Der neue Rabbiner des Commonwealth verteidigt die natürliche Ehe

Ephraim Mirvis zum Oberrabbiner Großbritanniens und des Commonwealth of Nations gewählt

Rom, (ZENIT.org) Antonio Gaspari | 499 klicks

Wie der italienische Journalist Marco Tosatti bereits im Blog „San Pietro e Dintorni” (St. Peter und Umgebung) berichtete, wird sich der kürzlich zum Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde in Großbritannien und des Commonwealth of Nations gewählte Ephraim Mirvis eigenen Angaben zufolge für die Verteidigung der traditionellen jüdischen Werte einsetzen, unter anderem für die Unterstützung der natürlichen Eheschließung.

Gegenüber der BBC stellte der Oberrabbiner fest: „Unsere Definition der Ehe ist eindeutig biblischen Ursprungs. Es handelt sich um die Verbindung von Mann und Frau, und in dieser Verbindung gründet der Wert der traditionellen Familie.“ Nachdem er bereits betont hatte, dass die Frau im Judentum künftig einen höheren Stellenwert haben werde, fügte Mirvis abschließend hinzu: „Wir kämpfen um Gleichstellung, doch wenn wir von Gleichstellung sprechen, meinen wir nicht Gleichförmigkeit.“

Der 56-jährige Ephraim Mirvis wurde in der Nähe von Johannesburg in Südafrika geboren. Sein Vater Lionel war Rabbiner Claremonts und der „Wynberg Hebrew Congregation“ in Kapstadt. Auch sein Großvater Lazar wirkte als jüdischer Minister in Johannesburg. Er begann ein Studium in Südafrika und ging daraufhin nach Israel, wo er im Jahre 1980 im Alter von 24 Jahren zum Rabbiner ordiniert wurde. Im Jahre 1982 wurde der verheiratete Vater von vier Kindern Rabbiner der „Adelaide Road Synagogue“ in Dublin. Von 1985 bis 1992 erfüllte er die Funktion des Rabbiners von Irland.

Von 1992 bis 1996 wirkte er als Rabbiner an der „Western Marble Arch Synagogue“ in London und anschließend an der auch unter dem Namen Kinloss bekannten „Finchley United Synagogue“. Ephraim Mirvis bekleidete zahlreiche Ämter. So war er bis zum Jahre 1985 unter anderem Vorstandsmitglied der „Conference of European Rabbis“. Neben seinen Arbeit in der Ausbildung sind seine interreligiösen Initiativen von Bedeutung.

In den Zeitraum von 1985 bis 1992 fällt seine Präsidentschaft des „Irish Council of Christians and Jews (CCJ)“. Er beteiligte er sich am Dialog mit Kirchenführern am Windsor Castle und Lambeth Palace und hielt im Rahmen der Synode von England im Jahre 2005 eine Rede.

Ephraim Mirvis nahm als erster Rabbiner den Redebeitrag eines Imam, Dr. Mohammed Essam El-Din Fahim, in einer Synagoge auf. Ferner führte er eine Delegation von Mitgliedern seiner Gemeinschaft durch die Moschee von Finchley und initiierte ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Synagoge und Moschee.

Seine Nominierung zum Oberrabiner des Commonwealth wurde am 17.Dezember 2012 beschlossen und trat mit 1. September 2013 in Kraft. Mirvis ist der 11. Oberrabbiner der „United Hebrew Congregations of the UK“ und des Commonwealth und der erste Südafrikaner in einem Amt dieser Tragweite.

Nach einer Danksagung an seinen Vorgänger, Lord Sacks, für dessen umfangreiche geleistete Arbeit skizzierte Mirvis seine künftigen Aufgabenbereiche: die Stärkung und die Förderung des Wachstums der Gemeinschaft sowie die Erneuerung der Identität, der Kultur, der Werte und der Lehre des Judentums. Mirvis zufolge müsse die Synagoge den Stellenwert der Zentren für religiöse, der kulturellen Bildung gewidmete und soziale Tätigkeiten festigen.

Bezüglich der Gefahren der Säkularisierung verwies der Rabbiner auf Untersuchungen, wonach drei von vier Personen in Großbritannien angegeben hätten, von religiösem Glauben erfüllt zu sein. Dazu bemerkte er Folgendes: „Wir leben in schwierigen Zeiten, und gerade deshalb muss der Glaube eine große Rolle spielen. Unsere Gesellschaft kann von den Vorteilen des Glaubens und einer geistlichen Führerschaft profitieren.“

Der Oberrabbiner zeigte sich besorgt über die unter anderem im Bereich des Fußballs gefallenen antisemitische Äußerungen (er selbst ist ein Anhänger des Tottenham Hotspur Football Club) und erkannte in der Tatsache, dass sämtliche Gruppen des Parlaments derartige Erscheinungen nicht unterstützten, jedoch einen Grund zur Freude. „Der Kampf gegen den Antisemitismus wird nicht ausschließlich von der jüdischen Gemeinschaft geführt, sondern von der Regierung. Dieser Umstand wird von uns hoch geschätzt.“