Präsident oder Vizepräsident zu werden.

Einen Tag nach seiner Wahl bat Lugo vor den Mikrophonen des Radiosenders „Fe y alegría“ („Glaube und Freude“) die katholische Kirche und im Besonderen Papst Benedikt XVI. um Verzeihung für den „Schmerz“, den sein Ungehorsam gegenüber den Gesetzen des Kirchenrechts hervorgerufen habe.

Am 14. April hatte die Apostolische Nuntiatur von Paraguay erneut daran erinnert, dass Lugo von seinen mit dem Priester- und Bischofsamt verbundenen Pflichten suspendiert sei. Lugo erklärte sich bereit, mit den zuständigen Stellen über eine für ihn und die Kirche befriedigende Lösung zu verhandeln. Die Position Lugos ist kanonisch betrachtet komplex und in dieser Form einzigartig.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Paraguay, Ignacio Gogorza, erklärte diesbezüglich, dass die Entscheidung in den Händen des Papstes liege. Allerdings werde die Lösung dieses Problems eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Die Kirche warte auf die Weisungen des Heiligen Stuhls. Die Bischofskonferenz ließ zudem verlauten, dass die Kirche in Paraguay Lugo offiziell als designierten Präsidenten anerkenne.

P. Federico Lomabrdi SJ, Leiter des Pressebüros des Heiligen Stuhls, stellte fest, dass eine Exkommunikation nicht in Frage komme. Mit einem Dekret der Kongregation für die Bischöfe vom 20. Januar 2007 habe ihr Präfekt, Kardinal Giovanni Battista Re, den Bischof und Präsidentschaftskandidaten Lugo „a divinis“ suspendiert. Re habe dies mit „aufrichtigem Schmerz“ gemäß der Norm des Kirchenrechtes getan, wie sie im Can. 1333 § 1 festgelegt ist.